Favoriten für die Papst-Nachfolge: Internationale Medien bringen vor Konklave neue Namen ins Spiel
VonHelmi Krappitz
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Am 7. Mai tritt das Konklave zusammen – wer das neue Oberhaupt der Kirche wird, steht noch nicht fest. Mehrere Kardinäle haben bereits gute Chancen.
Vatikanstadt – Die Wahl eines neuen Papstes startet ab dem 7. Mai, und die Diskussionen über mögliche Nachfolger von Papst Franziskus laufen auf Hochtouren. Zahlreiche Namen kursieren als potenzielle Kandidaten, viele davon finden sich wiederholt in internationalen Medienberichten. Gleichzeitig unterscheiden sich die Listen der Favoriten.
Internationale Medien zum Konklave: Wer folgt auf Franziskus?
Als besonders prominenter Anwärter wird Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gehandelt, ein enger Vertrauter des verstorbenen Pontifex. BBC berichtet, Parolin lege größeren Wert auf diplomatische Lösungen und einen weltweiten Blick als auf dogmatische Strenge. Kritiker sehen darin eine Schwäche, während Befürworter gerade das als Stärke interpretieren. Gleichwohl äußerte sich Parolin kritisch zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe und nannte das irische Referendum von 2015 „eine Niederlage für die Menschheit“.
Der 70-jährige Italiener ist durch sein hohes Amt international bekannt. Er gilt als durchsetzungsfähig, aber nicht besonders charismatisch.
„Asiatischer Franziskus“: Luis Antonio Tagle könnte viele Stimmen aus dem Globalen Süden bekommen
Eine weitere Schlüsselfigur könnte Luis Antonio Tagle sein. Der 67-Jährige, früherer Erzbischof von Manila, war zuletzt in einer zentralen Vatikanbehörde tätig, die sich stark mit den Anliegen des Globalen Südens beschäftigt – eine Region, die fast die Hälfte der Stimmen im Konklave stellt. CBS News beschreibt ihn als „Asiatischen Franziskus“, aufgrund seines Einsatzes für arme Menschen sowie seiner offenen Haltung gegenüber LGBTQ-Personen und geschiedenen Gläubigen. Allerdings belastet Tagle vor dem Konklave ein Video, das seine Chancen schmälern dürfte.
Auch Péter Erdő aus Ungarn zählt zu den heiß diskutierten Kandidaten. Laut Monsignore Kevin Irwin, der mit NBC News sprach, werde er „in konservativen Blogs regelmäßig als jemand bezeichnet, der sich von Franziskus abwenden würde“. Damit sei er eine wichtige Figur für konservative Kreise innerhalb des Konklaves – mit einer klar anderen Ausrichtung als sein Vorgänger.
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Zwei weitere italienische Kardinäle sind ebenfalls im Gespräch. Pierbattista Pizzaballa, der 60-jährige Patriarch von Jerusalem, wird zwar als Außenseiter gesehen. Als konservativer Franziskaner bringt er jedoch wertvolle Erfahrung in Konfliktregionen mit. Today.it berichtet, dass er sich zuletzt für die Palästinenser im Gazastreifen ausgesprochen hatte, gleichzeitig aber gute Kontakte zu israelischen Stellen pflegt.
Der Erzbischof von Bologna, Matteo Maria Zuppi (69), steht als progressiver Geistlicher hoch im Kurs. Er machte sich als Friedensvermittler einen Namen. Papst Franziskus beauftragte ihn, Wege zur Beilegung des Ukraine-Kriegs zu finden, etwa durch die Rückführung ukrainischer Kinder aus Russland und den Austausch von Gefangenen und Opfern. Auch in anderen Krisengebieten hat Zuppi sich als Vermittler hervorgetan, wie die Vatikan-Analystin Deborah Lubov bei NBC News betonte.
Aus Afrika wird Fridolin Ambongo Besungu als möglicher Kandidat genannt. Der Kardinal aus der Demokratischen Republik Kongo ist laut today.it der einzige Afrikaner im Kardinalsrat. Als der Vatikan im Dezember 2023 Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare erlaubte, äußerte er in einem Brief seine Ablehnung. Mit 65 Jahren gilt er jedoch manchen Beobachtern zufolge als noch zu jung für das Amt.
Peter Turkson, ursprünglich aus Ghana, könnte ebenfalls eine Rolle spielen, insbesondere wenn soziale und ethische Fragen beim Konklave dominieren. Der 76-Jährige leitete die vatikanische Behörde für Gerechtigkeit und Frieden und steht in theologischen Fragen auf konservativem Boden.
Die Favoriten im Überblick:
Pietro Parolin
Luis Antonio Tagle
Péter Erdő
Fridolin Ambongo Besungu
Peter Turkson
Pierbattista Pizzaballa
Matteo Maria Zuppi
Jean-Marc Aveline
Mario Grech
Charles Maung Bo
Gérald Cyprien Lacroix
Anders Arborelius
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Jean-Marc Aveline (66), Erzbischof von Marseille, gehört ebenfalls zu den Favoriten. Er war eng mit dem verstorbenen Franziskus verbunden und gilt als volksnah. Seine Wahl würde für Kontinuität in der Kirchenpolitik stehen.
Ähnliches trifft auf Mario Grech zu. BBC berichtet, dass der Kardinal ein Verfechter jenes Ziels ist, das Franziskus besonders wichtig war: den einfachen Gläubigen mehr Mitbestimmung zu ermöglichen.
Favoriten der Papstwahl: Auch unerwartete Namen unter den Favoriten
Charles Maung Bo wird von BBC und NBC News als weiterer Kandidat aus Asien erwähnt. Der erste Kardinal aus Myanmar wuchs in einem Land auf, in dem Katholiken nur eine kleine Minderheit bilden. Er leitete zwei Amtszeiten lang die asiatische Bischofskonferenz und galt als enger Vertrauter von Franziskus, der als erster Papst das Land besuchte.
CBS News bringt zudem den Namen Gérald Cyprien Lacroix ins Spiel. Der 67-jährige Erzbischof von Québec war in seinen frühen Jahren als Missionar in Kolumbien tätig. Wegen Missbrauchsvorwürfen legte er seine Ämter vorübergehend nieder, kehrte jedoch zurück, nachdem eine kirchliche Untersuchung keine Hinweise auf Fehlverhalten ergeben hatte.
Drei eher unbekanntere Favoriten der Papstwahl (von links nach rechts): Der Schwede Anders Arborelius, der Kanadier Gérald Cyprien Lacroix und Charles Maung Bo aus Myanmar.
Auch Anders Arborelius, Bischof von Stockholm, wird von today.it erwähnt. Als erster Kardinal Schwedens, der in einem mehrheitlich protestantischen Land zum Katholizismus konvertierte, ist der 75-Jährige ein entschiedener Vertreter der kirchlichen Lehre. Er lehnt die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und die Weihe von Frauen zu Diakoninnen ab. Gleichzeitig setzt er sich – ähnlich wie Franziskus – für eine offene Migrationspolitik ein.
Konklave: Erste Papstwahl für die meisten Kardinäle
Ein wesentlicher Einfluss auf das kommende Konklave: Rund 80 Prozent der wahlberechtigten Kardinäle wurden vom verstorbenen Papst selbst ernannt. Für die Mehrheit der Teilnehmer ist es das erste Mal, dass sie an einer Papstwahl mitentscheiden. Historisch ist zudem, dass weniger als die Hälfte der Kardinäle aus Europa stammen, was eingefahrene Strukturen aufbrechen könnte. (hk)