Istanbul gilt mit über 15,84 Millionen Einwohnern als die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei. Die Metropole blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück und war über Jahrhunderte hinweg politisches und kulturelles Zentrum großer Reiche.
- Istanbul wurde einst als griechische Kolonie am Bosporus errichtet.
- Das Bevölkerungswachstum ist in den letzten Jahrzehnten rapide angestiegen.
- Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen die Hagia Sophia, die Cisterna Basilika oder auch der Große Basar.
Istanbul – Aufgrund der einzigartigen Transitlage zwischen zwei Kontinenten hat Istanbul im Lauf der Geschichte immer wieder eine bedeutende Stellung eingenommen. Obwohl sich der Regierungssitz in der türkischen Hauptstadt Ankara befindet, spielt sich in der Millionenmetropole am Bosporus ein Großteil des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens der Türkei ab. Mit seiner Einwohnerzahl von über 15 Millionen Menschen schaffte es Istanbul sogar auf Platz 15 der größten Metropolregionen der Welt.
Istanbul: Byzanz und Konstantinopel
Bereits um 660 vor Christus errichteten Griechen aus Megara, Argos und Korinth am europäischen Ufer des Bosporus die Kolonie Byzantion. Aufgrund der günstigen Lage entwickelte sich daraus ein wichtiges Handelszentrum. Bald schon wurde Byzanz von den Persern, später von den Makedoniern erobert und wurde schließlich 196 vor Christus von dem sich ausbreitenden Römerreich zum römischen Bundesgenossen erklärt. Um 324 nach Christus übernahm Kaiser Konstantin I. die Alleinherrschaft über das Römische Reich. Er taufte die Stadt zunächst auf den Namen Nova Roma (Neu-Rom), jedoch fand der Name Konstantinopel bald schon größere Verbreitung.
Unter Kaiser Justinian I. wurde die Stadt im 6. Jahrhundert prachtvoll ausgebaut. Sie entwickelte sich schnell zur mit Abstand reichsten und größten Stadt Europas und des Mittelmeerraums. 1204 wurde Konstantinopel von Kreuzrittern geplündert und in das Lateinische Kaiserreich eingegliedert. Trotz einer Rückeroberung durch Kaiser Michael VIII. näherten sich bald auch schon die Osmanen, die schon Teile des Hinterlandes eingenommen hatten.
Istanbul: Hauptstadt des Osmanischen Reiches
Mitte des 15. Jahrhunderts begann schließlich Belagerung der Stadt durch osmanische Streitkräfte. Konstantinopel wurde in Konstantiniyye umbenannt – aber gelegentlich auch schon Istanbul genannt. Zwar wurde im 16. Jahrhundert das Stadtbild mit Moscheen, Brücken und Palästen prunkvoll ausgestattet, allerdings nahm die kosmopolitische Bedeutung der Stadt im Laufe der Folgejahrhunderte allmählich ab.
Im 20. Jahrhundert zeigte sich die Schwäche des Osmanischen Reiches bereits nach dem Balkankrieg 1912/13. Die Metropole wurde im Ersten Weltkrieg von den europäischen Mächten schließlich besetzt. 1919 setzte unter Mustafa Kemal der türkische Befreiungskrieg ein. 1923 zogen die alliierten Truppen schließlich ab. Im Zuge der Gründung der Türkischen Republik verlor Konstantinopel allerdings seinen Regierungssitz an Ankara, welche die neue Hauptstadt des Landes wurde. Der Grund für die Verlagerung bestand darin, sich von der Tradition der Osmanen abzugrenzen.
Istanbul im 20. und 21. Jahrhundert
Schon während des Ersten Weltkriegs erlebte die Stadt einen enormen Wandel in der Bevölkerung. Der Hintergrund war die sukzessive Vertreibung der nicht-muslimischen Minderheit: der Armenier. In Istanbul kam es zu Deportationen der armenischen Eliten. Auch wenn keine genauen Bevölkerungszahlen zu ermitteln sind, war das Bevölkerungswachstum der Stadt stark eingebrochen. Beim Progrom von Istanbul wurde 1955 nahezu die gesamte orthodoxe Bevölkerung aus der Stadt vertrieben.
Dennoch wuchs die Stadt ab den 1950er Jahren wieder stark an – unter anderem aufgrund der einsetzenden Landflucht. Viele Menschen kamen aus Anatolien an den Bosporus. Seit den 1990er Jahren erhält die Stadt vor allem auch Zulauf aus osteuropäischen Ländern. Aufgrund des rapiden Bevölkerungswachstums wurde Istanbul 1984 zur Metropolgemeinde erhoben. 1994 wurde Recep Tayyip Erdogan (der spätere Präsident der Türkei) zum Bürgermeister der Stadt gewählt. In den 2000er Jahren wurde die Stadt von schweren Terror-Anschlägen erschüttert. 2013 kam es zu Demonstrationen auf den Taksim-Platz, die sich bald schon zu Protesten gegen den Führungsstil Erdogans ausweiteten.
Istanbul wurde im Laufe seiner Stadtgeschichte immer wieder von einer Vielzahl an verheerenden Bränden heimgesucht. Da viele Bauten vorwiegend aus Holz bestanden konnte sich das Feuer häufig gut ausbreiten. Zudem bestanden viele Stadtviertel aus engen Gassen, wodurch die Brandbekämpfung erschwert wurde.
Istanbul: Bevölkerung und Wohnsituation
Istanbul hat sich demographisch im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Hatte die Stadt 1897 zum ersten Mal die Millionengrenze überschritten, besaß sie dreißig Jahre später gerade mal mehr gut 680.000 Einwohner. Erst mit den neuen Zuwanderungen in den 1980er Jahren, aber auch durch die Erweiterung der Stadtgrenze stieg die Bevölkerungszahl wieder rapide an.
Die Bevölkerungsentwicklung von Istanbul seit 1980 in der Übersicht
- 12. Oktober 1980: 2.772.708 Einwohner
- 20. Oktober 1985: 5.475.982 Einwohner
- 21. Oktober 1990: 6.620.241 Einwohner
- 20. Oktober 2000: 8.803.468 Einwohner
- 1. Januar 2005: 9.797.536 Einwohner
- 31. Dezember 2010: 13.255.685 Einwohner
- 31. Dezember 2015: 14.657.434 Einwohner
- 2021: 15.840.900 Einwohner
Etwa zwei Drittel der Bevölkerung leben auf der europäischen Seite der Stadt, ein Drittel auf der asiatischen. Die größten ethnischen Minderheiten der Stadt sind die Kurden und Zaza. Die größte traditionell christlich dort lebende Bevölkerungsgruppe machen die Armenier aus. Die Zahl der Russen wird auf etwa 100.000 Menschen geschätzt. Die Anzahl an Chinesen soll weit höher liegen.
Aufgrund der enormen und extrem schnellen Zuwanderung sind teilweise große Baulücken entstanden. An den Randgebieten von Istanbul sind inzwischen auch viele illegale Siedlungen entstanden, in denen knapp ein Viertel aller Einwohner Istanbuls wohnen. Etwa die Hälfte der Menschen in diesen Siedlungen ist arbeitslos. Die Kriminalität ist hier besonders hoch.
Istanbul: Geographie, Lage und Verkehr
Istanbul liegt im Westen des Landes am sogenannten Goldenen Horn. Dabei handelt es sich um einen sieben Kilometer langen Meeresarm am Marmarameer. Die nach Westen verlaufende Bosporus-Bucht trennt den europäischen Teil in einen südlichen und nördlichen Bereich. Der südliche Bereich bildet eine Halbinsel, in der sich der historische Kern der Stadt befindet. Das Stadtgebiet selbst erstreckt sich in der Nord-Süd-Achse auf über 50 Kilometer, die Ost-West-Ausrichtung beträgt 100 Kilometer.
Istanbul bildet einen wichtigen Verkehrsumschlagplatz im Westen der Türkei. Der Transitverkehr ist gekennzeichnet durch den Bosporus als wichtige Schifffahrtsstraße, der das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer verbindet. Zudem sind Europa und Asien durch drei Autobahnbrücken und einem Eurasien-Tunnel miteinander verbunden. Der Eisenbahnverkehr wird über Fähren geregelt. Der Marmaray-Tunnel ermöglicht seit 2015 sogar einen durchgehenden Zugverkehr.
Istanbul: Wirtschaft und Tourismus
Istanbul stellt für die gesamte Türkei den wichtigsten Wirtschaftsfaktor dar. Die Metropolregion stemmt etwa ein Drittel der türkischen Wirtschaftsleistung. Fast die Hälfte aller Exporte stammt aus Istanbul. Vor allem auch der Finanzdienstleistungssektor ist auf dem Vormarsch. Neben dem Großhandel dominieren die Börse sowie das Verkehrs-, Bank-, Presse- und Verlagswesen. In den handwerklichen Betrieben sind Textilien wie Leder- und Kunstlederwaren, aber auch Keramik von Bedeutung. Die Industrie lebt aber auch vom Bau von Bussen, Traktoren und Dieselmotoren.
Von enormer Bedeutung ist der Tourismus. Jährlich kommen inzwischen über 14 Millionen Besucher aus dem Ausland in die Stadt am Bosporus. Istanbul hat sich so zur Stadt mit der achtgrößten Besucherzahl der Welt entwickelt. Allein 2019 kamen knapp 1,2 Millionen Touristen aus Deutschland hierher. Von ihnen profitieren nicht nur Hotels, Gastronomie sowie die zahlreichen Sehenswürdigkeiten und kulturellen Einrichtungen, auch der Große Basar lebt von den Besuchern aus dem Ausland. Er besteht aus einem Netz von Straßen, Gassen und Hallen und ist vollständig überdacht. Hier werden vor allem Antiquitäten, Teppiche, Schmuck oder Keramik verkauft.
Istanbul: Kultur und Sehenswürdigkeiten
Istanbul atmet eine jahrtausendealte Geschichte. Im Stadtbild befinden sich noch Bauten der griechisch-römischen Antike sowie des mittelalterlichen Byzanz aber auch der neuzeitlichen und modernen Türkei. Teile der historischen Altstadt wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Metropole war zudem 2010 Kulturhauptstadt Europas. Das kulturelle Leben spielt sich unter anderem auch in den zahlreichen Theater-, Opern- und Konzerthäusern ab, wie beispielsweise im Show Center Türker Inganoglu Maslak oder dem Süreyya-Opernhaus. Aber auch die Museen, wie der Topkapı-Palast sind hoch frequentiert.
Übersicht der berühmtesten Bauwerke von Istanbul
- Hagia Sophia
- Cisterna Basilica
- Leanderturm im Bosporus
- Die Festung Rumeli Hisarı
- Süleymaniye-Moschee
- Nuruosmaniye-Moschee
- Beylerbeyi-Palast
- Sultan-Ahmed-Moschee
- Galataturm