VonAndreas Schmidschließen
Carsten Maschmeyer bricht eine Lanze für die Gen Z. Warum die junge Generation anders arbeitet und was sie von Arbeitgebern erwartet.
Faul, unmotiviert und egoistisch. Die Generation Z hat regelmäßig mit Vorurteilen zu kämpfen. Meist kommen die Anschuldigungen von älteren Menschen. Doch die Generation Z hat auch einen prominenten Fürsprecher aus der Boomer-Generation gefunden: Carsten Maschmeyer, 66 Jahre, Investor und neuerdings Anwalt der Gen Z auf dem Arbeitsmarkt.
Investor Maschmeyer: „Die Gen Z ist nicht faul“
„Die Gen Z hat sich an eine veränderte Arbeitswelt mit technologischer Nutzung angepasst“, sagt Maschmeyer im Interview mit dem Münchner Merkur. „Diese Anpassung empfinden ewiggestrige Chefs als befremdend und fehlinterpretieren es als zu bequem, unmotiviert sowie faul.“ Das stimme allerdings nicht. „Die Gen Z ist nicht faul. Sie sind einfach anders und haben abweichende Prioritäten.“
Konkret: „Die Gen Z legt Wert auf Ergebnisse, nicht auf Präsenzzeit.“, so Maschmeyer. „Sie wollen Vertrauen, psychologische Sicherheit, wenn sie neuartige Vorschläge machen.“ Zum Vertrauen zähle auch ein anderer Blick auf Arbeit. „Die junge Generation möchte selbst entscheiden, wann, wo und wie viel sie arbeitet, wenn sie die Zielvorgaben erreichen.“
Und: „Sie möchte nicht dauernd kontrolliert werden.“ Beziehungsweise auf eine andere Weise kontrolliert werden. „Die Resultate soll man sehr wohl kontrollieren, aber nicht jeden Detailschritt, wie die Resultate erzielt werden“, meint Maschmeyer. „Ältere Chefs und Traditionskonzerne tun sich mit diesem neuen Arbeitsbild schwer.“
„Purpose“ für die Gen Z „ist wichtiger als nur ein hohes Gehalt“
Zu diesem neuen Arbeitsbild gehören auch neue Anforderungen an den Arbeitsgeber. „Junge Leute suchen einen Arbeitgeber mit Purpose“, beobachtet Maschmeyer. „Damit ist ein gewisser Sinn gemeint“, so der Investor. „Unternehmen sollten einen Purpose haben, in dem sie einen positiven Zweck verfolgen und Nutzen stiften.“ Gemeint sei damit etwa echte Nachhaltigkeit und insgesamt ein angenehmes Arbeitsklima. „Junge Leute wollen ihren Freunden mit Stolz erzählen, für wen oder was sie arbeiten. Für sie ist ein Sinn in der Arbeit wichtiger als nur ein hohes Gehalt.“
Generation Z: Wer gehört dazu?
Die Generation Z umfasst die Jahrgänge zwischen 1995 und 2010 und wird auch oft als „digital natives“ bezeichnet, da sie größtenteils in einer digitalen Zeit rund um Smartphone, soziale Medien & Co. aufgewachsen ist. Die Generation davor wird als Millenials (1981-1994), die danach als Generation Alpha (ab 2010) bezeichnet.
Gen Z und Arbeit: Work-Life-Blending statt Work-Life-Balance
Neben Purpose nennt Maschmeyer noch eine weitere Anforderung, die beim ersten Mal lesen eine Erklärung braucht: das sogenannte Work-Life-Blending. Damit ist gemeint, dass Arbeit und Freizeit bewusst verschmelzen. Während der klassischen Arbeitszeiten ist somit Zeit für Privates. „Es gibt nicht mehr strikt getrennte Zeitfenster, sondern eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit.“ Das heißt: „Man kann während der Arbeit einkaufen, zum Friseur gehen oder die Kinder aus der Kita abholen.
Bei der Maschmeyer Group bedeute das: „Mitarbeiter können später kommen, wenn sie Privates erledigen müssen.“ Aber: Das bedeutet nicht, dass anderntags immer um 17 Uhr Feierabend ist. „Im Gegenzug erwarte ich, dass sie auch am Wochenende noch auf eine wichtige Mail antworten, wenn es dringend ist.“ Mit Work-Life-Blending werden die Arbeitszeiten also flexibler gestaltet. „Entscheidend ist, dass Ergebnisse zählen, nicht die abgesessene Zeit“, so Maschmeyer. „Zufriedene Mitarbeiter liefern bessere Resultate.“
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