Elite-Soldat packt aus

Schütze: "So tötete ich Osama bin Laden"

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Das linke Bild zeigt Navi Seals im aktuellen Kinofilm "Dark Zero Thirty". Auf dem rechten Bild ist Osama bin Laden zu sehen.

Washington - Der ehemalige US-Elitesoldat, der im Mai 2011 Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan erschoss, hat in einem Interview zum ersten Mal Details über die "Operation Geronimo" verraten.

Als der ehemalige Elite-Soldat und Todesschütze Osama bin Laden zum ersten Mal sah, versteckte dieser sich hinter seiner jüngsten Ehefrau. In einem Interview mit dem US-Magazin "Esquire" berichtet der Navi-Seals-Soldat, der Terroristenführer habe „verwirrt“ ausgesehen und sei viel größer erschienen, als er erwartet habe. Die Eliteeinheit war in das Schlafzimmer im dritten Stock des Hauses in Abbottabad im Nordosten Pakistans eingedrungen. Dort hatte sich Osama bin Laden zusammen mit drei seiner Frauen kurz vor seinem Tod aufgehalten. 

"Ich sah ihm zu, wie er zum letzten Mal Luft holte"

Als der Al-Kaida-Chef zu einer Waffe zu greifen schien, berichtet der Ex-Soldat, habe er ihn getötet. „In dieser Sekunde schoss ich auf ihn, zweimal in die Stirn. Bap! Bap! Das zweite Mal, als er umfiel. Er sank auf den Boden vor seinem Bett, und ich traf ihn erneut. Bap! Die gleiche Stelle“, zitiert der "Esquire" den Scharfschützen, der seinen Namen nicht nennen will.  Osama bin Laden sei auf der Stelle tot gewesen. Weiter berichtet er: „Seine Zunge hing heraus. Ich sah ihm zu, wie er zum letzten Mal Luft holte, aber es war nur ein Reflex.“

Der eigentliche Einsatz dauerte nur Sekunden. Danach habe er sich gefragt: "Ist dies das Beste oder das Schlechteste, was ich jemals getan habe?", wird der Ex-Elitesoldat zitiert. Und weiter: "Ich nicht religiös, aber ich hatte immer das Gefühl, dass ich aus einem ganz bestimmten Grund auf dieser Welt bin. Nach dieser Mission wusste ich, dass das meine Bestimmung war."

Weder eine monatliche Abfindung noch Gesundheitsvorsorge

Doch auch über sein eigenes Schicksal sprach der ehemalige Soldat. Im vergangenen Jahr quittierte der Scharfschütze seinen Dienst bei der Eliteeinheit „Navi Seals“ aus gesundheitlichen Gründen freiwillig. Weil er das vorgeschriebene Pensionsalter nicht erreicht habe, bekomme er weder eine monatliche Abfindung noch eine Gesundheitsvorsorge.

Auch eine Art Übergangskompensation werde dem namentlich nicht genannten Familienvater verwehrt. Man habe ihm nur gesagt: „Sie sind außer Dienst, die Absicherung ist vorbei. Danke für 16 Jahre“, schreibt das Magazin.

Osama bin Laden: Leben, Tod und Schrecken

Osama bin Laden: Leben, Tod und Schrecken

Osama bin Laden ist tot! Zehn Jahren war der meist gefürchtete Terrorist der Welt auf der Flucht. US-Soldaten spürten ihn am frühen Morgen des 2. Mai 2011 in seinem Versteck in Pakistan auf und erschossen ihn. Der Leichnam des Al-Kaida-Führers wurde auf See bestattet, wie aus US-Regierungskreisen verlautete. Bin Laden wurde vermutlich am 10. März 1957 in Saudi-Arabien geboren.
Osama bin Laden ist tot! Zehn Jahren war der meist gefürchtete Terrorist der Welt auf der Flucht. US-Soldaten spürten ihn am frühen Morgen des 2. Mai 2011 in seinem Versteck in Pakistan auf und erschossen ihn. Der Leichnam des Al-Kaida-Führers wurde auf See bestattet, wie aus US-Regierungskreisen verlautete. Bin Laden wurde vermutlich am 10. März 1957 in Saudi-Arabien geboren. © AP
Der Sohn eines Bauunternehmers schloss sich 1979 den "Gotteskriegern" an. Das Ende der 1980er Jahre gegründete Terrornetzwerk Al-Kaida (“Die Basis“) kämpft für eine islamistische Weltordnung.
Der Sohn eines Bauunternehmers schloss sich 1979 den "Gotteskriegern" an. Das Ende der 1980er Jahre gegründete Terrornetzwerk Al-Kaida (“Die Basis“) kämpft für eine islamistische Weltordnung. © dpa
Bin Laden galt als der Anführer von Al-Kaida. Er soll unter anderem für die Bombenanschläge auf die US-Botschaft in Nairobi 1998 verantwortlich sein. Dabei starben 219 Menschen.
Bin Laden galt als der Anführer von Al-Kaida. Er soll unter anderem für die Bombenanschläge auf die US-Botschaft in Nairobi 1998 verantwortlich sein. Dabei starben 219 Menschen. © dpa
Der studierte Wirtschaftswissenschaftler rief seit 1998 zum "Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen" auf.
Der studierte Wirtschaftswissenschaftler rief seit 1998 zum "Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen" auf. © AP
Trauriger Höhepunkt: Zwei entführte Passagiermaschinen fliegen in die Zwillingstürme des World Trade Centers.
Trauriger Höhepunkt: Zwei entführte Passagiermaschinen fliegen in die Zwillingstürme des World Trade Centers. © AP
Bei dem Anschlag sterben rund 3000 Menschen.
Bei dem Anschlag sterben rund 3000 Menschen. © dpa
Der Al Kaida-Chef bin Laden und sein Stellvertreter Eiman el Sawahiri versteckten sich in den Bergen Pakistans.
Der Al Kaida-Chef bin Laden und sein Stellvertreter Eiman el Sawahiri versteckten sich in den Bergen Pakistans. © AP
Fortan meldete er sich nur noch mit Haasbotschaften aus dem Untergrund zu Wort.
Fortan meldete er sich nur noch mit Haasbotschaften aus dem Untergrund zu Wort. © AP
Noch aus seinem Versteck heraus gelang es ihm eine neue Generation von Gesinnungsgenossen heranzuziehen.
Noch aus seinem Versteck heraus gelang es ihm eine neue Generation von Gesinnungsgenossen heranzuziehen. © AP
"Der Gerechtigkeit ist genüge getan", sagte US-Präsident Barack Obama. Seine Landsleute feierten auf den Straßen.
"Der Gerechtigkeit ist genüge getan", sagte US-Präsident Barack Obama. Seine Landsleute feierten auf den Straßen. © dpa/AP
Ist das Foto echt? Zeigt es Osama bin Laden? Medienberichten zufolge handelt es sich hier um ein altes Foto.
Ist das Foto echt? Zeigt es Osama bin Laden? Medienberichten zufolge handelt es sich hier um ein altes Foto. © dpa
31. August 2004: Eine mutmaßliche Tschetschenin sprengt sich in Moskau an der U-Bahn-Station Rischskaja in die Luft. Elf Menschen sterben, 50 werden verletzt. Al Kaida bekennt sich zu der Tat.
31. August 2004: Eine mutmaßliche Tschetschenin sprengt sich in Moskau an der U-Bahn-Station Rischskaja in die Luft. Elf Menschen sterben, 50 werden verletzt. Al Kaida bekennt sich zu der Tat. © dpa
23. Juli 2005: Bei mehreren Anschlägen im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich werden 66 Menschen getötet. Zu den Anschlägen bekennen sich eine mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Organisation und die Gruppe “Heilige Krieger von Ägypten“.
23. Juli 2005: Bei mehreren Anschlägen im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich werden 66 Menschen getötet. Zu den Anschlägen bekennen sich eine mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Organisation und die Gruppe “Heilige Krieger von Ägypten“. © dpa
9. November 2005: Drei Selbstmordattentäter reißen in der jordanischen Hauptstadt Amman 60 Menschen mit in den Tod. Die bis dahin im Irak operierende Terrorgruppe Al-Kaida um den Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi bekennt sich zu der Tat.
9. November 2005: Drei Selbstmordattentäter reißen in der jordanischen Hauptstadt Amman 60 Menschen mit in den Tod. Die bis dahin im Irak operierende Terrorgruppe Al-Kaida um den Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi bekennt sich zu der Tat. © dpa

Das Magazin „Stars and Stripes“ widersprach der Darstellung in dem „Esquire“-Artikel. Es sei korrekt, dass der „Schütze“ keine Altersversorgung erhalte - wie alle, die vor dem Erreichen des Pensionsalters ausschieden. Ihm stehe jedoch nach geltenden Veteranenregeln eine kostenlose fünfjährige Gesundheitsversorgung zu. „Stars and Stripes“ zufolge blieb der Autor des Berichts indessen bei seiner Darstellung - mit dem Hinweis, der „Schütze“ sei nicht darüber aufgeklärt worden, dass er zumindest vorübergehend Anspruch auf die Gesundheitsfürsorge habe. Nach Angaben der „Washington Post“ ist die mangelnde soziale Absicherung von Veteranen ein bekanntes Problem.

Doch Geldsorgen sind nicht die einzigen Probleme die den Ex-Elitesoldaten plagen: Er gab in seinem Gespräch mit dem "Esquire" an, um die Sicherheit seiner Familie zu fürchten. Ein Vergeltungsschlag der Al Kaida könne nicht ausgeschlossen werden. Er habe seinen Kindern deshalb eingehämmert, beim ersten Anzeichen eines Problems in der heimischen Badewanne Schutz zu suchen. Seine Ehefrau habe gelernt, mit einer Waffe umzugehen. Eine Tasche mit Kleidung und Lebensmitteln für 14 Tage stehe für den Fall einer plötzlichen Flucht bereit.

dpa

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