VonJennifer Köllenschließen
Das Gas wird knapp. Damit Unternehmen Kosten sparen, wollen Grüne und FDP Arbeitnehmer im Winter ins Homeoffice schicken. Dürfen die das?
Berlin – Putin hat uns den Gashahn zwar nicht ganz abgedreht. Doch es fließen nur noch 20 Prozent durch Nord Stream 1. Wenn das so weitergeht, haben wir wegen der Gaskrise in Deutschland bald ein Problem. Und zwar dann, wenn die Tage kälter werden, und wir die Heizung aufdrehen müssen. Für wie viele Wohnungen, Häuser, Büros reicht das Gas?
Politiker wie Robert Habeck (Grüne) und von der FDP haben jetzt „ganz schlaue“ Ideen, wie wir Gas sparen können: Wir sollen nächsten Winter einfach vom Homeoffice aus arbeiten. Moment mal, aber das kostet uns doch dann noch mehr Energie- bzw. Heizkosten. Ja. Aber die Arbeitgeber sparen sich diese dann ein. Wir müssen draufzahlen, und der Boss spart sich Geld? Dürfen die Politiker so etwas durchsetzen? Ist das legal?
Gaskrise: Politiker wollen Homeoffice, damit Arbeitgeber Energie sparen. Ist das legal?
Das Gas wird knapp, das steht fest. Wirtschaftsminister Robert Habeck hat von der „größten Energiekrise“ in Deutschland gesprochen. Wegen der Gaskrise überlegen sich Politiker derzeit fieberhaft, wie wir kommenden Winter Gas sparen können. Ein Notfallplan muss her. Das Ziel: weniger verbrauchen. Ab 1. Oktober soll wegen der Gaskrise die neue Gasumlage eingeführt werden. Das bedeutet für Verbraucher Mehrkosten von „einigen Hundert Euro pro Haushalt.“
Tatsächlich kann die Bundesregierung Maßnahmen zum Energiesparen verordnen. „Diese Möglichkeit gibt ihr das Energiesicherungsgesetz – und zwar bereits, bevor der Krisenfall eintritt, also die Notfallstufe im Notfallplan Gas“, berichtet zdf.de. Denkbar sei es zum Beispiel, dass Vorgaben zu Mindesttemperaturen fürs Heizen in Büros und Werkshallen abgesenkt werden. Frieren am Arbeitsplatz also?
Jein. Denn wenn die Heizung im Büro runtergedreht wird, wollen uns Politiker nächsten Winter wieder ins Homeoffice schicken. „Die Energiebilanz ist dann eine positive, wenn in den Büros nicht geheizt wird und Räume genutzt werden, die sowieso geheizt werden“, sagt Habeck. Und die FDP stimmt zu. „Sollte es zu Versorgungsengpässen kommen, werden flexible Home Office-Regelungen für Arbeitgeber natürlich nicht an der FDP scheitern“, so Fraktionschef Christian Dürr der Welt am Sonntag. Und dann zahlen wir zu Hause mehr Heiz- und Energiekosten? Ist das der Plan? Ist das erlaubt?
Gaskrise: Homeoffice-Pflicht, damit der Chef Kosten spart. Dürfen die das?
Dürfen Arbeitgeber und Politiker uns wegen der Gaskrise ins Homeoffice schicken, um Energie und Kosten zu sparen? „Nein“, sagt Livia Merla, Fachanwältin für Arbeitsrecht. „Der Arbeitgeber kann nicht einfach verlangen, dass ich meine privaten Räume zum Arbeiten nutze“, sagt Merla zu bild.de. Die Privatsphäre im eigenen Zuhause sei sogar durch das Grundgesetz geschützt, erklärt die Expertin. Der Arbeitgeber sei verpflichtet, seinen Angestellten einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen.
Gaskrise: Darum kann es nächsten Winter bis zu 16 Grad kalt in den Wohnungen werden
So oder so ist es sehr wahrscheinlich, dass es wegen der Gaskrise kommenden Winter in unseren Wohnungen kühler und ungemütlicher wird. Und das ganz legal. Denn die Politiker erarbeiten derzeit einen Notfallplan, um Gas einzusparen.
38 Wirtschaftswissenschaftler haben ein „gemeinsames Absenken der Raumtemperatur in allen Betrieben und öffentlichen Gebäuden für eine Woche“ im Falle eines Gasmangels im Winter vorgeschlagen. Und die Wohnungswirtschaft fordert, im Worst Case eine Mindesttemperatur von 16 bis 18 Grad zu verordnen. Dadurch sind offenbar Einsparungen von bis zu 18 Prozent drin.
Der Deutsche Mieterbund ist dagegen. „Gesetzlich verordnetes Frieren der Mieterinnen und Mieter ist weder gerecht noch sozial“, zitiert zdf.de den Mieterbund. „Denn natürlich macht es einen Unterschied, ob beispielsweise ein älterer oder kranker Mensch den ganzen Tag zu Hause sitzt oder ein junger vitaler Mensch sich nur zeitweise zu Hause aufhält.“
Ob im Büro oder Zuhause, fest steht. Die Energiepreise werden im kommenden Winter stark steigen – Heizkosten für Gasheizungen um etwa 300 Prozent. Deswegen gibt es für manche Bürger bald eine Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro, die den Preisschock bei den Energiekosten zumindest etwas abmildern soll.
