„Zivilisatorischer Rückschritt“

Kroatien-Beschluss an Strand von Urlauber-Hotspot eine „Entscheidung ohne Menschenverstand“

  • schließen

Urlaub machen hat ganz viel mit Freiheit zu tun. Trinken, essen, liegen so viel und so lange man will. Doch so ganz geht das auch nicht.

Pula - Im Urlaub machen, was man will, nehmen viele Deutsche viel zu ernst. Auch die Touristen-Orte haben ihre Regeln und Gesetze, an die sich gehalten werden muss. Nicht jeder kann es, wie es ihm beliebt, seinen Emotionen freien Lauf lassen. Grundsätzlicher Respekt zu Einheimischen fällt Urlaubern oft auf die Füße. So hat zum Beispiel ein Badeort an der Adria in Italien ein Oben-Ohne-Verbot für beide Geschlechter ausgesprochen - nicht nur am Strand.

FKK und Alkohol am Strand von Pula künftig untersagt - doch Gegner üben scharfe Kritik

Über zwei bestimmte Maßnahmen im kroatischen Pula wurde nun auf politischer Ebene auch heiß diskutiert. Doch im Stadtrat ging der Beschluss zur Bestrafung von FKK-Schwimmern als auch Konsumenten von starkem Alkohol an Stränden mit 11:7 - und zwei Enthaltungen durch. Nicht erst seit kurzer Zeit erfreut sich Kroatien als Ausflugsziel großer Beliebtheit. Auch wenn die Preise in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt sind - wie eine Cevapcici-Rechnung oder der 0,33-Bierpreis zeigt - fahren immer mehr Touristen an die kroatische Adria.

In Pula können jetzt Strafen von der Höhe 600 bis 1300 Euro drohen, wie die Partei Mozemo! Pula“ auf ihrer eigenen Instagram-Seite schreibt. Denn vor allem das Nudismus-Verbot und die Alkohol-Einschränkung ist der links-grünen Partei nicht nachvollziehbar. Das kroatische Portal morski.hr zitiert die Debatte, die nach dem Beschluss hohe Wellen schlug.

„Es wurde überhaupt nicht erklärt“: Gegner von Beschluss an kroatischen Touristen-Hotspot erzürnt

Dušica Radojčić von „Mozemo! Pula“ meinte: „Es wurde überhaupt nicht erklärt, warum einige Bestimmungen getroffen wurden. Ich stelle die Frage, welches praktische Problem zum Verbot von Nudismus geführt hat, weil das Gesetz dies nicht verbietet.“ Als möglichen Grund sieht die Partei an, dass „Nudismus als moralisch inakzeptabel“ eingestuft werden soll. Auch das Trinken von härterem Alkohol soll in Pula verboten werden. „Bier und Wein sind am Strand erlaubt, aber nicht Gin Tonic. Gin Tonic kann man also an einer Strandbar trinken, aber nicht außerhalb davon?“

Der Sozialdemokrat der SDP Igor Belas, widersprach aber Radojčić. Er meinte, die Entscheidung solle nur die allgemeine Nutzung definieren und vielmehr die Einführung von Ordnung sein, als irgendein Verbot. „Niemand ist gegen Oben ohne, aber gegen Nudismus. An vielen Stränden ist das verpönt, da diese zwischen zwei öffentlichen liegen“, so Belas weiter, außerdem formuliert auch er einen Grund gegen Gin Tonic: „Sie wissen, wozu Gin Tonic oder Wodka führt, wenn die Party beginnt, und sie wissen, wo sie endet.“ Auch Vito Paoletić von der unabhängigen Liste stimmte Belas zu.

„Unmöglich umzusetzen“: Neue Strand-Regeln in Pula können kaum kontrolliert werden

Davor Vukovic, Parteikollege von Radojčić, fügte an, dass diese Verbote nicht funktionieren werden: „Bei so vielen Stränden in Pula ist das unmöglich zu kontrollieren. Die Entscheidung ist kein zivilisatorischer Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Eine Entscheidung, ohne gesunden Menschenverstand und in der Praxis nicht umsetzbar.“ Auch IDS-Politiker (Istrisches Demokratische Versammlung) betonen die „Tradition“ vom FKK-Baden und können die Maßnahme nicht nachvollziehen. Eine Reportage zeigte im Sommer, wie heftig die Preise in Kroatien angestiegen sind - jetzt können Sie auch in Pula nichtsahnende Touristen treffen. (ank)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Pixsell

Kommentare