60 Retter im Einsatz

Forscherin in 150 Metern Tiefe festgesteckt: Bergretter beenden tagelanges Höhlen-Drama in Italien

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Retter versuchen eine verletzte Höhlenforscherin aus der Grotte „Bueno Fonteno“ zu befreien.
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Bange Stunden in Norditalien. Eine Forscherin steckte nach einem Sturz verletzt in einer Höhle fest. Die Rettung zog sich über zwei Tage.

Update vom 4. Juli, 16.32 Uhr: Die Bergrettung hat es geschafft, Ottavia Piana aus der Grotte zu befreien. Nach über 36 Stunden Einsatz vermeldete die CNSAS den Erfolg auf Twitter. Die verletzte Höhlenforscherin wurde mit einem Rettungsflugzeug ins Krankenhaus abtransportiert.

Erstmeldung vom 4. Juli, 13.14 Uhr: Bergamo – Italien bangt um die 31-jährige Ottavia Piana. Die Höhlenforscherin sitzt seit Tagen in knapp 150 Metern Tiefe in einer Höhle fest. Aus eigener Kraft kann sie sich nicht befreien. Die hochkomplexe Rettungsaktion läuft – doch zieht sie sich quälend lange hin.

Die Bilder zum Höhlen-Drama in der Lombardei – Rettungskräfte kämpfen in 150 Metern Tiefe

Der Lago d‘Iseo in der Lombardei: Tiefblaue See und wunderschöne Natur locken Touristen und Forschende in die Region um den Gardasee.
Der Lago d‘Iseo in der Lombardei: Tiefblaue See und wunderschöne Natur locken Touristen und Forschende in die Region um den Gardasee. © Wirestock/Imago
Unweit des Lago d‘Iseo, in der Grotte „Bueno Fonteno“ verunglückte Ottavia Piana am Sonntag: Die 31-Jährige steckt mit einem verletzten Bein fest.
Unweit des Lago d‘Iseo, in der Grotte „Bueno Fonteno“ verunglückte Ottavia Piana am Sonntag: Die 31-Jährige steckt mit einem verletzten Bein fest. © Ken Welsh/Imago
Höhlen-Drama in Italien: Ein Freund der verunglückten Kletterin war bis zum nächsten Dorf gelaufen, um Hilfe zu alarmieren.
Der Großeinsatz läuft seit Sonntag: Ein Freund der verunglückten Kletterin war bis zum nächsten Dorf gelaufen, um Hilfe zu alarmieren. © CNSAS
In der Nähe der Grotte „Bueno Fonteno“ hat die Bergrettung CNSAS ein mobiles Einsatzzentrum aufgebaut: Sie hoffen, Ottavia Piana bis Dienstagnachmittag befreit zu haben.
In der Nähe der Grotte „Bueno Fonteno“ hat die Bergrettung CNSAS ein mobiles Einsatzzentrum aufgebaut: Sie hoffen, Ottavia Piana bis Dienstagnachmittag befreit zu haben. © CNSAS
Rettungskräfte bereiten sich auf die Befreiungsmission vor, während stets Helfer auch bei der verunglückten Forscherin in der Höhle bleiben.
Rettungskräfte bereiten sich auf die Befreiungsmission vor, während stets Helfer auch bei der verunglückten Forscherin in der Höhle bleiben. © CNSAS
Die spektakuläre Rettungsmission ist auch für die Einsatzkräfte nicht ungefährlich: Sie müssen sich an den steilen Wänden der Grotte hinabhangeln.
Die spektakuläre Rettungsmission ist auch für die Einsatzkräfte nicht ungefährlich: Sie müssen sich an den steilen Wänden der Grotte hinabhangeln. © CNSAS/Facebook
Die Rettungsmission läuft Tag und Nacht: 60 Einsatzkräfte kämpfen in der Höhle ununterbrochen um die Rettung von Ottavia Piana.
Die Rettungsmission läuft Tag und Nacht: 60 Einsatzkräfte kämpfen in der Höhle ununterbrochen um die Rettung von Ottavia Piana. © Screenshot/CNSAS/Facebook
In einem Rettungssack wird die verletzte Forscherin an Seilzügen Stück für Stück in Richtung Erdoberfläche transportiert.
In einem Rettungssack wird die verletzte Forscherin an Seilzügen Stück für Stück in Richtung Erdoberfläche transportiert.  © Screenshot/CNSAS/Facebook

Die 31-Jährige aus der Region Brescia ist eine Höhlen-Expertin und erkundete am Sonntag gemeinsam mit einigen Freunden und Kollegen auf einer Expedition die Höhle „Bueno Fonteno“ nahe des Lago d‘Iseo und damit unweit der bei deutschen Touristen beliebten Gardasee-Region. Dabei handelt es sich um eine der größten Höhlen der Lombardei und Italiens allgemein. Das Team war dabei einen neuen Abschnitt der Höhle zu erkunden, von der aktuell knapp 20 Kilometer bereits erforscht sind. Es handelt sich dabei um ein Labyrinth an Gängen mit einer Gesamtlänge von knapp 50 Kilometern.

Höhlen-Drama in Italien: Frau seit zwei Tagen in 150 Metern Tiefe gefangen

Auf einer Tiefe von knapp 150 Metern dann das Unglück: Nach Angaben der Zeitung Il Giorno war die Forscherin gerade bei einem Klettervorgang, als sich offenbar ein Anker löste und sie mehrere Meter in die Tiefe stürzte. Dabei verletzte sie sich demnach schwer am Knie, das schon von einer anderen Verletzung angeschlagen war. Es wird angenommen, dass das Bein gebrochen ist.

Der Forscherin geht es nach Meldungen aus den italienischen Medien soweit gut. Durch die Verletzung kann sie die Höhle jedoch nicht aus eigener Kraft verlassen. Einige Kollegen kletterten am späten Sonntagnachmittag aus der Höhle und schlugen Alarm. Dazu musste ein Kollege erst in ein nahegelegenes Dorf gehen, da der Handy-Empfang offenbar nicht ausreichte, um die Rettungskräfte zu informieren. Andere Kollegen blieben den Berichten nach bei der verletzten 31-Jährigen in der Höhle.

Italien bangt um Höhlenforscherin: 60 Einsatzkräfte mit Rettung beschäftigt

Am Sonntagabend traf dann die Bergrettung ein. Weitere Spezialisten aus Venetien, dem Trentino, dem Piemont und der Emilia Romagna kamen später hinzu. Doch bislang konnte die junge Frau nicht zurück an die Oberfläche gebracht werden. Offenbar befindet sie sich in einem schwer zugänglichen Teil der Höhle. Dadurch ist eine Rettung mit einer Trage komplex. Die Retter ließen jedoch schon am Sonntag ein Telefonkabel in die Höhle, um mit der Frau sprechen zu können. So musste Ottavia die Nacht mit Unterstützung von Ärzten vor Ort in der Höhle verbringen.

„Die Umgebungsbedingungen machen die Manöver sehr komplex, auch aufgrund des Regens der letzten Nacht, der teilweise auch das Landesinnere beeinträchtigte“, zitiert der Corriere della Sera aus einer Meldung der Alpenrettung. Wegen des starken Regens sei der Bereich oberhalb des 50-Meter-Schachts „unpassierbar“ heißt es weiter. Nun habe es erneut angefangen zu regnen. Man plane die Trage entlang der Flusswindung, die sich am Ausgang gebildet hat, zu transportieren. Der Zustand der Frau sei „stabil“. Ein Arzt und eine Pflegekraft stünden in ständigem Kontakt mit ihr.

Gegenüber Rai News erklärte ein Höhlenretter, der sich 16 Stunden in der Höhle befunden hatte, am Dienstagvormittag: „Es ist eine äußerst schwierige Höhle, weil es eng und steil ist und zudem macht uns das Wasser Probleme“.

Mittlerweile sind dem Bericht nach knapp 60 Einsatzkräfte für die Rettung der 31-Jährigen im Einsatz. Doch wegen der unwirtlichen Bedingungen musste Ottavia Piana mittlerweile eine weitere Nacht in der Höhle verbringen.

Wohl ebenfalls im Zuge der Niederschläge kam es nahe der Brennerautobahn am Montag zudem zu einem spektakulären Felssturz. (rjs)

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