VonJana Stäbenerschließen
Erfolg hängt nicht nur von Intelligenz ab, sondern auch von „Grit“. Ein Experte erklärt, wie Eltern ihren Kindern den vermitteln können.
Was bestimmt den Erfolg unserer Kinder? Angela Duckworth, eine Neurowissenschaftlerin von der University of Pennsylvania, glaubt, die Antwort gefunden zu haben. Sie ist der Meinung, dass „Grit“, eine Kombination aus Leidenschaft und Ausdauer für langfristige Ziele, der Schlüssel zum Erfolg ist.
Duckworth erinnert sich in einem Ted-Talk an ihre Zeit als Mathematiklehrerin, als sie zum ersten Mal auf den Begriff „Grit“ stieß. Sie stellte fest, dass nicht unbedingt die intelligentesten Kinder die erfolgreichsten waren, sondern diejenigen, die „Biss“ zeigten und an einer Aufgabe festhielten, auch wenn es schwierig war. Aber wie vermittelt man Kindern diesen „Grit“, diese Ausdauer?
Christian Thiele von der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie (dggp) erklärt gegenüber BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA, dass dies erreicht werden kann, „indem wir die Kinder für den Prozess loben, nicht für das Ergebnis“.
Wie man Kindern „Grit“ beibringt: Ein Experte gibt Tipps
Kinder verlieren schnell das Interesse an ihren Hobbys, wie zum Beispiel Klavierspielen oder kreativen Programmieren mit Minecraft. Thiele gibt zu, dass es für Eltern ein Balanceakt ist: „Für Eltern ist es ein schmaler Grat zwischen Terrorregime und Kinder zum Dranbleiben motivieren“, sagt er. Forschungsergebnisse zeigten jedoch deutlich, dass das Loben des Prozesses, nicht des fertigen Ergebnisses, „Grit“ fördern könne.
„Der Schlüssel ist eine Art Wachstums-Mindset auf sich und die Welt“, so der Experte für positive Psychologie. Anstatt zu sagen „Ich kann das nicht“, sollte es heißen „Ich kann das NOCH nicht“, rät Thiele. „Ich bin NOCH nicht gut mit unregelmäßigen Verben in Französisch, ich kann das Lied NOCH nicht spielen, bin NOCH nicht gut in Mathe.“ Kinder müssen verstehen, dass „das Gehirn kein Betonziegel, sondern veränderlicher Knetgummi ist, den ich mit Mühe und Einsatz formen kann.“
Es sei auch wichtig, dass Eltern ihren Kindern nicht sofort beim Lernprozess helfen. In einer Studie aus Yale seien Kleinkindern einfache Puzzles aus farbigen Holzblöcken vorgelegt worden. „Wann die Eltern hier geholfen haben, sagte viel darüber aus, wie sie bei ihrem Kind ‚Grit‘ förderten“, erklärt Thiele. „Helfe ich meinem Kind sofort beim Puzzle sofort oder schaffe ich es, den Lernprozess ein Stück weit auszuhalten?“ Eine Erzieherin betont, dass dies auch ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Kindertagesstätten ist.
„Grit hat auch eine negative Seite, über die wir sprechen müssen“
In seinen Seminaren zum Thema „Positiv Führen“ arbeitet Thiele oft mit Führungskräften, die „Grit“ besitzen. Sie sind erfolgreich, das steht außer Frage. „Aber ‚Grit‘ hat auch eine negative Seite, über die wir sprechen müssen: In vielen Bereichen sind Menschen konstant überlastet. Wir haben mehr psychische Krankschreibungen im Job: Es fehlt vielen nicht an ‚Grit‘, sondern eher an der Erlaubnis sich selbst gegenüber, Pause zu machen“, warnt er.
Thiele sieht „Grit“ besonders in Zeiten des Home-Office als Risiko, „In Home-Office-Zeiten sehe ich viel ‚Grit‘ auch als Gefahr“. Darüber hinaus weist er auf eine weitere „dunkle Seite“ von „Grit“ hin: „Zu denken, dass ein Kind nur genügend ‚Grit‘ braucht, dann schafft es alles, ist problematisch.“ Diese Einstellung ignoriert, dass einige bessere Startbedingungen haben als andere. So hängt der Erfolg auch vom Bildungsniveau der Eltern ab. Man könnte also sagen, je schwieriger die Umstände, desto mehr benötigen Menschen „Grit“, um erfolgreich zu sein – und desto eher lernen sie ihn vielleicht auch.
Rubriklistenbild: © Tetra Images/Imago


