Extremsportler mit Handicap

Mit Prothesen: Influencer ohne Beine muss Gipfeltour auf den Montblanc abbrechen

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Maximilian Schwarzhuber mit der Gipfel-Trompete auf dem Großglockner.
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Eine unheilbare Krankheit kostete Maximilian Schwarzhuber (30) aus Bayern beide Beine. Bremsen lassen will er sich davon nicht – und besteigt mit Prothesen die „Seven Summits“ der Alpen.

Update vom Sonntag, 20. August, 11.24 Uhr: Die Besteigung des letzten der Seven Summits musste Maximilian Schwarzhuber am Samstag auf 4250 Meter Höhe abbrechen. Man habe einem anderen Bergsteiger das Leben gerettet, schreibt der Oberbayer auf Facebook. Über die Details will der Extremsportler in den kommenden Tagen berichten.

Erstmeldung vom Sonntag, 18. August, 17.10 Uhr: Wolnzach/Chamonix – Der Influencer hat sich diesen Sommer vorgenommen, die jeweils höchsten Gipfel der sieben Alpen-Länder zu erklimmen: Am 10. Juni begann das Abenteuer an der Zugspitze (2962 Meter), es folgten die Doufourspitze (4634 Meter) in der Schweiz, der Gran Paradiso (4061 Meter) in Italien, der Triglav in Slowenien (2864 Meter) und der Grauspitz in Liechtenstein (2599 Meter).

Vorige Woche stand der 30-Jährige auf dem Gipfel des Großglockners – des höchsten Bergs Österreichs. Auf 3798 Metern Höhe spielte er dot seine persönliche „Weis“ mit der mitgebrachten schwarzen Trompete.

Krasse Etappe auf den höchsten Gipfel der Alpen: „Geht ganz schön in die Haxn“

Am Donnerstag (18. August) begann der Marsch auf den höchsten Gipfel der Alpen – dem Montblanc in Frankreich. Von der auf italienischer Seite liegenden Ortschaft Cormayeur ging es erst einmal zum Rifugio Torino – die Turiner Hütte auf 3375 Meter Höhe. „Das waren 2100 Meter Anstieg, das geht ganz schön in die Haxn“, so Schwarzhuber gegenüber merkur.de von IPPEN MEDIA.

Am Freitag (18. August) ging es dann weiter über die französische Grenze zum Refuge des Cosmiques auf 3566 Metern Höhe – bei Kaiserwetter. Die Gipfeletappe soll am Samstag (19. August) erfolgen: „Morgen früh um eins gibt es Frühstück und um zwei Uhr starten wir zum Gipfel“, so Schwarzhuber.

Von Kindesbeinen an erkrankt: Früher im Rollstuhl, heute Gipfelstürmer – trotz Prothesen

Mit seinem Kletterpartner Alex Daffner (31) aus Essenbach bei Landshut (Niederbayern) soll es über die Cosmique-Route auf den Gipfel gehen – mit Gegenanstiegen sind das 1675 Höhenmeter über bis zu 50 Grad steile Hänge. „Unterwegs ist ein Gletscher abgebrochen, die Kante ist 20 Meter hoch, wir müssen ausweichen, das wird heikel“, berichtet Schwarzhuber. Zehn von 15 Bergsteigern hätten den Gipfelsturm am Vortag abbrechen müssen.

Aufgeben gilt für Schwarzhuber eigentlich gar nicht: Schon als Kind litt er am Guillain-Barré-Syndroms, bei dem es zu entzündlichen Veränderungen des Nervensystems kommt und das zum Tod führen kann. Seine Beine quälten ihn mit Schmerzen, er saß oft im Rollstuhl. 2017 beschloss er, sich die Beine amputieren zu lassen.

Extremsportler mit Handicap will Alpen erklimmen: Ehrgeiz ja, aber Sicherheit hat höchste Priorität

Schon nach einem halben Jahr mit den Prothesen absolvierte er einen Zehn-Kilometer-Lauf, voriges Jahr radelte er in 48 Stunden 1001 Kilometer von Flensburg nach Oberstdorf. Er verdient als Motivationsredner seinen Lebensunterhalt, auf Facebook kann man den Abenteuern des Extremsportlers mit Handicap folgen.

Schwarzhubers Motto: „Nicht die Umstände haben Macht über dich, sondern deine Antworten darauf.“ Doch am Mont Blanc hat die Sicherheit höchste Priorität. Schwarzhuber: „Wenn es zu gefährlich wird, kehren wir um.“ Wie gefährlich der höchste Berg der Alpen selbst für erfahrene und durchtrainierte Menschen ist, hat sich nicht zuletzt vor gut einem Jahr gezeigt: damals verunglückte eine Ex-Ski-Weltmeisterin beim Klettern tödlich.

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