„Schwammstädte, Naturoasen und Kälteinseln“: Lauterbach präsentiert Hitzeschutzplan für Deutschland
VonKai Hartwig
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Deutschland erlebt immer häufiger Extrem-Wetter. Umweltministerin Lemke und Gesundheitsminister Lauterbach sprechen beim Hitzegipfel über Schutzmaßnahmen gegen Hitze und Co.
Hitzeschutzplan: Lauterbach und Lemke präsentieren Fünf-Punkte-Plan gegen Klimakrise bei Gipfel in Berlin
Um den extremen Wetterbedingungen entgegenzutreten, haben Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und Bundesumweltministerin Steffi Lemke einen Klimagipfel ins Leben gerufen. Am Montag (26. Juni) trafen sich die beiden Minister in Berlin. Und präsentierten am Nachmittag ihren Plan, um die Bürgerinnen und Bürger künftig vor Hitze und anderem Extremwetter besser schützen zu können. Und auch das Thema Wasserversorgung fand Berücksichtigung in dem Papier.
Umweltministerin Lemke warnte: „Mit Starkregen, Dürren und Wasserknappheit spüren wir die Auswirkungen der Klimakrise schon länger bei uns in Deutschland. Immer länger anhaltende Hitzeperioden und die Zunahme von tropischen Nächten, in denen keine Abkühlung zu finden ist, belasten die Menschen und gefährden die Gesundheit vor allem älterer Bürgerinnen und Bürger.“ Auch Kabinettskollege Lauterbach hatte schon mehrfach gewarnt, dass insbesondere bei Hitze für einige Bürger auch das „Leben in Gefahr“ sei.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde
Der Entwurf des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) trägt den Titel „Natürlicher Klimaschutz, Wasserstrategie und Klimaanpassung – Für den Schutz der Gesundheit und zur Vorsorge gegen die Folgen der Klimakrise“. Hierin wird zusammengefasst, mit welchen Schritten der Kampf gegen den Klimawandel gelingen soll. Dabei stehen fünf zentrale Maßnahmen im Mittelpunkt.
„Sofortprogramm Klimaanpassung“ stellt Kommunen und Einrichtungen Experten gegen Hitze zur Seite
Das sogenannte „Sofortprogramm Klimaanpassung“ besteht bereits seit 2022. Kommunen und soziale Einrichtungen bekommen von Experten, sogenannten Klimaanpassungsmanagern, professionelle Hilfe. Diese erstellen laut dem BMUV-Plan „nachhaltige Anpassungskonzepte“ und unterstützen bei der Umsetzung. Auch Fördergelder werden für die Klimaanpassung bereitgestellt. Mögliche Maßnahmen sind z. B. Verschattungen und Dämmung gegen die Hitze, diese tragen „direkt zur Kühlung der Räume“ bei, heißt es in dem Papier.
Klimaanpassungsgesetz soll verabschiedet werden, um Handlungsrahmen zu bilden
Gesundheitsminister Lauterbach und Umweltministerin Lemke drängen darauf, ein Klimaanpassungsgesetz durchzubringen – am besten noch vor der Sommerpause. Dies würde „einen strategischen Rahmen für die Klimaanpassung in Bund, Ländern und Kommunen setzen“, so die Hoffnung. Es sei „vorgesehen, dass die Bundesregierung und die Länder jeweils eigene Klimaanpassungsstrategien vorlegen. Ziel ist es, dass für die gesamte Fläche des Landes Klimaanpassungskonzepte erstellt werden.“
„Steigerung der Anpassungsfähigkeit“: Auch Mensch und Natur müssen sich ändern
Laut BMUV-Papier braucht es in der Klimakrise auch eine „Steigerung der Anpassungsfähigkeit unserer Wirtschaft, Gesellschaft und Natur“. Man müsse „Gefahren und Risiken“ klar benennen“, aber auch ein „Bewusstsein schaffen und Akteure sensibilisieren“. Man versuche derzeit, eine „vorsorgende Klimaanpassungsstrategie“ zu entwickeln und diese „erstmals mit messbaren Zielen“ zu bestücken. Einen Rahmen soll das geplante Klimaanpassungsgesetz schaffen.
Hitzeschutzplan: „Naturoasen und Kälteinseln“ in Städten schaffen
Auch ein „natürlicher Klimaschutz“ ist teil der fünf zentralen Maßnahmen. „Naturbasierte Lösungen schützen die Natur und mildern die Folgen der Klimakrise ab“, heißt es in dem Papier. Man wolle „Ökosysteme schützen, stärken und wiederherstellen“. Und weiter: „Intakte Ökosysteme sind natürliche Klimaschützer. Sie erhalten unsere Lebensgrundlagen, bieten wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen, speichern Wasser und sind Rückzugsorte für Menschen.“ In Städten sollen daher auch mehr Grünflächen enstehen: „Naturoasen und Kälteinseln“ sollen bei auftretender Hitze Abkühlung schaffen.
Wasserversorgung langfristig sichern: „Sicherstellen, dass es auch in 30 Jahren jederzeit Trinkwasser gibt“
Wasser ist vielerorts ein kostbares Gut geworden. Um eine akute Knappheit zu verhindern, wird in dem BMUV-Papier „Trinkwasser Priorität eingeräumt“. Man wolle „sicherstellen, dass es auch in 30 Jahren und darüber hinaus überall und jederzeit hochwertiges und bezahlbares Trinkwasser gibt“, so das BMUV in dem Entwurf. Durch „wassersensiblen Stadtentwicklung – Stichwort Schwammstadt – sollen Städte so gestaltet werden, dass Wasser gespeichert werden kann und Städte besser an die Klimakrise angepasst sind.“