Klima-Kleber kassieren Kritik: „Fridays for Future“ wirft Aktivisten Spaltung der Gesellschaft vor
VonKarolin Schaefer
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Klebeaktionen der „Letzten Generation“ sorgen oft für Empörung. Die Klima-Bewegung „Fridays for Future“ distanziert sich jetzt von der Gruppierung.
München/Berlin – Die Gruppierung „Letzte Generation“ blockiert immer wieder in deutschen Städten den Verkehr. Aktivistinnen und Aktivisten kleben sich auf Straßen, an Gegenständen oder in Museen fest. Dafür gibt es besonders viel Kritik an den Klima-Klebern, vor allem seitens der Autofahrer. Aber auch die Klima-Bewegung „Fridays for Future“ distanziert sich nun von den Klebeaktionen der „Letzten Generation“.
„Die Klimakrise braucht gesamtgesellschaftliche Lösungen, und die finden und erstreiten wir nur gemeinsam und nicht, indem wir Menschen im Alltag gegeneinander aufbringen“, sagte Sprecherin Annika Rittmann mit Blick auf die angekündigte Protestwelle in der kommenden Woche in Berlin.
Kritik an Klima-Kleber: Aktionen der „Letzten Generation“ bewirken Gegenteil
Kritik am zivilen Ungehorsam kommt auch von den Grünen im Bundestag. „Mit ihrem elitären und selbstgerechten Protest bewirkt die ‚Letzte Generation‘ das Gegenteil dessen, was wir in der aktuellen Lage bräuchten, nämlich eine breite Bewegung in der Gesellschaft, für konsequente Klimaschutzpolitik“, erklärte die Parlamentarische Geschäftsführerin Irene Mihalic. Man solle Menschen „nicht verprellen durch Aktionen, die den ohnehin harten Alltag noch zusätzlich erschweren“.
Massive Störungen hat die „Letzte Generation“ jedenfalls nächste Woche in Berlin angekündigt. Die Forderungen: Tempo-Limit 100 auf Autobahnen sowie ein dauerhaftes 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr. Die Klimagruppe „Extinction Rebellion“ (XR) will schon in dieser Woche in der Hauptstadt auf die Straße gehen. „Ziviler Ungehorsam soll Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken. Und es ist viel Aufmerksamkeit erregt worden“, erklärte Sprecher Florian Zander. Mit den Protestaktionen von Donnerstag bis Sonntag will XR insbesondere auf das Artensterben hinweisen.
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„Fridays for Future“ distanziert sich von Klima-Klebern der „Letzten Generation“
Während die „Letzte Generation“ mit Klebeaktionen auf ihre Ziele aufmerksam machen will, setze „Fridays for Future“ aus guten Gründen auf andere Protestformen, betonte Sprecherin Rittmann. Blockaden der Klima-Kleber hätten in Hamburg zuletzt vor allem Pendler getroffen, „die es sich weder leisten können, in der Hamburger Innenstadt zu wohnen, noch durch den mangelnden Ausbau den ÖPNV nehmen können.“ Ähnliches befürchte Rittmann auch in Berlin.
Ob Blockaden der „Letzten Generation“ der Klimasache schaden, ist aus Sicht des Berliner Protestforschers Dieter Rucht nur schwer zu beurteilen. Zwar seien die Klima-Demos von „Fridays for Future“ von der Gesellschaft häufiger wohlwollend aufgenommen worden. Diese hätten aber „keinen wirklichen Druck aufgebaut“, so Rucht. Auf kurze Sicht würden Protestaktionen der „Letzten Generation“ den Diskurs eher verhärten. „Langfristig schärft sie die Positionen und zwingt dazu, sich zu bekennen. Ich vermute, dass dies zusammen mit den absehbaren Auswirkungen der Klimaproblematik die Stimmung eher zugunsten schärferer Klimamaßnahmen beeinflusst“, so der Forscher. (kas/dpa)