VonMoritz Bletzingerschließen
Katastrophale Entwicklung an der Lagune von Orbetello in Italien. Tonnenweise tote Fische treiben im See, für Badegäste besteht Gesundheitsgefahr.
Orbetello – Fauliges, braunes Wasser im Natur-Idyll. Tonnen toter Fische treiben in der Lagune von Orbetello, eigentlich einer ungerührtesten und malerischsten Seen von Italien. Seit kurzem ist er allerdings Ort eines makaberen Schauspiels. Wassertiere sterben wegen großer Hitze, ein furchtbarer Gestank breitet sich aus. Urlauber fliehen und Fischer sind in großer Sorge.
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Italien-See voll mit toten Fischen: Kadaver treiben an beliebte Strände – Bürgermeister fordert Ausnahmezustand
Es sind dramatische Folgen des Klimawandels und der wütenden Hitzewelle über Südeuropa. Im aufgeheizten Wasser fehlt Sauerstoff, die Fische ersticken buchstäblich. Die Gemeinde Orbetello sammelt seit Tagen Kadaver aus der Lagune, am Samstag (27. Juli) waren es laut Gemeinde bereits über 10.000 Kilogramm. Der Wind treibt die toten Fische entlang Orbetello, sie landen schließlich großteils an den Stränden von Feniglia und Tagliata Etrusca.
Bürgermeister Andrea Casamenti schlägt Alarm. „Ich habe den Präsidenten der Region Toskana aufgefordert, den Ausnahmezustand auszurufen und damit alle Mittel zur Eindämmung der Krise zu aktivieren“, schreibt er am Samstagabend (28. Juli) auf Facebook. „Unsere Aufmerksamkeit liegt komplett auf der Schadenzählung und der Rettung der Touristensaison. Ein Ziel, das wir mit aller Kraft verfolgen.“
Toskana-Präsident erwägt Katastrophenzustand – Fischsterben gefährdet Badegäste und Tourismus in Italien
Über die Nachrichtenagentur Ansa antwortet Gouverneur Eugenio Giani umgehend. „Ich erwäge ernsthaft, die formelle Erklärung des regionalen Katastrophenzustands für die Lagune von Orbetello, zumindest für den eventuellen Gesundheitsschutzeingriff bei der Sammlung und Entsorgung des Fischbestands.“ Bei einer Ratssitzung am Montag (29. Juli) soll der Beschluss fallen.
Die Überhitzung tritt Jahr für Jahr in der Lagune auf, so schlimm wie 2024 war es aber noch nie. Bereits am 2. Juli hatte der Umweltverband zum Schutz von Ansedonia (Ada) eine Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft von Grosetto und den zuständigen Regionalbehörden eingereicht. Die Organisation fordert eine nachhaltige Ermittlung der Ursachen für die Verschmutzung, die „den Meereslebensraum schädigt und das Baden und die Gesundheit der Badegäste sowie den Tourismus gefährdet.“
Studie soll Maßnahmen für Lagune von Orbetello in Italien erforschen
Konkret dreht sich die Sorge der Ada um „die hohen Konzentrationen von Escherichia coli und intestinalen Enterokokken, die die direkt an der Mündung des Tagliata-Kanals festgestellt wurden und das Gebiet zum Baden ungeeignet machen“, erklärt die Gemeinde Orbetello in einer Verordnung.
Regionalpräsident Giani kündigt an, bei Umweltminister Pichetto Fratin vorzusprechen, „um starke nationale Aufmerksamkeit auf die Lagune von Orbetello zu lenken.“ Eine Studie soll Maßnahmen erforschen, die dem Phänomen des Fischsterbens im See entgegenwirken. Im Raum steht die Schaffung von Kanälen, die die Wasserzirkulation begünstigen. Damit die Lagune von Orbetello künftig nicht mehr von toten Fischen überschwemmt wird. Interessant könnten die Ergebnisse auch für andere Regionen sein, so kämpft beispielsweise der Gardasee ebenfalls mit den Folgen des Klimawandels. (moe)
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