VonPatrick Huljinaschließen
Bei schweren Herzinfarkten sollte möglichst innerhalb einer Stunde eine Herzkatheter-Behandlung erfolgen. In einigen deutschen Kliniken ist das allerdings nicht möglich.
München – Ein Herzinfarkt kündigt sich durch Symptome oft schon Wochen vorher an. Für betroffene Patienten bedeutet er in der Regel den Kampf um Leben und Tod. Deshalb ist eine möglichst schnelle und gute Versorgung wichtig. Das Problem: Tausende Herzinfarkt-Patienten in Deutschland werden nicht optimal versorgt, weil die Kliniken nicht angemessen ausgerüstet sind. Das zeigen die Ergebnisse des am Dienstag (13. Dezember) veröffentlichten „Qualitätsmonitors“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).
AOK-Qualitätsmonitor: Mehr als 14.000 Herzinfarkt-Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt
Bei schweren Herzinfarkten sollte möglichst innerhalb einer Stunde eine Herzkatheter-Behandlung erfolgen. „In Häusern, die nur selten Herzinfarkte behandeln, ist das bis auf wenige Ausnahmen nicht gewährleistet“, sagte allerdings WidO-Geschäftsführer Jürgen Klauber in einer Pressemitteilung. Im Jahr 2020 wurden laut den Studienergebnissen mehr als 14.000 Herzinfarkt-Behandlungen in Krankenhäusern ohne Herzkatheterlabor vorgenommen. Das betraf demnach sieben Prozent der insgesamt rund 203.000 Herzinfarkte in Deutschland.
Ein Problem sind laut dem „Qualitätsmonitor“ geringe Fallzahlen in einigen Kliniken. So gab es vor allem Versorgungsnachteile in den 362 Kliniken, die im Jahr 2020 weniger als 25 Herzinfarkte behandelten. Nur jede fünfte dieser Kliniken verfügte demnach über ein Herzkatheterlabor. In einem Katheterlabor können Gefäßverschlüsse, die bei einem Herzinfarkt auftreten, optimal behandelt werden. Mit bestimmten Lebensmitteln kann das Herz gestärkt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorgebeugt werden.
Herzinfarkt-Versorgung in Deutschland: Problem bei Steuerung und Information
„In Kliniken, die häufig Herzinfarkte behandeln, können Patientinnen und Patienten die optimale Ausstattung und Erfahrung erwarten“, erklärte Klauber hingegen. In den Krankenhäusern mit mehr als 240 Herzinfarkt-Fällen pro Jahr lag der Anteil der Patienten, die ohne ein Herzkatheterlabor behandelt wurden, bei null Prozent. Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie empfehlen, Krankenhäuser ohne ein rund um die Uhr verfügbares Katheterlabor zu umgehen.
Vorsicht: So erkennen Sie sofort einen Herzinfarkt




„Der Qualitätsmonitor zeigt, dass es ein Problem bei der Steuerung und Information der Patientinnen und Patienten gibt, denn eigentlich haben wir in Deutschland keinen Mangel an Herzkatheterlaboren“, betonte Klauber in der Pressemitteilung weiter. Im Jahr 2020 habe es demnach allein in Berlin insgesamt 24 Kliniken mit durchgängig verfügbarem Herzkatheterlabor gegeben. Dennoch nahmen in der Hauptstadt 18 weitere Kliniken ohne Katheterlabor an der Herzinfarkt-Versorgung teil.
Einige Warnsymptome für einen Herzinfarkt machen sich bereits früh bemerkbar. Ein Faktor, der das Herzinfarkt-Risiko nachweislich erhöht, ist das Rauchen. In Neuseeland wird nun mit einem Gesetz der Verkauf von Tabak an junge Menschen verboten. (ph)
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