Problem bei Steuerung und Information

Studie zeigt: Tausende Herzinfarkt-Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt

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Bei schweren Herzinfarkten sollte möglichst innerhalb einer Stunde eine Herzkatheter-Behandlung erfolgen. In einigen deutschen Kliniken ist das allerdings nicht möglich.

München – Ein Herzinfarkt kündigt sich durch Symptome oft schon Wochen vorher an. Für betroffene Patienten bedeutet er in der Regel den Kampf um Leben und Tod. Deshalb ist eine möglichst schnelle und gute Versorgung wichtig. Das Problem: Tausende Herzinfarkt-Patienten in Deutschland werden nicht optimal versorgt, weil die Kliniken nicht angemessen ausgerüstet sind. Das zeigen die Ergebnisse des am Dienstag (13. Dezember) veröffentlichten „Qualitätsmonitors“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

AOK-Qualitätsmonitor: Mehr als 14.000 Herzinfarkt-Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt

Bei schweren Herzinfarkten sollte möglichst innerhalb einer Stunde eine Herzkatheter-Behandlung erfolgen. „In Häusern, die nur selten Herzinfarkte behandeln, ist das bis auf wenige Ausnahmen nicht gewährleistet“, sagte allerdings WidO-Geschäftsführer Jürgen Klauber in einer Pressemitteilung. Im Jahr 2020 wurden laut den Studienergebnissen mehr als 14.000 Herzinfarkt-Behandlungen in Krankenhäusern ohne Herzkatheterlabor vorgenommen. Das betraf demnach sieben Prozent der insgesamt rund 203.000 Herzinfarkte in Deutschland.

Ein Problem sind laut dem „Qualitätsmonitor“ geringe Fallzahlen in einigen Kliniken. So gab es vor allem Versorgungsnachteile in den 362 Kliniken, die im Jahr 2020 weniger als 25 Herzinfarkte behandelten. Nur jede fünfte dieser Kliniken verfügte demnach über ein Herzkatheterlabor. In einem Katheterlabor können Gefäßverschlüsse, die bei einem Herzinfarkt auftreten, optimal behandelt werden. Mit bestimmten Lebensmitteln kann das Herz gestärkt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorgebeugt werden.

Eine AOK-Studie zeigt, dass viele Herzinfarkt-Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt werden. (Symbolbild).

Herzinfarkt-Versorgung in Deutschland: Problem bei Steuerung und Information

„In Kliniken, die häufig Herzinfarkte behandeln, können Patientinnen und Patienten die optimale Ausstattung und Erfahrung erwarten“, erklärte Klauber hingegen. In den Krankenhäusern mit mehr als 240 Herzinfarkt-Fällen pro Jahr lag der Anteil der Patienten, die ohne ein Herzkatheterlabor behandelt wurden, bei null Prozent. Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie empfehlen, Krankenhäuser ohne ein rund um die Uhr verfügbares Katheterlabor zu umgehen.

Vorsicht: So erkennen Sie sofort einen Herzinfarkt

Wer einen Herzinfarkt erleidet, verspürt starke, langanhaltende Schmerzen im Brust- und Herzbereich. Doch auch andere Körperregionen wie Arme und Oberbauch können betroffen sein. Meist strahlt der Schmerz von der Brust in die Extremitäten, zwischen die Schulterblätter bis in den Rücken oder in den Hals und Kiefer.
Wer einen Herzinfarkt erleidet, verspürt oft starke, langanhaltende Schmerzen im Brust- und Herzbereich. Meist strahlt der Schmerz von der Brust in die Extremitäten, zwischen die Schulterblätter bis in den Rücken oder in den Hals und Kiefer. © dpa
Mann fasst sich an Arm
Auch Schmerzen im Arm können auf einen Herzinfarkt hinweisen.  © AntonioGuillem/Imago
Frau fasst sich an Bauch
Doch auch in anderen Körperregionen wie dem Oberbauch können sich bei einem Herzinfarkt Schmerzen auftun.  © Iordache Magdalena/Imago
Frau fasst sich an Rücken
Der Schmerz im Brustbereich kann bei einem Herzinfarkt bis in den Rücken ausstrahlen.  © ArtmannWitte/Imago
Junge attraktive Frau fasst sich mit den Händen an den Rücken
Zu den starken Schmerzen kommt häufig noch ein heftiger Druck oder ein sehr starkes Engegefühl im Brust- und Herzbereich hinzu. Viele Betroffenen haben dann das Gefühl, dass ihnen die Luft abgeschnürt wird und ihnen ein Elefant auf der Brust steht. © Imago
Mann hat Schmerzen in der Brust
Neben den stechenden Schmerzen und der Brustenge verspüren manche Betroffene ein stark brennendes Gefühl, das nicht aufhören will. © Imago
Einer Frau ist übel
Auch wenn es erst auf etwas anderes hindeuten kann: Übelkeit und Erbrechen können ebenfalls darauf hindeuten, dass Sie gerade einen Herzinfarkt erleiden. Die sogenannten „unspezifischen“ Anzeichen treten bei Frauen sogar häufiger auf als bei Männern. Die Deutsche Herzstiftung rät, immer dann den Notarzt zu rufen, wenn die Beschwerden in zuvor noch nie erlebtem Ausmaß auftreten. © Imago
Frau schaut aus Fenster
Einen Herzinfarkt kann man jemandem sogar im wahrsten Sinne des Wortes ansehen: Meist werden Betroffene vor Schmerz und Angst ganz fahl und totenblass im Gesicht und bekommen zudem Angstschweiß. © Bernd Feil/Imago
Frau ist erschöpft
Es gibt auch eher unspezifische Anzeichen, die für einen Herzinfarkt sprechen können. Dazu zählt extreme Müdigkeit und Erschöpfung. © Imago
Auch Kieferschmerzen zählen zu den eher unspezifischen Herzinfarkt-Symptomen. Bei extremen Beschwerden sollten Sie besser einen Arzt aufsuchen.
Auch Kieferschmerzen zählen zu den eher unspezifischen Herzinfarkt-Symptomen. Bei extremen Beschwerden sollten Sie besser einen Arzt aufsuchen.  © Imago

„Der Qualitätsmonitor zeigt, dass es ein Problem bei der Steuerung und Information der Patientinnen und Patienten gibt, denn eigentlich haben wir in Deutschland keinen Mangel an Herzkatheterlaboren“, betonte Klauber in der Pressemitteilung weiter. Im Jahr 2020 habe es demnach allein in Berlin insgesamt 24 Kliniken mit durchgängig verfügbarem Herzkatheterlabor gegeben. Dennoch nahmen in der Hauptstadt 18 weitere Kliniken ohne Katheterlabor an der Herzinfarkt-Versorgung teil.

Einige Warnsymptome für einen Herzinfarkt machen sich bereits früh bemerkbar. Ein Faktor, der das Herzinfarkt-Risiko nachweislich erhöht, ist das Rauchen. In Neuseeland wird nun mit einem Gesetz der Verkauf von Tabak an junge Menschen verboten. (ph)

Rubriklistenbild: © IMAGO/imageBROKER/Isai Hernandez

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