VonCarolin Gehrmannschließen
Ein Herzinfarkt ist ein lebensbedrohliches Ereignis. An welchen Anzeichen lässt sich die Krankheit erkennen? Die wichtigsten Symptome und Maßnahmen zur Vorbeuge im Überblick.
Bremen – Ein Herzinfarkt tritt meist plötzlich und ohne jede Vorwarnung auf. Stechen in der Brust, Schmerzen im linken Arm – diese Symptome beim Herzinfarkt sind wohl den meisten bekannt. Aber es gibt noch eine Reihe weniger bekannter und eindeutiger Anzeichen, die auf die lebensgefährliche Krankheit hindeuten. Es ist wichtig, sie genau zu kennen, denn: Ein Herzinfarkt ist immer ein lebensbedrohliches Ereignis und muss unter jeden Umständen umgehend notfallmedizinisch behandelt werden. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollten Sie also immer gleich die 112 wählen!
Symptome beim Herzinfarkt: Bei verdächtigen Anzeichen wie Schmerzen in der Brust sofort den Notruf wählen
Die wohl deutlichsten Anzeichen für einen akuten Herzinfarkt sind die bereits erwähnten starken Schmerzen und ein Druckgefühl im Brustkorb. Oft treten die Schmerzen ausschließlich hinter dem Brustbein auf, wie die Deutsche Herzstiftung schreibt, und können in andere Körperregionen wie Arme, Oberbauch, Rücken, Hals, Kiefer oder Schulterblätter ausstrahlen.
So fühlt sich ein Herzinfarkt an: Starkes Druckgefühl – als würde „ein Elefant auf der Brust stehen“
Viele Menschen verspüren zudem ein massives Engegefühl im Brustkorb bzw. einen starken Druck, als würde ihnen „ein Elefant auf der Brust stehen“. Dazu kann ein schmerzhaftes Brennen als Symptom für einen Herzinfarkt kommen. Sieben Anzeichen nach einem Herzinfarkt machen derweil einen plötzlichen Herztod wahrscheinlicher.
Symptome beim Herzinfarkt: Anzeichen wie Angstschweiß sowie, kalte und blasse Haut
Äußerlich zeigt sich ein akuter Herzinfarkt oft durch das Auftreten von Angstschweiß, die Haut der Betroffenen ist kalt und blass bzw. gräulich. Das liegt auch daran, dass die erkrankten Personen oft starke Angstgefühle und Todesangst erleben. Das äußerst sich in häfigen Fällen auch durch große Unruhe.
Weiterhin kann es zu unspezifischen Anzeichen wie Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch kommen. Hier besteht die Gefahr, sie als harmlos abzutun, was sehr gefährlich sein kann, weil bei einem akuten Herzinfarkt jede Minute zählt. Vor allem Frauen haben oft ein eher uneindeutiges Krankheitsbild.
Herzinfarkt: Symptome, Anzeichen und Beschwerden eines akuten Herzinfarkts
- schwere, länger anhaltende Schmerzen in der Brust, die in Arme, Schulter, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen können
- starkes Engegefühl, heftiger Druck, Brennen in der Brust, Atemnot
- Übelkeit, Brechreiz, Angst
- Schwächegefühl, auch ohne Schmerz
- blasse, fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß
- besonderes Alarmzeichen: nächtliches Erwachen mit Schmerzen in der Brust
- bei Frauen: Atemnot oder Kurzatmigkeit, Übelkeit, Oberbauchschmerz, Brechreiz oder Erbrechen, Rückenschmerzen, Zahnschmerzen oder Kieferschmerzen
Was ist ein Herzinfarkt? Wieso kommt es zum Infarkt und was bedeutet das?
Klar ist: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind laut Statistischem Bundesamt die mit Abstand häufigste Todesursache in Deutschland. Darunter fällt auch der Herzinfarkt. Wieso kommt es aber überhaupt dazu? Und was passiert da eigentlich genau im Körper?
Ein Herzinfarkt entsteht, wenn sich eines der Blutgefäße, welche das Herz mit Blut versorgen, plötzlich verschließt. Mehreren Gefäße, die sogenannten Koronararterien, versorgen den Herzmuskel. Sie entspringen der Hauptschlagader und umfassen den Herzmuskel wie ein Kranz (corona: lateinisch für Kranz). Verschließt sich eines davon, erhält der von ihm versorgte Abschnitt des Herzens kein Blut mehr.
Wenn die Durchblutung nicht rasch wiederhergestellt wird, stirbt das betroffene Herzmuskelgewebe ab. Es kommt zum Infarkt, der sich wegen des absterbenden Gewebes meist durch starke Schmerzen äußert.
Die Ursache eines Gefäßverschlusses sind in der Regel Gefäßverkalkungen bzw. Arteriosklerose. Darunter versteht man Ablagerungen an der Innenwand der Gefäße, sogenannte Plaques. Sie bestehen unter anderem aus Fett, Kalk und Entzündungszellen. Meist bilden sie sich schleichend, daher ist es wichtig, sich regelmäßig im Rahmen von Gesundheits-Check-ups auf Risikofaktoren wie hohe Blutfettwerte untersuchen zu lassen.
Wie lange vorher kündigt sich ein Herzinfarkt an und wie sehr tut es weh?
Bei vielen Betroffenen kommt der Herzinfarkt ganz plötzlich und ohne Vorboten. Doch in neueren Studien wurde ermittelt, dass in rund der Hälfte der Fälle schon 24 bis 48 Stunden vor dem eigentlichen Herzinfarkt erste Symptome auftraten. Laut Deutscher Herzstiftung sind das vor allem kurze Phasen von Brustkorbenge oder Brennen hinter dem Brustbein. Diese Warnzeichen können in Ruhe oder bei leichter Belastung auftreten. Gelegentlich kommt es auch zu nächtlichem Erwachen mit diesen Beschwerden.
Dabei handelt es sich um sogenannte Angina-pectoris-Anfälle (lateinisch: „Enge der Brust“), die dadurch entstehen, dass im Ruhezustand zwar noch ausreichend sauerstoffreiches Blut durch das verengte Herzkranzgefäß fließt, um den Bedarf des Herzmuskels zu decken. Unter Anstrengung oder bei Stress steigt der Blutbedarf jedoch – das Herz gerät in Sauerstoffnot.
Herzinfarkt: Schmerzen werden unterschiedlich stark empfunden – „stumme“ Infarkte ganz ohne Schmerz
Über die Stärke der Schmerzen machen Betroffene sehr unterschiedliche Angaben: die Spanne reicht von sehr starkem Schmerz, auch als „Vernichtungsschmerz“ bezeichnet, bis hin zu sogenannten „stummen“ Infarkten, bei denen Patienten gar keinen Schmerz verspüren und eher wegen anderer Symptome wie Atemnot oder Müdigkeit zum Arzt gehen.
Ein besonderes Risiko für einen stummen Infarkt haben Menschen mit Diabetes. Durch die Zuckerkrankheit können Nerven beschädigt werden, auch am Herz. Bei einem Infarkt entsteht dann kein Schmerzsignal.
Mit welchen Symptomen äußert sich ein Herzinfarkt bei Frauen?
Das Ausbleiben des typischen linksseitigen Schmerzes trifft auch häufig bei Frauen zu. Die Symptome bei einem Herzinfarkt sind bei ihnen oft weniger charakteristisch und teilweise weniger heftig ausgeprägt. Für sie gelten daher auch andere Warnzeichen, auf die sie unbedingt achten sollten. Dazu gehören:
- Kurzatmigkeit oder Atemnot
- Schweißausbrüche
- Rückenschmerzen
- Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen
- Ziehen in den Armen
unerklärliche Müdigkeit, Depressionen
Herzinfarkt: Höheres Risiko bei Frauen als bei Männern zu sterben
Der Herzinfarkt gilt zwar weitläufig als typische Männerkrankheit. Tatsächlich ist das Risiko, daran zu versterben, bei Frauen aber deutlich höher, wie unter anderem der MDR berichtet. Ein Grund dafür: Durch die oft weniger starken Symptome benachrichtigen Frauen oft erst wesentlich später den Notruf. Im Durchschnitt beginnt die Notfallbehandlung eines Infarkts bei Frauen erst eine Stunde später als bei Männern, wie eine Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung zeigen konnte. Das kann unter Umständen fatale Folgen haben, da bei einem Herzinfarkt jede Minute zählt.
Es ist daher wichtig, auch die kleinsten Symptome für einen Herzinfarkt durchaus ernst zu nehmen, und keine falsche Zurückhaltung zu üben, wenn man verdächtige Beschwerden bei sich verspürt. Gleiches sollte für Symptome bei Darmkrebs und bei Symptomen für Depressionen übrigens auch gelten. Frauen erkranken zudem im Durchschnitt erst im höheren Lebensalter an einem Herzinfarkt als Männer. Doch auch jüngere Frauen erkranken – vor allem, wenn sie familiär vorbelastet sind oder einen ungünstigen Lebensstil pflegen. Darüber hinaus haben Frauen nach einem Infarkt schlechtere Genesungschancen als Männer.
Was sind die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt und wie kann man vorbeugen?
Verschiedene Faktoren können das Entstehen eines Herzinfarkts begünstigen. Dazu gehören vor allem bestimmte Vorerkrankungen, die Gefäßverkalkung fördern, wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Auch eine Fehlfunktion der Schilddrüse kann ein Auslöser sein.
Auch Übergewicht, Rauchen, Stress, ungesunde Ernährung oder Bewegungsmangel können mit dafür verantwortlich sein, wenn es zum Herznotstand kommt. Wie hoch das individuelle Herzinfarktrisiko ist, kann am besten ein Arzt mit Ultraschall, Blut- und Belastungstests klären.
So kann man einem Herzinfarkt vorbeugen:
- sich regelmäßig bewegen und sportlich betätigen
- für Entspannung sorgen
- rauchfrei leben
- auf eine gesunde Ernährung achten
- Übergewicht möglichst abbauen
- eine vorliegende Diabetes vom Arzt gut einstellen lassen
- regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen
Rubriklistenbild: © Imago

