Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Hitzewelle reißt Wetter aus dem Gleichgewicht: Jetzt drohen Mega-Unwetter auch in Deutschland

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Eine Hitzekuppel liegt über Europa – das aufgeheizte Mittelmeer birgt enorme Gefahren, sogar für Länder fern der Küste. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Eine extreme Hitzewelle hat weite Teile Europas fest im Griff. Von Spanien über Frankreich, Deutschland bis nach Österreich und die Schweiz steigen die Temperaturen in ungekannte Höhen. Besonders alarmierend: Auch das Mittelmeer heizt sich bei diesem Wetter ungewöhnlich stark auf. Bereits jetzt, Anfang Sommer, werden in einigen Regionen Wassertemperaturen von bis zu 28 Grad gemessen – rund 5 bis 6 Grad mehr als üblich.

Rekord-Hitze über Europa – und das Meer kocht mit

Diese Werte sind sonst eher im Hochsommer typisch – wenn überhaupt. Das aufgeheizte Wasser ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie viel zusätzliche Energie derzeit im System steckt. Und genau diese Energie kann sich in den kommenden Wochen und Monaten entladen – mit schwerwiegenden Folgen, auch für Länder weit entfernt von der Mittelmeerküste.

Das Meerwasser ist bereits sehr warm. Das Mittelmeer nähert sich schon jetzt der 30-Grad-Marke. Das kann im Spätsommer und Herbst gravierende Folgen für ganz Europa haben.

Unwettergefahr durch warmes Meer – das Wettersystem gerät aus dem Gleichgewicht

Ein so stark aufgeheiztes Mittelmeer ist kein harmloses Nebenprodukt der aktuellen Hitzewelle, sondern ein ernst zu nehmender Risikofaktor. Denn warme Meere verdunsten mehr Wasser – und dieses gelangt als feuchte Luftmasse in die Atmosphäre. Treffen solche feuchten Luftmassen auf kühlere Luft oder Höhenkaltluft, kann es zu schweren Gewittern, Starkregen und Unwettern kommen.

Diese Luftmassen bewegen sich weit ins Landesinnere – auch nach Deutschland. Besonders in den Übergangsmonaten wie dem Spätsommer und Herbst entstehen daraus gefährliche Wetterlagen: stationäre Gewitterzellen, Starkregen über Stunden und Überschwemmungen. Was früher vor allem den Mittelmeerraum betraf, betrifft inzwischen auch Mitteleuropa. Der Grund: Die großräumigen Wetterströmungen transportieren die feuchte Mittelmeerluft hunderte Kilometer weit.

Auch Deutschland im Visier – Herbst-Wetter könnte extrem werden

Dass es auch Länder wie Deutschland, Belgien oder Österreich trifft, liegt an den veränderten Jetstream-Mustern und blockierten Wetterlagen. Eine sogenannte „Cut-Off“-Lage – ein abgeschnittener Tiefdruckwirbel – kann feuchte Mittelmeerluft tagelang über Mitteleuropa festhalten. Die Folge: Unwetterserien, lokal sintflutartige Regenfälle und Flutkatastrophen wie 2021 im Ahrtal.

Mit den derzeitigen Temperaturen im Mittelmeer steigt die Wahrscheinlichkeit solcher Szenarien deutlich. Expertinnen und Experten warnen bereits: Der kommende Herbst könnte eine besonders kritische Phase werden. Wer denkt, warme Meere seien nur ein Badeproblem, irrt gewaltig – sie könnten sich als brandgefährliche Wettermotoren für ganz Europa entpuppen.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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