Venedig ächzt unter Massentourismus: „Irreversible“ Schäden befürchtet – Konsequenzen drohen
VonMichelle Brey
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Venedig ist bei Touristen beliebt. Die Unesco sieht die historische Lagunenstadt jedoch in Gefahr und droht mit Konsequenzen.
München – Jährlich zieht es enorme Touristenmassen nach Venedig. Zu Spitzenzeiten übernachten 100.000 Touristen pro Nacht, hinzukommen Zehntausende Tagesbesucher. Kurz: Die historische Lagunenstadt ist eines der Ziele in Italien schlechthin. Wenn es nach der UN-Kulturorganisation UNESCO geht, steht es um Venedig jedoch mehr als schlecht.
Nicht nur der Massentourismus, sondern auch ein Bauboom und der Klimawandel haben der Stadt zugesetzt. Die UNESCO hat deshalb empfohlen, Venedig als bedrohtes Weltkulturerbe einzustufen.
Stadt:
Venedig
Land:
Italien
Region:
Venetien
Weltkulturerbe seit:
1987
Einwohner:
270.000
Inseln:
118
Venedig: „Irreversible“ Schäden drohen - Probleme seit Jahren bekannt
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Der italienischen Lagunenstadt drohten „irreversible“ Schäden, sollten die Behörden in Italien nicht mehr zu ihrem Schutz tun, begründete die UN-Kulturorganisation Ende Juli ihre Empfehlung. Im Februar litt die Lagunenstadt unter „Aqua Bassa“. Im September stimmt der Welterbe-Rat der UNESCO-Mitgliedstaaten über die Einstufung ab.
Eine Kombination der Folgen von menschengemachten und natürlichen Faktoren verschlechtere in Venedig die Bausubstanz und lasse das Stadtgebiet „verfallen“, teilte die UNESCO weiter mit. Zu den Verschlechterungen zählt die Organisation neben den Auswirkungen von Tourismus und den Konsequenzen des Klimawandels auch Hochhaus-Bauprojekte, die einen „erheblichen negativen optischen Eindruck“ hinterließen. Viele dieser Probleme seien seit Jahren bekannt.
Strenge Regeln für Touristen in Venedig - dennoch „keine nennenswerten Fortschritte“
Zwar gibt es in Venedig einige Regeln, die Touristen beachten sollten, um keine saftige Geldstrafe zu erhalten. Auch eine Einführung von Eintrittsgebühren für Touristen ist immer wieder im Gespräch. Laut UNESCO besuchen elf bis 14 Millionen Menschen Venedig pro Jahr.
Insgesamt, tadelte die UNESCO, mache Italien „keine nennenswerten Fortschritte“ bei der Bewältigung der komplexen Probleme. Die von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen seien unzureichend. Hinzu komme das „Fehlen einer allgemeinen strategischen Vision“.
Venedig darf nicht in ein Freilichtmuseum verwandelt werden.
Die italienischen Behörden und zivilgesellschaftliche Gruppen im In- und Ausland müssten mehr Engagement zeigen, um den „außergewöhnlichen universellen Wert“ der historischen Stadt und ihrer Lagunen zu schützen und zu erhalten. Die Lagunenstadt betreibe keinen nachhaltigen Tourismus und das zum Nachteil der Bevölkerung, sagte ein UNESCO-Diplomat gegenüber der AFP.
Gleichzeitig ist es nicht das erste Mal, dass die UNESCO eine Einstufung Venedigs als gefährdetes Welterbe in Erwägung zieht. 2021 schrieben Experten, die Probleme in der Stadt rechtfertigten es, sie auf die sogenannte Rote Liste zu setzen. Das Komitee entschied schließlich anders - auch dank einer Änderung seiner Regeln für Kreuzfahrtschiffe. (mbr mit AFP)