VonMarcel Priggeschließen
Die Hitzewelle schlägt mit voller Wucht zu. Doch nicht nur die Menschen stöhnen unter der Hitze. Auch der Garten wird belastet. Doch darf ich eigentlich trotz der Trockenheit meinen Rasen sprengen, meine Blumen gießen oder mein Auto waschen?
Berlin – Die zweite große Hitzewelle des Jahres ist in Deutschland angekommen. Mit ihr erhöht sich die ohnehin schon großflächige Trockenheit in vielen Bundesländern. Die Situation wird besonders prekär, wenn man sich den sinkenden Grundwasserspiegel in Deutschland in den vergangenen Jahren vor Augen führt. Der Umgang mit dem Wasser ist also wichtig, doch betrifft mich das auch als Verbraucher? Darf ich noch meinen Rasen sprengen, meine Blumen gießen und mein Auto waschen?
Hitzewelle in Deutschland: Blumen gießen, Rasen sprengen und Auto waschen im Sommer
Deutschland glüht und ächzt unter der Hitzewelle: Es ist heiß geworden in den vergangenen Tagen. Grund dafür ist die Hitze, die von Südeuropa nach Deutschland geschwappt ist. Mit der Hitzewelle kommen mancherorts Temperaturen bis 40 Grad und die ohnehin schon trockenen Böden werden weiter ausgedörrt. Vielerorts brechen Waldbrände aus. So kämpften bei einem Waldbrand in Niedersachsen mehr als 200 Einsatzkräfte gegen die Flammen. Während eines anderen Waldbrandes mussten sogar Landwirte mit Güllefässern aushelfen. Kann man es sich während einer solchen Situation und Trockenheit überhaupt noch erlauben, mit Trinkwasser den Garten zu sprengen, seine Blumen zu gießen oder gar das Auto zu waschen? Oder sollte lieber auf den lang erhofften Regen gewartet werden?
Rasensprengen und Blumengießen trotz Hitzewelle in Deutschland: Privathaushalte mit Grundwasser versorgt
Darf ich bei einer solchen Hitze noch meinen Rasen sprengen, mein Auto waschen und meine Blumen gießen? Die kurze Antwort ist ja. Denn momentan liegt trotz Hitzewelle in Deutschland kein flächendeckendes Wasserproblem vor. Die etwas längere Antwort macht den Sachverhalt allerdings schwieriger. Denn Privathaushalte werden zu 60 bis 100 Prozent aus dem Grundwasser versorgt. Der Grundwasserspiegel sinkt aber schon seit Jahren. Auch deshalb gibt es in manchen Orten in Deutschland bereits eine Wasserknappheit.
Autowaschen in Hitzewelle: Rasensprengen und Blumengießen trotz niedrigen Grundwasserspiegel
Ganz so einfach ist das Thema um den Rasensprenger, die Gießkanne oder das Auto also nicht. Wie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gegenüber kreiszeitung.de berichtet, wirkt sich die beobachtete allgemeine Grundwasserstandsabsenkung der Trockenjahre 2018-2020 auch im Jahr 2022 weiter auf das aktuelle Grundwasserstandsniveau aus. „Für dieses Jahr ist zu erwarten, dass sich die Grundwasserdynamik analog zu den vergangenen Jahren weiterhin auf einem niedrigen Niveau abspielt“, so Bettina Dörr, Pressesprecherin des NLWKN.
Kann das Rasensprengen, Blumengießen und Autowaschen verboten werden?
Ja, das Rasensprengen kann auch verboten werden. Das liegt in der Zuständigkeit der unteren Wasserbehörden der betroffenen Landkreise. Per Allgemeinverfügung können diese die sogenannte Beregnung, also Wasser, das von oben einer Fläche zugeführt wird, untersagen. Auch die Entnahme von Wasser aus Flüssen oder Seen kann verboten werden. Alles zugunsten des Grundwasserspiegels.
Hitzewelle in Deutschland: Wo ist Trockenheit zu erwarten?
Die Trockenheit in Deutschland wird zum Problem. Doch wie trocken ist es in Deutschland gerade? Durchschnittliche Grundwasserstandsverläufe seien insbesondere im Westen/Nordwesten wahrscheinlich, so das NLWKN. „In den Niederungsregionen mit geringen Flurabständen bewegt sich der saisonale Zyklus voraussichtlich auf einem weitgehend normalen Niveau. Im Osten Niedersachsens dürften weiterhin Grundwasserstandsverläufe auf einem unterdurchschnittlichen Niveau zu beobachten sein“, berichtet Dörr.
Rasensprengen, Blumengießen und Autowaschen: Grundwasser wichtig für Natur und Verbraucher
Das Grundwasser ist aber besonders wichtig – für die Natur, aber auch die Verbraucher. Aufgrund ausgebliebener oder verschobener Niederschläge sinken die Pegelstände seit Jahren. Auch Starkregenereignisse bringen da wenig, da das Wasser im Schwall oberflächlich abfließt und nur zu kleinen Teilen versickert. Hinzu kommt: Je heißer es wird, desto mehr verbrauchen Privatleute –ob nun für das Duschen oder für den Rasensprenger. Insgesamt machen Privatpersonen 22 Prozent des deutschen Wasserverbrauchs aus.
Rasensprengen in Hitzewelle: bis zu 50.000 Liter Wasser werden im Jahr verbraucht
Das eigene Verhalten macht also durchaus einen Unterschied. Ist Autowaschen, der Rasensprenger oder das Gießen meiner Blumen nun eine Umweltsünde? Wie immer bei so vielen Sachen kommt es ganz darauf an. Entscheidend ist die Frage, wie viel Wasser verbraucht wird. Wenn man von einer Rasenfläche von 100 Quadratmetern, einer Sprengzeit von drei Monaten und einem Verbrauch von 15 bis 25 Litern pro Quadratmeter ausgeht, kann ein Rasensprenger 18.000 bis 30.000 Liter Wasser verbrauchen. Bei fünf Monaten sind es schon bis zu 50.000 Liter. Zum Vergleich: Pro Person liegt der Wasserverbrauch in Deutschland bei rund 47.000 Litern pro Jahr.
Blumengießen und Rasensprengen: Die Uhrzeit macht den Unterschied
Mit einigen wenigen Maßnahmen kann das Rasensprengen oder das Gießen von Blumen so effizient gestaltet werden, dass man kein schlechtes Gewissen haben muss. Denn im Sommer kommt es beim Bewässern des Rasens besonders auf den Zeitpunkt an. In der Hitze verdunstet viel Wasser schnell vom Boden. Deshalb ist es sinnvoll, den Rasen in den frühen Morgenstunden zu sprengen. Das Blumengießen könnte zudem durch ein Bewässerungssystem mit Zeitschaltuhr ersetzt werden, damit das Wasser gezielter ankommt. Auch sollte man den Rasen lieber einmal die Woche stark als täglich wenig bewässern. Denn dann wachsen die Wurzeln des Rasens stärker in die Tiefe, statt nur an der Oberfläche zu bleiben, wo das Wasser ankommt.
Tipps für den Garten: Trotz Rasensprengen, Blumengießen und Autowaschen in Deutschland Geld sparen
Mit einem separaten Wasserzähler im Garten können Hausbesitzer beim Rasensprengen, Autowaschen und Blumengießen sogar Geld sparen. Die Abwassergebühren fallen weg, da das Wasser nicht in die Kanalisation fließt. Dementsprechend werden auch keine Abgaben für die Entwässerung fällig. Wird die Wasserentnahme im Garten getrennt gemessen, lässt sich die Menge später in vielen Gemeinden auf Antrag mit dem Gesamtverbrauch verrechnen.
