Sparen Sie Heizkosten oder kriegen wir Schnee wie im Bilderbuch? Hier kommt die überraschende Analyse für den kommenden Winter. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Alle Jahre wieder beginnt im Herbst das große Rätselraten: Kommt ein Jahrhundertwinter oder bleibt alles grün? Statistisch gesehen sind extrem kalte und schneereiche Winter in Mitteleuropa heute seltener geworden. Die Wahrscheinlichkeit für ein Kälteszenario wie in den 1960er- oder 1980er-Jahren liegt nur noch bei wenigen Prozentpunkten. Damals sorgten blockierende Hochs über Skandinavien für tagelangen Frost und Schneemassen.
Solche Lagen sind zwar immer noch möglich, aber deutlich unwahrscheinlicher. Auf der anderen Seite sind sehr milde, teils rekordwarme Winter inzwischen zur neuen Normalität geworden. Durch die allgemeine Erwärmung der Atmosphäre hat sich die Basislinie verschoben – und damit auch die Wahrscheinlichkeit. Während früher jeder zweite Winter klar unterkühlte, liegt sie heute deutlich unter einem Viertel.
Die Modelle für 2025/26 – alles offen, aber mit Tendenz
Die langfristigen Wetter- und Klimamodelle zeichnen für Europa ein gemischtes, aber interessantes Bild. Der tropische Pazifik deutet auf eine leichte Abkühlung hin, was eine schwache La-Niña-Phase bedeuten könnte. Das kann Kälteimpulse aus dem Norden begünstigen, wenn der Polarwirbel schwächelt. Erste Stratosphären-Simulationen zeigen tatsächlich eine mögliche Destabilisierung im Januar – ein klassischer Auslöser für Kaltlufteinbrüche. Auch für Weihnachten gibt es eine erste Prognose.
Doch gleichzeitig rechnen die europäischen und amerikanischen Modelle mit insgesamt leicht überdurchschnittlichen Temperaturen über Mitteleuropa. Der Grund: ein weiterhin dominanter Westwind-Jetstream, der milde Atlantikluft hereinholt. Es ist also möglich, dass der Winter zwischen kurzen Kältephasen und längeren milden Abschnitten hin- und herschwankt.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Künstliche Intelligenz-Modelle, die historische Wetterdaten und atmosphärische Zyklen auswerten, erkennen Muster, die Menschen oft übersehen. Für den Winter 2025/26 zeigen sie ein klares Signal: ein überdurchschnittlich aktives Tiefdruckband über dem Nordatlantik und ein eher schwacher Hochdruckeinfluss über Osteuropa. Das spricht für wechselhaftes, windiges und häufig nasses Wetter – und gegen eine dauerhafte Schneedecke im Flachland.
Dennoch könnte der Dezember mit frühem Schnee überraschen, bevor milde Phasen überwiegen. KI-Systeme gewichten zudem den Trend der letzten 30 Jahre: Jeder nachfolgende Winter war im Durchschnitt etwa ein halbes Grad wärmer als der vorherige. Das reduziert die Chancen auf eine längere Frostperiode erheblich.
Hype um den Jahrhundertwinter
Die Vorstellung eines Eisschock-Winters elektrisiert jedes Jahr die Schlagzeilen. Doch realistisch betrachtet stehen die Chancen auf einen echten Jahrhundertwinter in Deutschland und Mitteleuropa derzeit unter zehn Prozent. Wahrscheinlicher ist ein wechselhafter, teils nasser, insgesamt aber zu warmer Winter mit einzelnen kurzen Schneefenstern. Das bedeutet nicht, dass es keine frostigen Tage gibt – aber sie werden wohl selten und kurzlebig bleiben.
Der Winter 2025/26 könnte also mehr mit dem Regenschirm als mit der Schneeschaufel zu tun haben. Und trotzdem: Ganz ausschließen lässt sich das große Winter-Comeback nie. Denn wenn der Polarwirbel kippt, kann aus dem milden November-Gefühl binnen Tagen ein Kältehammer werden. Der Stoff, aus dem Jahrhundertwinter-Legenden entstehen. Doch zunächst fegt das Sturmtief Joshua über Deutschland.