Hitzegipfel

„Schwammstädte, Naturoasen und Kälteinseln“: Lauterbach präsentiert Hitzeschutzplan für Deutschland

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Deutschland erlebt immer häufiger Extrem-Wetter. Umweltministerin Lemke und Gesundheitsminister Lauterbach sprechen beim Hitzegipfel über Schutzmaßnahmen gegen Hitze und Co.

München/Berlin – Der Klimawandel ist längst im Alltag der Menschen angekommen. Auch in Deutschland sorgt extremes Wetter immer wieder für Probleme. Aktuell erlebt Deutschland mal wieder eine Hitzewelle, doch auch Unwetter stehen laut Meteorologen in den Startlöchern. Dabei kann die Hitze mitunter fatale Auswirkungen haben - und sogar zur tödlichen Gefahr werden.

Hitzeschutzplan: Lauterbach und Lemke präsentieren Fünf-Punkte-Plan gegen Klimakrise bei Gipfel in Berlin

Um den extremen Wetterbedingungen entgegenzutreten, haben Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und Bundesumweltministerin Steffi Lemke einen Klimagipfel ins Leben gerufen. Am Montag (26. Juni) trafen sich die beiden Minister in Berlin. Und präsentierten am Nachmittag ihren Plan, um die Bürgerinnen und Bürger künftig vor Hitze und anderem Extremwetter besser schützen zu können. Und auch das Thema Wasserversorgung fand Berücksichtigung in dem Papier.

Umweltministerin Lemke warnte: „Mit Starkregen, Dürren und Wasserknappheit spüren wir die Auswirkungen der Klimakrise schon länger bei uns in Deutschland. Immer länger anhaltende Hitzeperioden und die Zunahme von tropischen Nächten, in denen keine Abkühlung zu finden ist, belasten die Menschen und gefährden die Gesundheit vor allem älterer Bürgerinnen und Bürger.“ Auch Kabinettskollege Lauterbach hatte schon mehrfach gewarnt, dass insbesondere bei Hitze für einige Bürger auch das „Leben in Gefahr“ sei.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Der Entwurf des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) trägt den Titel „Natürlicher Klimaschutz, Wasserstrategie und Klimaanpassung – Für den Schutz der Gesundheit und zur Vorsorge gegen die Folgen der Klimakrise“. Hierin wird zusammengefasst, mit welchen Schritten der Kampf gegen den Klimawandel gelingen soll. Dabei stehen fünf zentrale Maßnahmen im Mittelpunkt.

„Sofortprogramm Klimaanpassung“ stellt Kommunen und Einrichtungen Experten gegen Hitze zur Seite

Das sogenannte „Sofortprogramm Klimaanpassung“ besteht bereits seit 2022. Kommunen und soziale Einrichtungen bekommen von Experten, sogenannten Klimaanpassungsmanagern, professionelle Hilfe. Diese erstellen laut dem BMUV-Plan „nachhaltige Anpassungskonzepte“ und unterstützen bei der Umsetzung. Auch Fördergelder werden für die Klimaanpassung bereitgestellt. Mögliche Maßnahmen sind z. B. Verschattungen und Dämmung gegen die Hitze, diese tragen „direkt zur Kühlung der Räume“ bei, heißt es in dem Papier.

Klimaanpassungsgesetz soll verabschiedet werden, um Handlungsrahmen zu bilden

Gesundheitsminister Lauterbach und Umweltministerin Lemke drängen darauf, ein Klimaanpassungsgesetz durchzubringen – am besten noch vor der Sommerpause. Dies würde „einen strategischen Rahmen für die Klimaanpassung in Bund, Ländern und Kommunen setzen“, so die Hoffnung. Es sei „vorgesehen, dass die Bundesregierung und die Länder jeweils eigene Klimaanpassungsstrategien vorlegen. Ziel ist es, dass für die gesamte Fläche des Landes Klimaanpassungskonzepte erstellt werden.“

Extreme Hitze nimmt auch in Deutschland immer weiter zu.

„Steigerung der Anpassungsfähigkeit“: Auch Mensch und Natur müssen sich ändern

Laut BMUV-Papier braucht es in der Klimakrise auch eine „Steigerung der Anpassungsfähigkeit unserer Wirtschaft, Gesellschaft und Natur“. Man müsse „Gefahren und Risiken“ klar benennen“, aber auch ein „Bewusstsein schaffen und Akteure sensibilisieren“. Man versuche derzeit, eine „vorsorgende Klimaanpassungsstrategie“ zu entwickeln und diese „erstmals mit messbaren Zielen“ zu bestücken. Einen Rahmen soll das geplante Klimaanpassungsgesetz schaffen.

Hitzeschutzplan: „Naturoasen und Kälteinseln“ in Städten schaffen

Auch ein „natürlicher Klimaschutz“ ist teil der fünf zentralen Maßnahmen. „Naturbasierte Lösungen schützen die Natur und mildern die Folgen der Klimakrise ab“, heißt es in dem Papier. Man wolle „Ökosysteme schützen, stärken und wiederherstellen“. Und weiter: „Intakte Ökosysteme sind natürliche Klimaschützer. Sie erhalten unsere Lebensgrundlagen, bieten wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen, speichern Wasser und sind Rückzugsorte für Menschen.“ In Städten sollen daher auch mehr Grünflächen enstehen: „Naturoasen und Kälteinseln“ sollen bei auftretender Hitze Abkühlung schaffen.

Wasserversorgung langfristig sichern: „Sicherstellen, dass es auch in 30 Jahren jederzeit Trinkwasser gibt“

Wasser ist vielerorts ein kostbares Gut geworden. Um eine akute Knappheit zu verhindern, wird in dem BMUV-Papier „Trinkwasser Priorität eingeräumt“. Man wolle „sicherstellen, dass es auch in 30 Jahren und darüber hinaus überall und jederzeit hochwertiges und bezahlbares Trinkwasser gibt“, so das BMUV in dem Entwurf. Durch „wassersensiblen Stadtentwicklung – Stichwort Schwammstadt – sollen Städte so gestaltet werden, dass Wasser gespeichert werden kann und Städte besser an die Klimakrise angepasst sind.“

Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa

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