VonChristoph Gschoßmannschließen
Der Hype um die Abnehmspritzen Ozempic und Wegovy ist riesig. Eine neue Studie zeigt, dass die Mittel auch andere Krankheiten bekämpfen können.
München – Eine Spritze zur Traumfigur: Um die äußerst wirksamen Abnehmspritzen Ozempic und Wegovy, die ursprünglich gegen hohen Blutzucker entwickelt worden waren, ist ein wahrer Hype entstanden. So hat der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk großen Erfolg mit seinen Medikamenten, die den Wirkstoff Semaglutid enthalten.
Ozempic wird Menschen mit Diabetes verschrieben, Wegovy ist konkret als Abnehmmittel zugelassen und wird zu einem deutlich höheren Preis verkauft. Novo Nordisk stieg dank der Medikamente Anfang September zum wertvollsten Unternehmen Europas auf. Wie sich die Medikamente jedoch längerfristig auf die Gesundheit auswirken, ist noch weitgehend unerforscht. Eine neue Studie aber lässt aufhorchen.
20 Prozent geringeres Risiko auf schwere Herzinfarkte und Schlaganfälle
Die Ergebnisse einer Studie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, sind durchaus vielversprechend. Sie deuten darauf hin, dass die Abnehmspritzen auch gegen Herzinfarkt und Schlaganfall wirken. Dabei wurden von Forschern aus den USA über 17.000 Patienten im Alter von über 45 Jahren untersucht. Sie litten an Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber nicht an Diabetes.
Die Menschen mit Body-Mass-Index von 27 oder mehr erhielten wöchentlich 2,4 Milligramm Semaglutid oder ein Placebo. Das Ergebnis nach über drei Jahren Nachbeobachtungszeit: Die Gruppe, die Semaglutid nahm, hatte ein um 20 Prozent geringeres Risiko auf Herzinfarkte, Schlaganfälle oder sonstige Herz-Kreislaufprobleme.
„Reduziert kardiovaskuläre Risikofaktoren“: Experte spricht über Behandlung mit Semaglutid
Studienleiter Michael Lincoff sagte in einer Mitteilung: „Es ist bekannt, dass Übergewicht und Adipositas das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen“. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei es gängige Praxis, einen zu hohen Cholesterinspiegel, einen zu hohen Blutdruck und Diabetes zu behandeln.
Gegenüber Sciene Media Center sagte Alexander Bartelt vom Klinikum der Universität München: „Insgesamt verbessert die Behandlung und die damit verbundene Gewichtsreduktion den Stoffwechsel und reduziert damit kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Blutfette, Blutdruck und Entzündungsmediatoren. Die Therapie ist für die Patienten leicht durchführbar und liefert sehr gute Ergebnisse.“
Durchfall, Erbrechen – sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen kann Semaglutid mit sich bringen
Frei von Nebenwirkungen ist natürlich auch Semaglutid nicht. Laut dem Pharmaindex Gelbe Liste zählen zu den häufigsten bekannten Nebenwirkungen die Folgenden:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Bauchschmerzen
- Verstopfung
In einigen Fällen wären zudem Hautreaktionen, Gallensteine, Erschöpfungssyndrome, Schwindel sowie Geschmacksstörungen aufgetreten. Zudem könne der Wirkstoff zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen führen. Hierzu zählen eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, niedriger Blutzucker, Nierenversagen, Schilddrüsenkrebs und schwere allergische Reaktionen.
Vier Punkte zur Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten
Auch sieht der Forscher das Medikament als Chance für Patienten, die schnell viel Gewicht verlieren wollen – ohne einen chirurgischen Eingriff. Trotz der positiven Ergebnisse lassen sich noch keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Langzeitwirkung des Impfstoffs ziehen.
Laut dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) sind vier Punkte zur Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten zu beachten: Nicht Rauchen, gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und gutes Stress-Management. (cgsc mit dpa)
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