Generationenkonflikt

Kinder von heute sind „zu weich“: Oma kritisiert die Erziehungsmethoden von Millennials

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Die Erziehung von Millennials und Boomern könnte kaum unterschiedlicher sein. Auf TikTok äußert eine Großmutter Kritik an den Erziehungsmethoden ihrer Kinder.

Die 68-jährige Shannon Nelson, eine selbsternannte „Boomer-Oma“, teilt auf TikTok Videos, in denen sie die Erziehungsmethoden ihrer Kinder auf humorvolle Weise kritisiert. Diese zählen zu den Millenials, die versuchen, ihre Kinder gefühlvoll und auf Augenhöhe zu erziehen.

In einem Video zeigt Nelson eine lange Liste mit Anweisungen ihrer Tochter, die sie für das zweitägige Babysitten ihrer Enkel bekommen hat. Dazu schreibt sie ironisch: „Ich frage mich, wie ich es jemals geschafft habe, meine eigenen drei Kinder großzuziehen“.

TikTok-Nutzer reagieren unterschiedlich

Großmutter ist der Meinung, dass Kinder durch moderne Erziehung verweichlichen. (Symbolbild)

Bei den TikTok-Usern führt das Video, das mit 84.000 Klicks zu den beliebtesten Clips von Nelson gehört, zu gemischten Reaktionen. Während einige den Humor der Großmutter teilen, sind andere nicht überzeugt:

  • „Vielleicht erinnert sie sich an ihre Kindheit und möchte, dass es ihren Kindern besser geht“, schreibt ein Nutzer.
  • „Ich habe auch Kinder großgezogen, aber mir fehlt wohl das Gen, das mir sagt, wann das Fußball-Training beginnt, wann jedes Kind ins Bett geht und was es zum Mittagessen isst“, teilt eine andere Userin Nelsons Humor.
  • „Es kommt nicht so sehr darauf an, dass Sie Kinder großgezogen haben, es ist wichtiger, dass Sie die Wünsche respektieren, wie Ihre Tochte ihre Kinder erzieht“, verteidigt eine andere Nutzerin die Tochter der TikTokerin.

In einem weiteren Video, das Nelson in der Küche zeigt, schreibt sie: „Ihr Millenials sagt immer: ‚Du hast keine Ahnung, wie hart Elternschaft heutzutage ist‘.“ Anschließend blendet sie die Lunchboxen ihrer Enkelkinder ein. Darin zu sehen: Eine große Auswahl an Obst, Gemüse, Riegeln, Joghurt, Hummus und Pizzastücken. Dazu schreibt die Großmutter: „Das ist einer der Gründe“. Und: „Keine Kritik seitens der Boomer. Aber hier seht ihr, wie wir ihre Lunchboxen gepackt haben.“ Sie filmt ein einfaches Brot und ein Apfel.

@pinkynel

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♬ Comedy Scenes - Comical, stupid, odd, lovely (Drumless)(1441321) - Ponetto

Nelson kritisiert Millenial-Erziehung, akzeptiert die Regeln ihrer Kinder aber

Im Gespräch mit dem Sender TODAY.com erklärt Nelson, die dem Bericht zufolge drei erwachsene Kinder und mittlerweile sieben Enkelkinder hat, dass ihre Enkel nur die Hälfte des Essens in den Lunchboxen gegessen hätten. „Ich denke, wir geben ihnen zu viele Möglichkeiten.“

Nelson befürchtet, dass junge Menschen heutzutage „zu weich“ werden. „Alle sind sehr besorgt um die Gefühle der Kinder“, so die Großmutter. „Werden wir Kinder erschaffen, die nicht zurecht kommen? Wo ich herkomme, war „darüber hinwegkommen“ die Therapie, die wir von unseren Eltern vorgelebt bekamen.“

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Nelson ist auch der Meinung, dass Eltern ihre Kinder heutzutage mit außerschulischen Aktivitäten überlasten. „Sie haben so wenig freie Zeit, die Welt auf eigene Faust zu entdecken“, erklärt sie.

Mental Load, Stress, Schlafmangel, Einsamkeit: Dinge, die sich Eltern mit Kind anders vorgestellt haben

Mutter liegt mit Baby in der Wiese
Die Elternzeit wird schön, endlich Freizeit, wie Urlaub, abschalten und die Zeit mit dem Baby genießen, viel spazieren gehen, die angefangenen Bücher fertig lesen, neue Kochrezepte ausprobieren. Was sich gerade Mütter während der ersten Schwangerschaft ausmalen, entspricht in vielen Fällen nicht dem, wie es dann wird. Manche Mütter und Väter fühlen sich vom neuen Lebensabschnitt überrollt und trotz aller Vorbereitungen doch nicht genug vorbereitet. (Symbolbild) © Kzenon/Imago
Frau enttäuscht am Telefon
So sehr sich viele Mütter über den positiven Schwangerschaftstest und den Nachwuchs freuen, umso herausfordernder kann dann die Organisation rund um die Geburt werden. Je nachdem, in welcher Stadt sie leben, wird Eltern geraten, sich frühzeitig um einen Platz zur Entbindung in einer Klinik zu bemühen. 24vita.de sprach mit einer Mutter, die bereits in der 6. Woche der Frühschwangerschaft von Kliniken am Telefon abgewiesen wurde, weil sie zum errechneten Entbindungstermin keinen Platz ermöglichen konnten. „Das habe ich wirklich nicht erwartet“, berichtete die Mutter. (Symbolbild) © AntonioGuillem/Imago
Zwei Frauen mit Baby am Wickeltisch.
Ein für viele Mütter besonders frustrierender Umstand ist der Mangel an Hebammen in Deutschland, insbesondere zur Nachsorge. Ein Umstand, den sich so manche Eltern wohl anders vorgestellt haben. Die Hebamme kommt nach der Geburt zu den Müttern nach Hause – anfangs täglich, später wöchentlich – sieht nach dem Baby und ist auch wertvolle Ansprechpartnerin für die Mutter. Eltern brauchen speziell am Anfang Unterstützung und Kraft, um ihre nötige Kompetenz entwickeln zu können. Gerade nach der Geburt fühlen sich viele Mütter körperlich und mental erschöpft. Die Hebamme kontrolliert in der Nachsorge zudem die Rückbildung der Gebärmutter bei der betreffenden Mutter, den Wochenfluss sowie die Wundheilung von Riss- oder Operationswunden bei Dammriss oder -schnitt sowie Kaiserschnitt. Außerdem zeigt die Hebamme ihnen erste Übungen der Rückbildungsgymnastik. (Symbolbild) © Mareen Fischinger/Imago
Mutter sitzt erschöpft vor Babybett
Ein Baby bedeutet das pure Glück – so denken und hoffen es die meisten Eltern. Doch nicht immer stellt sich nach der Geburt das Gefühl von Glück und unendlicher Liebe ein. Bei etwa 710.000 Geburten pro Jahr in Deutschland zeigen über 70.000 Frauen und mit ihnen auch Männer pro Jahr Symptome einer postpartalen Depression. (Symbolbild) © Highwaystarz/LOOP IMAGES/Imago
Vater und Sohn schlafen im Sitzen
„Schlaf immer dann, wenn das Baby schläft.“ Ein gut gemeinter Rat von anderen Eltern, der nach der Geburt eine besondere Bedeutung einnehmen wird. Denn den schwierigen Umstand der veränderten Schlafqualität mit Schlafmangel haben sich viele Eltern definitiv anders vorgestellt. Nicht selten fühlen sich die übermüdeten Mütter und Väter dann über den ganzen Tag schläfrig-benommen, leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und sind stark reizbar. (Symbolbild) © Tanya Yatsenko/Imago
Mutter mit Baby erinnert sich
Zu dem neuen Leben mit Baby kommen auch jede Menge Aufgaben auf Mütter und Vater zu, angefangen vom neuen Tagesablauf, den oftmals kurzen Nächten, über das Stillen des Babys und Fläschchen geben bis hin zu Nachsorge- und Vorsorgeterminen. Gerade Mütter berichten, das Gefühl zu haben, an vieles denken zu müssen und machen dabei häufig die Erfahrung – auch wenn das Kind schon älter ist sowie, wenn Geschwister dazu kommen – Termine, Verabredungen oder Aufgaben zu vergessen. (Symbolbild) © Highwaystarz/LOOP IMAGES/Imago
Frau sortiert Wäsche in Waschmaschine
Mit dem Nachwuchs wird die Arbeit im Haushalt nicht weniger, ganz im Gegenteil. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, so viel Wäsche pro Woche zu waschen“, erzählt eine Mutter 24vita.de im Gespräch. Mit dem Baby in der Familie fehlt es dann schlicht und ergreifend häufig an Zeit und vielen Eltern auch an Energie, Aufgaben zu erledigen, selbst wenn Eltern das Kind einbinden oder sich zur Erholung zum schlafenden Baby dazu legen. (Symbolbild) © YAY Images/Imago
Frau in der Dusche
Eine ausgiebige Dusche oder ein schönes, warmes Bad. Was für Menschen ohne Kinder meist selbstverständlich ist, muss von Eltern mit Baby nicht selten zeitlich eingeplant werden. „Ich habe anfangs immer nur ganz schnell duschen können, weil unser Kleiner nicht gerne abgelegt werden wollte und dann viel weinte“, beschreibt eine Mutter im Gespräch mit 24vita.de. Zwar mag es für die einen absurd klingen, doch ist dieser Umstand für so manche Mutter oder manchen Vater nach der Geburt des Babys blanke Realität, die vorher nicht in ihrer Vorstellung vorkam. (Symbolbild) © Ihar Ulashchyk/Imago
Mutter wiegt Baby im Arm
Über neun Monate warten Eltern darauf, ihr Baby in den Armen halten zu können. „Jeden Tag war das für mich ein besonderer Moment, wenn ich unser kleines Baby im Arm hielt, sie wiegte, an ihr roch“, so die Mutter einer jetzt 4-Jährigen. Die meisten Eltern freuen sich auf ihre Elternzeit mit Kind, doch es gibt auch die Mütter und Väter, die sich in dieser ersten Zeit mit Kind dennoch alleine fühlen, da ihnen beispielsweise die Ansprache mit anderen fehlt. (Symbolbild) © Monkey Business 2/Imago
Eltern mit kleinem Baby
Mit der Geburt des Babys werden aus zwei Menschen eine Familie. Wo sich vorher die Frau und der Mann voll auf ihre Partnerschaft konzentrieren konnten, stehen nun in der Regel vorrangig die Bedürfnisse des Nachwuchses im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Baby verändert zwar eine Partnerschaft, kann sie aber auch bereichern. Mutter und Vater ist eine Rolle im Leben, in die Eltern zunächst hineinwachsen müssen, die auch mit Tücken, Hindernissen und verschiedenen Gefühlen verbunden ist, auch wenn es in der eigenen Vorstellung einfacher schien. (Symbolbild)  © Cavan Images/Imago

Großmutter räumt auch eigene Fehler als Mutter ein

Allerdings macht sie sich in den Sozialen Medien auch regelmäßig über ihre eigene Generation lustig. Eines ihrer beliebten Videos lautet: „Was macht eine Boomer-Oma aus?“. Zu sehen ist Nelson in einem pinken Golf-Outfit. Dazu schreibt sie: „Wenn ihr Zeit mit mir verbringen wollt, müsst ihr die gleichen Dinge tun wie ich.“

Sie sei dankbar, eine „großartige Beziehung“ zu ihrer Familie zu haben, so die 68-Jährige. Das verdanke sie zum Teil auch dem Eingeständnis ihrer eigenen Fehler als Mutter. „Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein Erziehungsbuch gelesen zu haben“, erklärt sie. „Diese Eltern recherchieren und lesen. Und ich denke, das ist eine gute Sache. Sie sind viel schlauer als wir.“

Anderen Großeltern gibt Nelson den Tipp, sich mit Ratschlägen besser zurückzuhalten. „Es sei denn, Sie werden um Rat gebeten.“

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