Gefährdete Arten essen

Weil Fisch-Preise explodieren: Britische Gastronomen dürfen wieder Haifisch servieren

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Die britische Regierung hat die Fangbestimmung für Dornhaie geändert. Die gefährdete Art darf jetzt wieder gefischt werden – zum Unmut von Umweltverbänden.

London – Großbritannien ist für Fish and Chips bekannt. Eine bestimmte Fischart ist für den britischen Klassiker nicht vorgegeben. Ob Kabeljau oder Schellfisch – eigentlich darf alles paniert, frittiert und verkauft werden. Das soll künftig auch für Haifisch gelten, berichtet die britische Zeitung Financial Times. Als rock salmon (Felsen-Lachs) ist der Dornhai bekannt und galt früher sogar als Delikatesse, inzwischen darf er jedoch eigentlich nicht mehr gefischt werden.

Der Dornhai wird bis zu 160 cm groß und lebt sowohl im Atlantik als auch in der Nordsee, dort lebt er häufig sogar in Küstennähe. Wegen Überfischung ist der Bestand deutlich zurückgegangen, der kleine Hai befindet sich auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN und wird als gefährdet eingestuft, berichtet der Naturschutzorganisation WWF. Seit dem Jahr 2010 gibt es für den Hai ein Fangverbot. Nun hat die britische Regierung die Fangbestimmungen geändert, sodass britische Gastronomen kleine, regionale Haie wieder verwerten dürfen – eine Maßnahme, die von Umweltorganisationen verurteilt wird.

ArtDornhai
Bestandgefährdet
Vorkommenunter anderem Atlantik und Nordsee

Gefährdete Haiart wird wieder gefischt – Hohe Fischkosten führen zu Änderung der Fangbestimmungen

Für die Änderung werden die stark gestiegenen Preise verantwortlich gemacht. Häufig nutzen Gastronomen für den britischen Klassiker Kabeljau. Doch seit Beginn des russischen Angriffskrieges leiden sie unter hohen Importkosten und steigenden Preisen für Energie, andere Lebensmittel und Investitionen. Die Änderung der Fangbestimmungen bedeutet für Fish-and-Chips-Buden und Pubs deshalb eine gewisse Erleichterung.

Der Dornhai ist auf der Roten Liste und durfte seit 2010 nicht mehr gefischt werden. (Symbolbild)

„Wir haben uns alle möglichen Alternativen angesehen, von südafrikanischem Seehecht bis hin zu amerikanischem Pazifik-Seehecht und Kabeljau aus Norwegen, also alles, was den Druck auf den Lieferketten etwas verringert“, sagte Andrew Cook vom nationalen Verband der Fisch-Frittierer der Financial Times.

Dornhai darf wieder gefischt werden – er bleibt trotzdem eine gefährdete Art

Umweltorganisationen halten dagegen. Der Dornhai bleibe eine gefährdete Art, sagte beispielsweise Charlotte Coombes von der Marine Conservation Society. Eine Aufhebung des Fangverbotes berge das Risiko, dass sich die Populationen des Dornhais wieder deutlich verringere, wenn man nicht vorsichtig genug vorgehe.

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Fisch-Arten, deren Bestände sich stark verringert haben. Immer wieder gibt es deshalb Aktionen, damit sich die Populationen wieder erholen können. Beispielsweise wurden in Bremen rund 5000 vom Aussterben bedrohte Fische in Gewässer gesetzt. (kiba/dpa)

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