Hai-Attacke in Ägypten: Strandbesucher stirbt in beliebtem Badeort Hurghada – „es war eine Raubjagd“
VonChristina Denk
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In Ägypten wurde ein Strandbesucher von einem Tigerhai getötet. Lokale Behörden sehen die Schuld bei Viehhändlern. Die Untersuchungen laufen.
Update vom 10. Juni, 12.30 Uhr: Hai-Experte und BuchautorChristian Kemper analysierte die Szenen, die den Haiangriff auf den 23-jährigen Mann zeigten. „Bei dem aktuellen Fall in Hurghada wirkt der Angriff wie eine sogenannte Raubjagd, bei der der Tigerhai sein Opfer umkreist, angreift, kurz wegschwimmt, zurückkommt und erneut zuschlägt“, sagte er der Bild. In nur wenigen Sekunden würde der Hai so sein Opfer erledigen. Das Klischee des „Killer-Hais“ kann jedoch nicht auf alle Haie bezogen werden, wie Kemper erklärte.
„Hai ist nicht gleich Hai. Es gibt über 500 verschiedene Hai-Arten, die meisten sind klein und ungefährlich oder groß und harmlose Planktonfresser. Es ist ähnlich wie bei Hunden, ein Dackel ist etwas anderes als ein Pitbull. Man kann also nicht pauschal sagen, Haie sind gefährlich, schnell raus aus dem Wasser!“, so der Hai-Experte. Für Angriffe seien nur drei Haiarten bekannt. Dazu zählen der weiße Hai, der Tigerhai und der Bullenhai. Der Tigerhai ist dabei die zweitgefährlichste Hai-Art nach dem weißen Hai.
Hai-Angriff in Ägypten: Strandbesucher stirbt in beliebtem Badeort Hurghada
Erstmeldung vom 9. Juni: Hurghada – Vor der Küste von Ägypten, im beliebten Badeort Hurghada, wurde am Donnerstag (8. Juni) ein Mann von einem Hai angegriffen. „Der Angriff eines Tigerhais auf einen Strandbesucher führte zu dessen Tod“, schrieb das ägyptische Umweltministerium am Donnerstag im Onlinedienst Facebook. Weitere Details nannte das Ministerium zunächst nicht. Wie kam es zu dem Vorfall, an einem Strand, an dem Haiangriffe normalerweise selten sind?
Hai-Angriff in Ägypten: Strandbesucher stirbt nach Attacke – Augenzeugen versuchten noch zu helfen
Wie lokale Medien berichten, wurde der Mann am Donnerstag von einem Tigerhai attackiert. Im Wasser habe er um Hilfe geschrien. Ein Boot habe noch versucht, ihn zu retten, doch es kam zu spät an der Unglücksstelle an. Auch andere Menschen seien dem Mann zur Hilfe geeilt, berichtet der Spiegel in Bezug auf einen Taucher vor Ort. Sie konnten ihn ebenfalls nicht rechtzeitig erreichen.
Laut lokalen Medien und dem russischen Generalkonsul Viktor Woropajew handelt es sich bei dem Opfer um einen 1999 geborenen russischen Staatsbürger. Er lebte dauerhaft in Ägypten und war kein Tourist. Warum der Hai den Schwimmer angriff, muss noch geklärt werden. Nach dem Angriff gelang es, den Tigerhai einzufangen. Das Umweltministerium gab an, dass der Hai ein „auffälliges“ Verhalten an den Tag legte.
Vereinzelte Angriffe vor Ägypten: Behörden sehen Schuld bei Viehhändlern
Örtliche Behörden meldeten indes, dass der Hai durch Abfälle im Wasser angelockt wurde. Die Reste toter Tiere seien durch Viehhändler ins Meer geworfen worden. Haie fressen die Kadaver, die teilweise bis an die Küsten angespült werden. Teils verwechseln sie die Überreste mit schwimmenden Menschen und greifen an. Die exakte Ursache im Fall des russischen Opfers muss noch geklärt werden. Der Strand wurde für zwei Tage gesperrt.
Natur ohne Gnade – Die gefährlichsten Tiere der Welt
Obwohl es im Roten Meer viele Haie gibt, kommt es in den für Badende zugelassenen Bereichen verhältnismäßig selten zu Haiangriffen. Vereinzelt kommen Attacken dennoch vor. Im vergangenen Juli waren eine Österreicherin und eine Rumänin bei einem Haiangriff vor der Küste von Hurghada getötet worden. Im Jahr 2018 kam ein tschechischer Tourist bei einem Haiangriff ums Leben, im Jahr 2015 ein Deutscher. Hai und Haiangriffe kommen auch vor den Küsten Spaniens, Australiens oder den USA vor – mit unterschiedlicher Häufigkeit. Doch auch vor Italien tauchte in diesem Jahr vor dem Badeorts Lignano ein drei Meter langer Hai auf. (chd/dpa/AFP)