Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Supersturm „Melissa“ könnte Europa treffen – und das Wetter völlig umkrempeln

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Die Hurrikansaison 2025 läuft aus dem Ruder. Jetzt folgt Wirbelsturm „Melissa“ – und könnte sogar Europa treffen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Die Hurrikansaison 2025 verläuft anders als alles, was Meteorologen erwartet hatten. Während die USA bislang von keinem einzigen größeren Hurrikan getroffen wurden, türmen sich im Atlantik einzelne, dafür umso gewaltigere Monsterstürme auf. Aktuell sorgt Hurrikan „Melissa“ für Schlagzeilen – ein Supersturm, der sich in Rekordzeit zu einem der heftigsten Wirbelstürme der letzten Jahre entwickelt hat.

Hurrikan „Melissa“ verlagert sich in den kommenden Tagen in Richtung Nordatlantik. Wird er auf Europa treffen?

Das Paradoxe: Während an der amerikanischen Küste ungewohnte Ruhe herrscht, explodieren über dem offenen Atlantik gewaltige Energiemengen. Das zeigt: Der Atlantik ist dieses Jahr zwar stiller – aber brandgefährlich.

Warum so wenige Hurrikans in diesem Jahr?

Hinter dieser ungewöhnlichen Wetterlage steckt ein kompliziertes Zusammenspiel aus Meeres- und Luftströmungen. Der Atlantik ist außergewöhnlich warm – teilweise zwei bis drei Grad über dem Durchschnitt. Diese enorme Wärme liefert den Stürmen buchstäblich den „Treibstoff“, um sich in kurzer Zeit zu Monster-Hurrikans zu verwandeln.

Gleichzeitig sorgt eine stabile Hochdruckzone über Teilen der USA dafür, dass viele tropische Wirbelstürme gar nicht bis zur Küste durchdringen können. Sie drehen nach Osten ab, bleiben über offenem Wasser – und können sich dort ungehindert aufpumpen.
Auch trockene Luft aus der Sahara und wechselnde Windrichtungen spielen mit hinein: Sie hemmen viele Systeme in ihrer Entstehung – aber wenn die Bedingungen einmal passen, dann knallt es.

Rekord-Hurrikan „Melissa“ fegt mit fast 300 km/h über Karibik-Insel – Die Bilder des verheerenden Tropensturms

Hurrikan Melissa Tropensturm der Kategorie 5.
Auch auf Satellitenbildern vom 27. Oktober ist der Hurrikan „Melissa“ deutlich zu sehen.  © NOAA/Imago
Meteorologe Dominik Jung warnt vor einem „Hurrikan der Superlative“ und betont die besondere Gefahr der geringen Zuggeschwindigkeit: „Die extremen Windfelder werden über viele Stunden nahezu stationär über denselben Regionen liegen – ein Szenario, das wir Meteorologen als maximale Verwüstung einstufen.“
Meteorologe Dominik Jung warnt vor einem „Hurrikan der Superlative“ und betont die besondere Gefahr der geringen Zuggeschwindigkeit: „Die extremen Windfelder werden über viele Stunden nahezu stationär über denselben Regionen liegen – ein Szenario, das wir Meteorologen als maximale Verwüstung einstufen.“ © METEORED/www.daswetter.com
Hurrikan Melissa am 27. Oktober, um 12 Uhr (UTC) Mittags, südöstlich von Jamaika. Das Auge ist gut zu erkennen.
Hurrikan Melissa am 27. Oktober, um 12 Uhr (UTC) Mittags, südöstlich von Jamaika. Das Auge ist gut zu erkennen.  © afp
Landfall des Hurrikans „Melissa“ in Jamaika.
Im Hafen von Kingston war der Wellengang schon in den Stunden vor dem Landfall des Hurrikans enorm.  © AFP
Jamaika rüstet sich für Hurrikan Melissa. Die Vorbereitungen gegen die Flutwellen laufen auf Hochtouren.
Jamaika rüstet sich für Hurrikan Melissa. Die Vorbereitungen gegen die Flutwellen laufen auf Hochtouren. © afp
Der Staudamm soll die Sturmwellen abhalten, die durch Hurrikan Melissa entstehen könnten. Die Straße führt zum internationalen Airport in Kingston.
Der Staudamm soll die Sturmwellen abhalten, die durch Hurrikan Melissa entstehen könnten. Die Straße führt zum internationalen Airport in Kingston. © afp
Inneres von Melissa Hurrikan Tropensturm.
Spektakuläre Bilder aus dem Inneren des Tropensturms.  © U.S. AIR FORCE/Imago
Aussicht Auge Hurrikan Melissa Tropensturm.
Ein Flugzeug der US Air Force im Auge des Hurrikans „Melissa“.  © U.S. AIR FORCE/Imago
Hurrikan Melissa zieht auf Jamaika zu.
Menschen kaufen Lebensmittel vor der voraussichtlichen Ankunft des Hurrikans Melissa. In der Hauptstadt Kingston sind die Supermarkt-Regale teilweise leergefegt.  © Matias Delacroix/AP/dpa
Tropensturm Melissa - Dominikanische Republik
In der Dominikanischen Republik sorgte „Melissa“ schon für starken Regen. © Ricardo Hernandez/AP/dpa
Hurrikan „Melissa“ zieht auf Jamaika zu
Die Menschen auf der Karibikinsel bereiten sich auf zerstörerische Winde und Überschwemmungen vor. © Matias Delacroix/AP/dpa
In Kingston biegt sich eine Palme im Wind. Die ersten Ausläufer des Hurrikan Melissa sind in Jamaika bereits sichtbar.
In Kingston biegt sich eine Palme im Wind. Die ersten Ausläufer des Hurrikan Melissa sind in Jamaika bereits sichtbar. © afp
Hurrikan Melissa erreicht vor Jamaika stärkste Stufe.
Ein Fischer vertäut Boote in Vorbereitung auf die erwartete Ankunft des Hurrikans Melissa in Old Harbour. © Matias Delacroix/AP/dpa
Hurrikan Melissa erreicht vor Jamaika stärkste Stufe.
Ein Mann watet durch eine überflutete Straße vor der vorausgesagten Ankunft des Hurrikans Melissa in Old Harbour. © Matias Delacroix/AP/dpa
Auch Kuba bereitet sich auf Melissa vor.
Auch Kuba bereitet sich auf Melissa vor. © afp
In Kuba werden Bäume, die ansonsten größere Schäden anrichten könnten, vor Eintreffen des Hurrikans gestutzt.
In Kuba werden Bäume, die ansonsten größere Schäden anrichten könnten, vor Eintreffen des Hurrikans gestutzt. © afp
Tropensturm Melissa - Dominikanische Republik
Überschwemmungen auf der Dominikanischen Republik. Hier urlauben auch stehts viele Deutsche. Das US-Hurrikanzentrum warnt vor gefährlichen Überschwemmungen und Erdrutschen. © Ricardo Hernandez/AP/dpa
Jamaika wappnet sich für den wahrscheinlich schwersten Hurrikan, der den Karibikstaat je direkt getroffen hat.
Jamaika wappnet sich für den wahrscheinlich schwersten Hurrikan, der den Karibikstaat je direkt getroffen hat. © Matias Delacroix/dpa
Ein Mann geht spazieren, während sich der Hurrikan „Melissa“ nähert.
Ein Mann geht spazieren, während sich der Hurrikan „Melissa" nähert. © Matias Delacroix/dpa
Tropensturm Melissa - Dominikanische Republik
„Melissa“ hinterließ auf der Dominikanischen Republik bereits sichtbare Spuren. Jetzt zieht der Wirbelsturm auf Jamaika zu. © Ricardo Hernandez/AP/dpa
Hurrikan „Melissa“ nähert sich Jamaika. Wellen sind bereits meterhoch.
Hurrikan „Melissa“ nähert sich Jamaika. Wellen sind bereits meterhoch. © Matias Delacroix/dpa
Landfall von Hurrikan Melissa in Jamaika
Der Moment gegen 18 Uhr (MEZ), als Hurrikan Melissa auf Jamaika trifft.  © IMAGO/NOAA
In der Dominikanischen Republik versuchen Helfer von Fluten eingeschlossene Menschen mit Lebensmittel zu versorgen.
In der Dominikanischen Republik versuchen Helfer von Fluten eingeschlossene Menschen mit Lebensmittel zu versorgen. © afp
Der Hurrikan hat inzwischen Windgeschwindigkeiten von 280 Kilometern pro Stunde erreicht.
Der Hurrikan hat inzwischen Windgeschwindigkeiten von 280 Kilometern pro Stunde erreicht. © Screenshot/X
Blick auf eine durch den Hurrikan „Melissa“ beschädigte Tankstelle
Hurrikan „Melissa“ hinterlässt auf Jamaika eine Spur der Zerstörung: Eine Tankstelle in Montego Bay wurde erheblich beschädigt. © dpa/Jamaica Observer via Xinhua
Der Wirbelsturm sorgte für Überschwemmungen auf Jamaika.
Der Wirbelsturm sorgte für Überschwemmungen auf Jamaika. © Matias Delacroix/dpa
Meterhohe Wellen erfassten die Küste von Jamaika. Hurrikan „Melissa“ hat nach Jamaika nun Kuba getroffen. Später zieht der Wirbelsturm in Richtung der Bahamas.
Meterhohe Wellen erfassten die Küste von Jamaika. Hurrikan „Melissa“ hat nach Jamaika nun Kuba getroffen. Später zieht der Wirbelsturm in Richtung der Bahamas. © Jamaica Observer/imago
Ein Soldat hilft einer Frau bei der Evakuierung vor der Ankunft des Hurrikans „Melissa“ in Kuba.
Ein Soldat hilft einer Frau bei der Evakuierung vor der Ankunft des Hurrikans „Melissa“ in Kuba. © Ramon Espinosa/dpa

Zieht Hurrikan „Melissa“ nach Europa?

Noch ist unklar, welchen genauen Kurs Hurrikan „Melissa“ nehmen wird. Doch einiges spricht dafür, dass sie – oder ihre Überreste – den Weg über den Nordatlantik antreten könnte. Das würde bedeuten: kein direkter Tropensturm für Europa, aber durchaus eine spürbare Wetterwirkung.

Solche ehemaligen Hurrikans können enorme Mengen Warmluft und Feuchtigkeit mitbringen, die unser Wetter umkrempeln. Besonders wahrscheinlich: ein kräftiger Warmluftschub aus Südwesteuropa, der für ungewöhnlich milde Temperaturen und wechselhafte Tage sorgt. Wer also auf einen goldenen Herbst hofft, könnte tatsächlich Glück haben – zumindest kurzfristig.

Was Hurrikan „Melissa“ für das Wetter in Europa bedeutet

Selbst wenn „Melissa“ Europa nicht direkt trifft, zeigt der Sturm, dass die Ozeane in Alarmstimmung sind. Extrem warme Meeresoberflächen bedeuten mehr Energie, heftigere Stürme und ein unberechenbares Klima. Für Mitteleuropa könnte das mittelfristig heißen: stärkere Westlagen, mehr Wind, mehr Feuchtigkeit – und immer wieder Warmluftschübe, die selbst im November noch für frühsommerliche Temperaturen sorgen. „Melissa“ ist damit nicht nur ein Sturm – sie ist ein Symbol dafür, dass sich der Atlantik neu sortiert. Und Europa sollte sich darauf einstellen, dass der nächste Wetterumschwung vielleicht schon auf dem Weg ist.

Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA

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