Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Winterprognose sorgt für Aufsehen: Wetter-Modelle deuten auf Schnee-Horror für Skigebiete in Deutschland hin

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Neue Langfristprognose des ECMWF: Deutschland steht ein ungewöhnlicher Winter mit wenig Schnee und Hochdruckdominanz bevor. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Die aktuelle Winterprognose des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) bringt Spannung in die meteorologische Szene. Für den Dezember und Februar sehen die neuesten Modellläufe eine leichte positive Temperaturabweichung gegenüber dem Referenzzeitraum 1991–2020. Das bedeutet: Es könnte insgesamt milder werden als im klimatologischen Mittel. Während der Dezember beim Niederschlag weitgehend ausgeglichen ausfallen soll, deuten die Karten für den Februar regional auf etwas höhere Niederschlagsmengen hin. Das spricht allerdings nicht zwingend für anhaltende Schneefälle – bei milden Temperaturen ist Regen auch in den Bergen häufiger möglich.

Der Januar 2026 soll laut dem europäischen Wettermodell extrem zu trocken ausfallen. Ein Schock für die Skigebiete.

Januar: Trocken, normal temperiert – ein klassischer Hochdruckmonat?

Besonders interessant ist der Blick auf den Januar. Hier prognostiziert das ECMWF-Modell einen deutlich zu trockenen Monat bei nahezu durchschnittlichen Temperaturen. „Normal“ klingt unspektakulär, ist aber bemerkenswert: Solche temperaturmäßig ausgeglichenen Wintermonate sind in Deutschland zuletzt selten geworden. In den vergangenen Jahren dominierten entweder deutlich zu milde oder sehr wechselhafte Phasen. Trockene Verhältnisse kombiniert mit normalen Temperaturen deuten auf eine länger anhaltende Hochdruckwetterlage hin. Typisch dafür sind Inversionswetterlagen, bei denen sich in den Niederungen kalte, feuchte Luft staut, während in höheren Lagen oft die Sonne scheint. Das klassische „Hochnebelwetter“ könnte damit im Januar über Wochen das Bild prägen.

Wenig Niederschlag: Schnee-Mangel droht

Insgesamt deutet die Winterprognose auf ein Defizit an Niederschlag bis Ende Februar hin. Für Wintersportfreunde, Liftbetreiber und Tourismusregionen klingt das nach einem Schreckensszenario: Wenn tatsächlich wenig Schnee fällt, könnte der Winter 2025/26 in den Mittelgebirgen und Alpen zu einem „Horrorwinter“ für den Skitourismus werden. Vor allem in den deutschen Mittelgebirgen wäre dann kaum mit verschneiten Landschaften zu rechnen, selbst in klassischen Schneeregionen wie dem Harz oder dem Bayerischen Wald. Auch in den Alpen könnte die Schneedecke unterdurchschnittlich ausfallen, insbesondere in tieferen Lagen. Bereits die letzten Winter zeigten, wie anfällig die Skisaison für milde Temperaturen und Niederschlagsmangel geworden ist.

Fazit: Spannung beim Januar, Sorgen um den Schneewinter

Auch wenn saisonale Prognosen keine exakten Wettervorhersagen sind, zeichnen die aktuellen ECMWF-Daten ein klares Muster: Mildere Temperaturen zu Beginn und Ende des Winters, ein trockener, stabiler Januar und insgesamt wenig Niederschlag. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für schneearme Phasen und eine Dominanz von Hochdruckwetter. Für Winterliebhaber könnte das eine herbe Enttäuschung bedeuten. Ob sich das Szenario tatsächlich so einstellt, hängt auch von kurzfristigen Entwicklungen wie Polarwirbelaktivität oder Atlantikströmungen ab. Die Weichen für einen außergewöhnlichen Winter sind jedoch gestellt – wenn auch nicht in Richtung Schneemassen, sondern eher in Richtung ruhiger, teils grauer und schneearmer Monate.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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