Entstehung und Gefahren

Vorsicht, Gewitter: Das Wetterphänomen aus Blitz und Donner

Es blitzt, donnert und binnen Minuten fällt sintflutartiger Regen: Einst wurden Gewitter gefürchtet. Gefährlich sind sie noch heute. So können Sie sich schützen.

Offenbach – Deutete man in manchen Kulturen der Antike Gewitter als Drohung der Götter, weiß die Wissenschaft unlängst mehr über die Hintergründe des Zusammenspiels aus kalter und warmer Luft. Weniger bedrohlich wird das Wetterphänomen durch das Wissen über die Entstehung und Wirkung von Gewittern aber nicht. Trotz moderner Technik kann schlechtes Wetter für Menschen lebensgefährlich sein.

WetterphänomenGewitter
EntladungBlitz und Donner
NiederschlagWolkenbuchartiger Regen, Hagel
BegleiterscheinungenSturm, Windböen

Vor allem im Sommer treten Gewitter vermehrt auf. Sie kündigen sich in der Regel mit einer dichten, dunklen Wolkendecke an, gefolgt von Blitz und Donner. Doch auch starker Regen und Sturm geht mit dem Unwetter einher – was es nicht nur für Menschen in Freien gefährlich macht. Auch Haus und Hof können erheblich Schaden nehmen.

Spannung liegt in der Luft: So entstehen Gewitter

Obwohl Gewitter überall und zu jeder Jahreszeit auftreten können, blitzt und donnert es in den Sommermonaten deutlich häufiger. Der Grund liegt am Wetter, das für die Entstehung des Gewitters verantwortlich ist: Sonneneinstrahlung lässt Wasser verdunsten. Die feuchtwarmen Luftmassen steigen hoch in die Atmosphäre und kondensieren. Eine Gewitterwolke (Cumulonimbus) bildet sich. Erkennbar ist sie an ihrer charakteristischen Amboss-Form.

Das steckt hinter dem Wetterphänomen Gewitter: Zuerst ziehen dunkle Wolken als Vorboten auf das Unwetter auf, dann fällt heftiger Regen, gefolgt von Blitz und Donner. (Symbolfoto)

Im Inneren der Wolke sind Wasser- und Eisteilchen kontinuierlich in Bewegung und reiben sich aneinander. Durch diesen Vorgang laden sie sich mit positiver und negativer Energie auf. Im oberen Teil nehmen die positiv, im unteren die negativen geladenen Teilchen zu. So baut sich ein Spannungsfeld auf, das sich schließlich durch eine Art Kurzschluss entlädt: Es blitzt. Dieser Blitz kann sich zwischen zwei Wolken abspielen oder auf die Erde treffen.

Ursachen und Wirkung von Gewitter: Auf Blitz folgt Donner

Der Entladungsvorgang dauert nur wenige Millisekunden. Für das menschliche Auge ist daher nicht sichtbar, dass es sich nicht um einen, sondern um mehrere „Blitzschübe“ handelt. Dabei werden große Mengen Energie freigesetzt: Ein Blitz ist bis zu 100 Millionen Volt stark und erhitzt die unmittelbare Umgebungsluft kurzzeitig auf rund 30.000 Grad. Zum Vergleich: durch eine handelsübliche Steckdose in Deutschland fließen 230 Volt.

Aufgrund dieser Aufheizung dehnt sich die Luft explosionsartig aus. In der Folge ertönt ein Donner. Das sich daran oftmals anschließende hörbare „Grummeln“ ist die Reflexion dieser Schockwelle zwischen Luft und Boden. Es gibt keinen Donner ohne Blitz. Das sogenannte Wetter-Leuchten, weit entfernte Blitze ohne den charakteristischen Knall, sind weit entfernte Gewitter, bei denen der Donner nicht mehr hörbar ist.

Gefahren nicht unterschätzen: Das ist das richtige Verhalten bei Gewitter

Wie viele Kilometer ein Gewitter entfernt ist, lässt sich ungefähr an der Zeitspanne zwischen Blitz und Donner messen: Nach einer Faustregel zählt man dafür die Sekunden, die zwischen beiden Phänomenen vergehen, und teilt das Ergebnis durch drei. Liegen weniger als neun Sekunden zwischen Blitz und Donner, sollte man sich in Sicherheit bringen, falls man noch im Freien unterwegs ist.

Denn schlägt ein Blitz bei einem Menschen ein, wirkt sich dessen volle Wucht in weniger als einer Sekunde auf den Körper ein. Die enorme Stromstärke führt in der Regel sofort zum Herzstillstand. Daher sollte man sich bei Gewitter möglichst in geschlossenen Räumen aufhalten. Auch im Auto ist man sicher. Es wird aufgrund seiner Karosserie zu einem sogenannten „Faradaykäfig“, einer von allen Seiten geschlossenen Hülle, die als elektrische Abschirmung dient.

Wer sich bei Gewitter im Freien befindet, schützt sich durch dieses Verhalten:

  • allein stehende Bäume, hohe Türme und Masten meiden
  • nicht in der Nähe von Metallzäunen aufhalten
  • Gewässer meiden
  • Bodenmulden oder niedrig gelegene Areale aufsuchen
  • in die Hocke gehen, die Füße eng zusammenstellen und die Arme um die Beine schlingen

Der im Volksmund bekannte Spruch „Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen“ stimmt übrigens nicht. Bäume, insbesondere frei stehende, sollte man bei einem Gewitter grundsätzlich meiden. In Deutschland sterben etwa vier Personen im Jahr an den Folgen eines Blitzeinschlags. Das entspricht einer Wahrscheinlichkeit von 1:20 Millionen.

Ausprägungen und Begleiterscheinung von Gewitter: Nicht nur Blitze bergen Gefahren

Neben Blitz und Donner kommt es zu weiteren, nicht ungefährlichen Wetter-Ausprägungen: Starke Regenfälle können zu Überflutungen führen, Hagelschauer dagegen Fahrzeuge sowie Gebäude beschädigen und Menschen verletzen. Ein Hagelkorn mit einem Durchmesser von drei Zentimetern prallt mit einer Geschwindigkeit von mehr als 70 km/h auf dem Boden auf und hat die Kraft, eine Windschutzscheibe zu durchschlagen.

Ein Gewitter zieht über der Stadt Konstanz auf. Mehrere Personen schauen sich das Wetter-Schauspiel aus der Ferne an. Ratsam ist es jedoch, vor dem Unwetter in geschlossenen Räumen Schutz zu suchen. (Symbolfoto)

Vereinzelt werden bei Unwettern Wassermassen von bis zu 100 Litern Regen pro Quadratmeter verzeichnet. Dies kann in Städten zu Überschwemmungen von Straßen führen, auf dem Land zu Bodenerosionen. Kleine Bäche verwandeln sich binnen kurzer Zeit in Flüsse mit starken Strömungen.

Heftige Windböen, sogenannte Fallböen, können Orkanstärke erreichen, Zweige abknicken und Bäume entwurzeln. Sie treten jedoch nur im Extremfall und örtlich begrenzt in einer solchen Wucht auf.

Gewitter: Gibt es Vorwarnungen?

Eine exakte und vor allem langfristige Gewitterwarnung für einen Ort zu treffen, ist schwierig. Das Wetterphänomen tritt in der Regel punktuell auf. So ist es nicht ungewöhnlich, dass an einem Ort Keller aufgrund extremer Regenfälle volllaufen, während wenige Kilometer weiter die Sonne scheint. Wetterdienste erfassen Änderungen in der Luft und geben Warnungen in ihren Wetterprognosen aus.

Unmittelbar vor Ausbrechen eines Gewitters ist in einigen Fällen eine elektrische Aufladung der Atmosphäre zu beobachten, die sich durch ein Aufleuchten von Luftmolekülen zeigt. Gelegentlich ist dies etwa an Kirchtürmen als sogenanntes Elmsfeuer zu beobachten. Physikalisch gesehen könnte man das Elmsfeuer als eine Art kontinuierlichen schwachen Blitz bezeichnen.

Diese Anzeichen sind ebenfalls Vorzeichen einer Veränderung des Wetters hin zu einem Gewitter:

  • Bildung der typischen Gewitterwolken („Haufenwolken“) in Amboss-Form
  • Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bei gleichbleibend hohen Temperaturen
  • aufkommender Wind
  • rasch fallender und gleich anschließend stark steigender Luftdruck
  • starke Regen- und Hagelschauer

Gewitter-Häufigkeit innerhalb Deutschlands

Nach Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) treten Gewitter im Süden Deutschlands häufiger auf als im Norden. Rund 40-mal pro Jahr kracht es durchschnittlich an einem Ort im Süden der Republik, um die 20-mal im Norden. Höhere Lagen sind dabei grundsätzlich stärker betroffen als das Flachland. Besonders viele Gewitter verzeichnet der DWD in folgenden Gebieten:

  • entlang der Schwäbischen Alb
  • im Großraum Stuttgart
  • im hessischen Ried
  • in der Rhön
  • im Erzgebirge
  • auf der Zugspitze
  • auf dem Brocken im Harz
  • auf dem Feldberg im Schwarzwald

Der Brocken stellt eine lokale Ausnahme dar: Obwohl relativ weit nördlich gelegen, entsteht aufgrund der Lage der Bergkuppe etwa alle zehn Tage im Jahr ein Gewitter.

Rubriklistenbild: © Nicolas Maeterlinck/dpa

Kommentare