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Ein 400 Jahre altes Schiffswrack aus der Zeit der Hanse wurde auf dem Grund der Trave gefunden. Nun hat eine Spezialfirma mit der Bergung begonnen.
Lübeck – Am Grund der Trave wurde bei Routinemessungen bereits vergangenes Jahr zwischen Lübeck und Travemünde ein 400 Jahre altes Frachtschiff entdeckt. Nun hat die Bergung des Schiffes aus der Hansezeit begonnen, wie ein Sprecher der Stadt Lübeck am Dienstag in einer Pressemitteilung erklärt hatte. Bereits seit Ende Mai würden die Vorbereitungen für die Bergung laufen. Am Montag habe die beteiligte Spezialfirma ein erstes Wrackteil aus dem rund elf Meter tiefem Wasser gehoben.
| Fund | Schiffswrack aus der Hansezeit |
| Fundort | Trave zwischen Lübeck und Travemünde |
| Alter | über 400 Jahre |
„Überaus bedeutender Fund“: Stadt Lübeck lässt 400 Jahre altes Hanseschiff bergen
Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau erklärt: „Es ist ein überaus bedeutender Fund für die Hansestadt Lübeck und gleichzeitig eine Identifikation mit der eigenen Geschichte“. Zuvor hatte die Bürgerschaft aufgrund der „großen Relevanz der Bergung“ mit einer großen Mehrheit dafür abgestimmt. „Stück für Stück kommen jetzt weitere wichtige Puzzleteile aus der Hansezeit ans Licht, die innovativ aufbereitet auch für zukünftige Generationen einen neuen Zugang zur Historie ermöglichen werden“, ergänzt der Bürgermeister.
Es sei demzufolge noch nie vorgekommen, dass ein beladenes Schiff aus der späten Hansezeit in solch einem guten Zustand in der Ostsee entdeckt wurde „und stellt alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen im Umgang mit diesem repräsentativen Kulturdenkmal.“, so Lindenau. Erst zuletzt entdeckten Forscher auch eine Tierart in der Ostsee, die dort eigentlich gar nicht auftaucht.
Schiffswrack-Bergung am Trave-Grund dauern bis September
Die Bergung und Dokumentation des Wracks soll bis September 2023 andauern, mit der Spezialfirma durch Begleitung von Archäologinnen und Archäologen der Hansestadt Lübeck. Die ersten Tauchgänge in den vergangenen Tagen dienten laut dem Sprecher der Stadt Lübeck vor allem der Markierung und Zustandsdokumentation unter Wasser. Die Ausgrabung würden zunächst unter Zuhilfenahme von Unterwassersaugern erfolgen, die das Wrack umgebende Sediment schonend entfernen würden.
Schiffsbergung von Hanseschiff bei Lübeck erfolgt „Schicht für Schicht“
Die Bergung erfolge „Schicht für Schicht, quasi von oben nach unten“. Zuerst würden alle Fässer entfernt werden, dann aufliegende Hölzer, damit das komplette Wrack freigelegt werden könne. Im weiteren Verlauf sollen die innen liegenden Hölzer, die Wrangen, Planken, Spanten und zum Schluss das Kielschwein und die Außenplanken abgetragen werden. Abschließend werde der Untergrund unter dem Wrack untersucht und die Ergebnisse dokumentiert.
Dr. Dirk Rieger, Leiter des Bereichs Archäologie und Denkmalpflege in Lübeck, erklärt: „Diesen einmaligen Fund zu bergen, wissenschaftlich zu dokumentieren und zu untersuchen sowie dann die Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist ein ganz besonderes Projekt“. Das würde bislang unbekannte Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse vom Ende der Hansezeit zutage fördern, „das auch stellvertretend für die weltoffenen und internationalen Verbindungen wie die Besinnung auf Ihre historischen Wurzeln steht, für die Lübeck ja heute bekannt ist und besucht wird“, so Rieger.
Rubriklistenbild: © Markus Scholz / dpa

