Tragischer Vorfall auf Ischia

„Hilf mir, rette mich“: Frau stürzt in Italien von Klippe – Partner soll Hilferufe ignoriert haben

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Ein furchtbarer Vorfall auf der italienischen Insel Ischia erschüttert Inselbewohner. (Symbolbild)
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Ein Vorfall in Italien sorgt für Entsetzen: Eine Frau stirbt, weil ihr Lebensgefährte ihr nicht geholfen haben soll. Jetzt wird gegen ihn ermittelt.

Barano – Marta Maria O. hätte gerettet werden können, das schreibt die italienische Tageszeitung La Repubblica. Nachdem die 32-jährige Ukrainerin von einer etwa zwei Meter hohe Klippe auf der Insel Ischia gestürzt war, bat sie ihren Lebensgefährten per WhatsApp-Nachrichten und Telefonanrufen um Hilfe. Das zeigten spätere Untersuchungen des Mobiltelefons.

„Ich bin gefallen. Hilf mir, rette mich“, schrieb sie ihm demnach. Trotz mehrfacher Hilferufe habe der Mann jedoch keine Maßnahmen unternommen, um seine Partnerin zu retten. Die Frau starb „offenbar unter langen Todesqualen“, so die italienische Tageszeitung weiter.

Nach tragischem Tod in Italien: Staatsanwaltschaft nimmt Lebensgefährte ins Visier

Am Sonntagmorgen (14. Juli) wurde die Leiche von Marta in der Gegend von Vatoliere in Barano, nur wenige Meter von ihrem Zuhause entfernt, auf einer Böschung gefunden. Ihr Lebensgefährte hatte die Behörden zuvor informiert.

Wie die italienische Tageszeitung berichtet, nahmen die Carabinieri von Ischia unter dem Kommando von Kapitän Tiziano Laganà anfänglich noch an, dass es sich möglicherweise um einen Unfalltod handle. Der Gerichtsmediziner soll nach der ersten Begutachtung der Leiche jedoch festgestellt haben, dass die Verletzungen am Körper der Frau sowohl von dem Sturz als auch von früheren Schlägen stammen könnten. Gegen den Partner der Verstorbenen, einen 41-jährigen Russen, wurde von der Staatsanwaltschaft Neapel nun ein Haftbefehl wegen Misshandlungsvorwürfen verhängt, berichtet La Stampa.

Ein mutmaßlicher Frauenmord erschütterte zudem Anfang des Jahres Italien.

Inselbewohner in Italien geschockt: Marta Maria O. soll nach Sturz noch gelebt haben

Auf Anhörung des Richters gab der Betroffene zu, sich wenige Stunden zuvor mit der 32-Jährigen gestritten zu haben. In der Nacht vom 13. auf den 14. Juli habe er nachts sogar nach seiner Freundin gesucht und sie in inmitten der Vegetation gefunden, noch am Leben.

Doch statt ihr zur Hilfe zu eilen, habe er ihr nach eigenen Angaben mitgeteilt, dass „sie die Nacht dort schlafen müsse.“ Medienberichten zufolge gebe es aber keinen begründeten, direkten Verdacht auf Feminizid. Die Ermittlungen in dem Fall dauern noch an.

„Wir sind bestürzt über das, was passiert ist. Wir drücken der Familie der Frau unser Beileid aus“, zitiert La Repubblica Dionigi Gaudioso, den Bürgermeister von Barano d‘Ischia.

Verstorbene wurde wohl jahrelang von ihrem Partner misshandelt

Marta Maria O. lebte nach Angaben von La Repubblica schon seit einiger Zeit mit einigen Familienmitgliedern auf Ischia. Sie galt als psychisch anfällig und sei im Zentrum für psychische Gesundheit behandelt worden. Schon während der Beziehung, so die Rekonstruktion der Ermittlungen, habe ihr Lebensgefährte sie wiederholt angegriffen, bedroht und sie in ihren grundlegendsten Freiheiten, darunter der Kontakt zu ihrer Familie, eingeschränkt.

Nachbarn beschrieben die beiden gegenüber der italienischen Tageszeitung als „lärmendes Paar“. Im Juli 2022 habe die 32-Jährige nach einem Faustschlag ins Gesicht im Rizzoli-Krankenhaus in Lacco Ameno behandelt werden müssen. Kurze Zeit später habe sie Verbrennungen zweiten Grades erlitten.

Der Mord an der jungen Studentin Giulia Cecchettin veranlasste viele Menschen gegen die zunehmende Gewalt an Frauen zu demonstrieren. Doch auch in Deutschland steigt die Gewalt gegen Frauen. Jeden Tag erleiden nach Angaben von Bundesfamilienministerin Lisa Paus mehr als 700 Menschen in Deutschland häusliche Gewalt. „Jeden zweiten Tag stirbt eine Frau durch Partnerschaftsgewalt“. Das Lagebild „Häusliche Gewalt“ des Bundeskriminalamts zeigt, dass die Zahl der gemeldeten Fälle im vergangenen Jahr 2023 gestiegen sind. (vw)

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