VonJulia Volkenandschließen
Die Liebe zum Wintersport hat einen hohen Preis. Toxische Chemikalien, die durch Skiwachs freigesetzt werden, bedrohen Umwelt und Gesundheit.
Aberdeen/Graz - Der alpine Wintersport, insbesondere das Skifahren, ist eine der bevorzugten Freizeitaktivitäten der Bayern in der kalten Jahreszeit. Doch wie umweltfreundlich ist es, das Wochenende auf den schneebedeckten Hängen zu verbringen? Der Verdacht, dass Wintersportaktivitäten der Umwelt schaden könnten, besteht schon seit geraumer Zeit. Die Sorgen der Umweltschützer werden durch den Massentourismus, die Anreise mit dem Auto, Tagesausflüge und die Produktion von Kunstschnee verstärkt.
Eine Untersuchung des James Hutton Institutes in Aberdeen und der Universität Graz scheint diese Bedenken nun zu bestätigen. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Skifahrer Per- und Polyfluoralkyl-Substanzen (PFAS) in den Bergen zurücklassen. PFAS sind eine umfangreiche Gruppe von Chemikalien, die in verschiedenen industriellen Bereichen und sogar im Haushalt verwendet werden. Sie sind wegen ihrer wasser- und fettabweisenden Eigenschaften beliebt. PFAS sind zudem stabil und langlebig. Sie sind in Pfannenbeschichtungen, Zahnseide und sogar Toilettenpapier zu finden. Allerdings sind viele dieser Chemikalien toxisch und sehr schwer abbaubar. Das österreichische Umweltbundesamt erklärt: „Alle PFAS sind, wenn sie einmal in die Umwelt ausgebracht wurden, kaum oder nur mehr sehr schwer wieder entfernbar.“
Studie enthüllt: Toxische Chemikalien durch Skifahren freigesetzt
Die Studie aus Aberdeen hat festgestellt, dass 14 dieser PFAS-Chemikalien von Skifahrern auf den Pisten hinterlassen werden. Sie werden oft in Skiwachsen wegen ihrer wasserabweisenden Eigenschaften verwendet und landen so letztendlich im Schnee. Das Wachs macht die Ski griffiger, weshalb viele Skifahrer darauf schwören.
Interessanterweise wurden die Chemikalien in den Böden rund um österreichische Skigebiete, die hauptsächlich von der Allgemeinbevölkerung und weniger für professionelle Rennen genutzt werden, in höherer Konzentration gefunden als in Gebieten, die seltener oder gar nicht für den Skibetrieb genutzt werden.
Viktoria Müller, die leitende Forscherin, erklärte gegenüber dem britischen Guardian, dass die Chemikalien aufgrund ihrer weiten Verbreitung in der Umwelt in geringen Mengen überall vorkommen können, die Konzentration an den untersuchten Skigebieten jedoch wesentlich höher sei. „Diese Chemikalien heißen Ewigkeits-Chemikalien, weil sie hunderte Jahre brauchen, um abgebaut zu werden. Dadurch können sie sich anhäufen oder in der breiteren Umwelt verbreiten, auch im Grundwasser. Das ist die Hauptsorge.“
PFAS: Skifahrer hinterlassen Ewigkeits-Chemikalien in Bergen
Skiwachse, die PFAS enthalten, wurden kürzlich von mehreren Skigebieten und Rennen aufgrund ihrer möglichen Toxizität verboten. Diese „Ewigkeitschemikalien“ können gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen haben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stellte 2018 fest, dass ein großer Teil der Bevölkerung in Europa über Lebensmittel Konzentrationen von langkettigen PFAS (PFOS und PFOA) ausgesetzt ist, die bis zu 25 Mal die wöchentlich tolerierbare Dosis überschreiten. Dies kann zu einem Anstieg des Cholesterinspiegels und einer Beeinträchtigung des Immunsystems bei Kindern führen. Darüber hinaus wurden PFAS mit der Entstehung von Krebs und Schilddrüsenerkrankungen in Verbindung gebracht, so das Europäische Umweltamt.
Auch in Deutschland wurden die Chemikalien in unterschiedlichen Konzentrationen in Böden und Grundwasser gefunden. Bis März 2023 wurden die Stoffe an 1500 Orten nachgewiesen. Die Regulierung der PFAS ist aufgrund der großen Anzahl unterschiedlicher Stoffgruppen schwierig. Fünf europäische Länder, darunter auch Deutschland, haben jedoch einen Vorschlag zur Beschränkung von PFAS bei der Europäischen Chemikalienagentur eingereicht, um die Produktion, Verwendung und den Import von PFAS verbieten zu lassen, berichtet der Deutschlandfunk. Der Vorschlag muss zunächst geprüft werden. Kritiker des Vorstoßes weisen auf die erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen hin, die ein solches Verbot für die Industrie haben könnte.
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