Grippe meldet sich zurück

Isolationspflicht abschaffen? Streeck wünscht sich Abkehr von Corona-Fokussierung und erwähnt Österreich

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Die bundesweite Isolationspflicht nach einem positiven Corona-Test steht vor ihrem Ende. Das ist im Sinne von Hendrik Streeck. Der Virologe empfiehlt Quarantäne nur für bestimmte Infizierte.

München - Corona überschattete und dominierte das gesamte Leben in den ersten beiden Wintern dieser Pandemie. Doch diesmal ist alles anders. Gleich vier Bundesländer wollen sich kurz vor dem Beginn der kältesten Jahreszeit von einer weiteren Regel befreien. Es geht um die Isolationspflicht nach einem positiven Test, die zwar die Mitmenschen vor Ansteckung schützt, doch zugleich die kritische Infrastruktur durch eine hohe Zahl an Ausfällen in die Bredouille bringt.

Die Pläne von Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein finden auch bei Hendrik Streeck Anklang. Der Direktor des Instituts für Virologie am Uniklinikum Bonn nannte Isolationen im ntv-Interview „eines der schärfsten Schwerter im öffentlichen Gesundheitsdienst“. Dies gelte besonders in der Zeit kurz nach einem Ausbruch.

Isolationspflicht vor dem Ende? Streeck hält sie für „nicht mehr wirkungsvoll“

„Aber wir sind im Moment in einer Phase, wo nur noch ein Bruchteil der Infizierten überhaupt mit PCR positiv getestet wird und in Quarantäne geht“, betonte Streeck. Der Großteil hingegen bemerke seine Infektion gar nicht „und muss sich dadurch auch nicht isolieren“. Seine Schlussfolgerung: „Dadurch ist die Isolationspflicht nicht mehr wirkungsvoll.“

Zudem verwies der 45-Jährige darauf, dass Deutschland „unheimlich viele Grippefälle“ verzeichne. Der rasante Anstieg sei „unheimlich früh“. Hier sei die USA ein mahnendes Beispiel, dort schwappe eine Grippewelle über das Land.

Hält die allgemeine Isolationspflicht bei Corona-Fällen in dieser Pandemie-Phase für überholt: Hendrik Streeck wirft auch einen Blick auf die Grippezahlen.

Corona-Test und Isolationspflicht: Streeck will keine Unterscheidung

Deshalb empfahl Streeck, der dem Corona-Expertenrat der Bundesregierung angehört: „Wir sollten hier keine Unterscheidung mehr machen.“ Heißt: Isolation nicht für jeden Corona-Fall, sondern unabhängig von der Infektion für alle Erkrankten, die ihre Mitmenschen anstecken könnten: „Mir ist es lieber, dass die Menschen zu Hause bleiben, wenn sie sich krank fühlen, also ein Isolationsgebot besteht – ganz egal, welche Infektion besteht. Ob jemand eine Grippe hat oder Corona oder eine Rhinovirus-Infektion.“

Zur Vorbeugung von Infektionsketten schlug Streeck vor, trotz eines positiven Corona-Tests mit einer FFP2-Maske arbeiten zu gehen, „wenn man sich überhaupt fit fühlt dafür“. Als Beispiel nannte der Virologe die Regelung in Österreich, wo die Isolationspflicht für jeden Corona-Infizierten schon seit Monaten der Vergangenheit angehört. Wer in der Alpenrepublik ein positives Testergebnis hat, muss in bestimmten Räumlichkeiten und öffentlichen Verkehrsmitteln jedoch zwingend Mund und Nase bedecken.

Corona-Politik im Winter: Streeck fordert Fokussierung auf gefährdete Personengruppen

Die Zukunft der Corona-Politik stellt sich Streeck so vor: „Wir müssen vor allem die Impflücken, für die, für die es wirklich gefährlich ist – in den Risikobereichen – schließen.“ Hier zählte er „Personen über 79, in Alten- und Pflegeheimen“ auf. Eine klare Fokussierung also auf die vulnerablen Gruppen, vor der sich die Regierung bislang jedoch noch sträubt.

Alles in allem bestehe in der Bundesrepublik eine „sehr hohe Rate an Immunität in der Bevölkerung“. Doch Streeck machte auch klar, dass es ein Leben ohne Corona so schnell nicht wieder geben wird: „Wir werden dieses Virus nicht dauerhaft kontrollieren können.“

Aufgrund des „Flickenteppichs“ könnte es nach der Lockerung der Isolationspflicht übrigens zu teils drastischen Strafen kommen, wenn sich Reisende zwischen den Bundesländern bewegen. (mg)

Rubriklistenbild: © Screenshot ntv

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