Wildtiere in Italien

Nach tödlicher Bär-Attacke in Italien: Trentino will Abschuss-Gesetz ändern

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Infolge eines tödlichen Zwischenfalls mit einem Bären will die Region Trentino gleich zwei Tiere zum Abschuss freigeben. Dafür soll nun sogar ein Gesetz geändert werden.

Trient – Seit Monaten wird in der Region Trentino-Südtirol in Norditalien darüber gestritten, wie die Provinz mit zwei Bären umgehen soll, die sich in ihrer Wildnis angesiedelt haben – vor allem seit eins der Tiere, ein Bärenweibchen, das Forscher JJ4 oder Gaia nennen, Anfang April einen 26-jährigen Jogger getötet haben soll. Tierschützer sprechen von fehlenden Beweisen und kämpfen um das Leben der beiden Bären, auch ein Gericht hat den Abschuss bislang verboten, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Wie das Nachrichtenportal Stol.it nun berichtet, gibt es nun jedoch Pläne der Trentiner Landesregierung, die die bisherigen Verbote umgehen sollen, indem kurzerhand geltende Gesetze geändert werden. Konkret planen die Politiker eine Vorgabe zu kippen, nach der zum Töten von wilden Bären oder Wölfen bislang eine Genehmigung der Umweltbehörde Ispra erforderlich ist.

Das ist die Mutter von Bruno und Gaia. Die Bärin Jurka – hier 2001 im Trentino – wurde 2010 eingefangen und lebt heute in einem Wildpark im Schwarzwald.

Gesetzesänderung zur schnelleren Tötung: Politik in Südtirol will bei Bären durchgreifen

Die Gesetzesänderung würde bedeuten, dass dann der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti eigenständig über die Tötung von Großraubtieren entscheiden und diese ungehindert anordnen könnte. Mehrere Gerichtsurteile hatten dem Tötungsbefehl, den Fugattis Regierung ausgesprochen hatte, bislang widersprochen. Auch südtiroler Tierschützer kämpfen um das Leben des Bärenweibchens, die eine Schwester des 2006 bei Bayrischzell getöteten Braunbärs Bruno ist.

Mit ein Grund für das Eingreifen des Gerichts ist etwa ein von den Tierschützern in Auftrag gegebenes Gutachten, nach dem die Bärin den Jogger gar nicht angegriffen habe. Stattdessen wiesen die Bissspuren auf einen Angriff durch ein ausgewachsenes Bärenmännchen hin. Im Alpenbereich, vor allem jedoch im Norden von Italien, leben zurzeit wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge um die 60 Bären.

Bären in Südtirol: Italienische Tierschützer fordern sichere Unterbringung in Reservaten

In Italien hatte sich seit dem Tod des Trentiner Joggers die Debatte um das Zusammenleben von Bär und Mensch zugespitzt. Die Debatte hatte zuvor bereits ein Vorfall mit dem Bär MJ5 im März verschärft, der ebenfalls einen Menschen angegriffen und verletzt hatte. Viele Menschen protestierten gegen die Tötung von Gaia und ihrem männlichen Artgenossen. Auch einige Prominente forderten, den Tötungsbefehl aufzuheben. Nach dem tödlichen Vorfall ist das Bärenweibchen in ein abgesichertes Wildgehege in Südtirol gebracht worden, wo sie seit Monaten lebt und nach dem Willen der Tierschützer auch bleiben soll. Auch im Fall des anderen Bären wolle sich der Tierschutzverband LAV für eine sichere Unterbringung in einem Schutzreservat einsetzen.

Statt die seltenen Tiere zu erlegen, fordern Tierschützer seit langem, die Menschen für die wilden Raubtiere zu sensibilisieren oder Wildtierkorridore einzurichten, die das Zusammenleben von Mensch und Tier für beide Seiten ungefährlicher machen. (saka mit dpa)

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