VonRichard Stroblschließen
Die Strände in Italien sind zu einem großen Teil in Privatbesitz. Neue Daten zeigen, dass ein kostenloser Zugang vielerorts immer schwerer wird.
Rom - Der Sommer hält langsam aber sicher Einzug und Tausende von Deutsche zieht es auch jetzt schon in den Süden gen Italien, um sich bei Dolce Vita und einer warmen Meeres-Brise zu erholen. Da darf natürlich auch der Sprung ins kühle Meerwasser nicht fehlen, der zu einem Italien-Urlaub gehört, wie Gelato und Spaghetti. Gerade erst wurden die schönsten Strände Italiens ausgezeichnet. Doch der freie Zugang zum Mittelmeer wird in Italien offenbar immer schwerer.
Darauf weist nun die italienische Repubblica in einem aktuellen Artikel hin. Ohnehin kennen Italien-Urlauber dieses Phänomen: Kilometerlang sind die Strände an Italiens Küste teilweise geradezu verbarrikadiert. Wer baden will, muss sich eine teure Liege mieten. Deren Preise sind 2023 auch noch deutlich gestiegen. Gerade für Familien sind diese Preise oft ein Problem. Neue Daten sollen nun zeigen: Es wird immer schlimmer.
Italiens Strände immer öfter privatisiert – kostenloser Zugang wird seltener
Jedes Jahr veröffentlichen offizielle Stellen in Italien Zahlen dazu, wie viele Strände in Privatbesitz sind und wie viele einen kostenlosen Meerzugang ermöglichen. Die Repubblica hat nun die Daten der Stelle für Maritimes Staatseigentum und der Umweltschutzorganisation Legambiente zusammengeführt.
Demnach ist in Italien einer von zwei Stränden in Privatbesitz. Demnach kann also jeder zweite Strand kostenlos genutzt werden? „Absolut nicht“, meint die Zeitung in ihrer Analyse. Denn: Bei einem genaueren Blick liegen die öffentlichen Strände oft an Orten, die kaum zugänglich sind. Sie sind entweder schwer zu erreichen, liegen bei alten Industriegebieten oder an Flussmündungen.
Den staatlichen Eigentumsdaten zufolge sind von 3.346 Kilometern zugänglicher Strände ganze 42 Prozent an Privatpersonen vergeben. Laut Legambiente kommen weitere acht Prozent in anderen Privatisierungsformen hinzu.
Italien-Strand nur gegen Gebühr? Teils „die gesamte Küste privat“
„In manchen Gegenden des Landes ist praktisch die gesamte Küste privat“, schlägt die Repubblica Alarm. Ein besonders hartes Beispiel ist Neapel. Von 27 Kilometern Küste sind hier demnach nur noch ganze 200 Meter Strand frei zugänglich.
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Ein anderes Beispiel: Jesolo hat demnach knapp 68 Prozent seiner Strände privatisiert. Unter den freien Teilen ist aber etwa auch der Abschnitt nahe einer Flussmündung. Hier ist das Meer wegen des aufgewühlten Schlamms oft trüber und das Baden macht deutlich weniger Spaß, so die Legambiente zu der Zeitung. Auch in Lignano Sabbiadoro sind 83 Prozent der Strände privatisiert. Der kostenlose Strand liegt an der Flussmündung des Tagliavento.
Rekordwerte an privatisierten Ständen:
- Emilia Romagna: Über 90 Prozent privatisiert sind in Gaetto, San Mauro Pascoli und Rimini.
- Ligurien: Über 80 Prozent der Strände sind in Laigueglia, Alassio, Diano Marina privatisiert.
- Toskana: Pietrasanta, Camaiore, Montignoso. Hier sind teils fast 100 Prozent der Strände privatisiert.
- Latium: Sperlonga, hier sind 63 Prozent der Strände konzessioniert.
Nach dem Bericht der Repubblica sind die vergebenen Konzessionen in Italien allerdings nicht der einzige Faktor, warum immer weniger Strand frei zugänglich ist. Von 1970 bis 2020 sind demnach knapp 40 Millionen Quadratmeter Strand einfach verschwunden. Das ist demnach eine Fläche, die knapp der aktuell an Privatpersonen vergebenen Strandfläche entspricht. (rjs)
