Er spuckt Lava und Asche

Video zeigt die Explosionen - Vulkan in Italien bricht plötzlich heftig aus

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Alle Welt schaut gebannt auf den Super-Vulkan der phlegräischen Felder bei Neapel, der auszubrechen droht. Derweil sorgt auf einer italienischen Insel eine Vulkan-Eruption für Gefahrenpotential.

Stromboli – Seit Monaten herrscht im Großraum Neapel Alarmstimmung, da der Super-Vulkan der phlegräischen Felder im Süden Italiens auszubrechen droht. Erdbeben erschütterten auch den Vesuv. Nun spuckt der Vulkan auf der kleinen Insel Stromboli nördlich von Sizilien heftig Lava.

Explosionen am Stromboli: Einer der aktivsten Vulkane der Welt spuckt Lava und Asche in den Himmel

Der 926 Meter hohe Stromboli ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Er bricht eigentlich ständig aus, in unregelmäßigen Abständen (wenige Minuten bis stündlich) kommt es aus mehreren Krateröffnungen zu größeren und kleineren Eruptionen.

Das ausgeworfene Material fällt meist in den Krater zurück oder es rollt teilweise über eine natürliche Rampe, die Sciara del Fuoco, jenseits menschlicher Siedlungen ins Meer. Man spricht hier von strombolianischer Aktivität. Der Vulkan ist ein beliebtes Ausflugsziel – für geführte Wanderungen zum Krater oder Bootstouren um die Insel.

Vulkanausbruch in Italien: Außergewöhnlich hohe Aktivität ließ Behörden Katastrophenwarnung ausrufen

Doch der Stromboli ist seit einigen Wochen aktiver als sonst geworden, das Niveau der Lava im Krater ist so weit gestiegen, dass er überlief und einen glühenden Magmastrom Richtung Meer schickte. Laut dem Nationalen Geophysikalischen und vulkanologischen Institut (INGV) wird aus drei Vulkanschloten Lava geschleudert. Es gibt zwischen sieben und 13 Eruptionen pro Stunde. Vulkanische Asche und Lavabomben werden bis zu 150 Meter weit geschleudert. Seit 3. Oktober ergoss sich ein Lavastrom aus dem Krater. Ein Video zeigt, wie der Lavafluss sich unter krachendem Getöse Richtung Meer bewegte.

Am Montag (8. Oktober) nahm die Intensität der Explosionen laut INGV zunächst zu. Im Laufe der Nacht auf Montag wurde der Lavastrom aber wieder langsamer. Doch im Bereich des Nordkraters ist neben dem Schlackenwurf auch weiterhin strombolianische Aktivität zu beobachten, ebenso im Zentral- und Südkrater. Das INGV gibt keine Entwarnung: „Aus seismischer Sicht ist die durchschnittliche Amplitude des vulkanischen Tremors derzeit hoch.“

Italien: Experten mahnen am Stromboli-Vulkan zur Vorsicht

Das Portal Vulkane.net warnt, man müsse am Stromboli eine gewisse Vorsicht walten lassen: „Die Erfahrung zeigt, dass es in Phasen mit Lavaspattering und Lavaüberläufen plötzlich und unvermittelt zu Kollapsereignissen am Krater kommen kann, bei denen pyroklastische Ströme entstehen können.“ Das sind bis zu 700 Grad heiße Aschewolken. „Selbst wenn dies für gewöhnlich entlang der Sciara del Fuoco gleiten, stellen sie eine Gefahr für Bootsfahrer vor der Ostküste der Insel da.“ Auch Vulkanwanderer, die an einem der Aussichtspunkte unterwegs sind, könnten plötzlich in einer dichten Aschewolke stehen. „Von daher empfehle ich jedem, wenigstens eine vernünftige Staubmaske griffbereit zu haben“.

Die Lava fließt aus dem Krater des Stromboli im Oktober 2023.

Stromboli: Katastrophenschutzbehörde warnte vor Vulkan

Ob es so heftig wird, wie vor genau einem Jahr, bleibt abzuwarten: Das Katastrophenschutzministerium der Region Sizilien gab am 9. Oktober 2022 eine Warnung heraus angesichts der hohen vulkanischen Aktivität des Stromboli: „Wir weisen alle darauf hin, die davon betroffen sind, dass es im Falle eines Ausbruchs zu ballistischem Fallout (Asche, Steine, Felsbrocken) und/oder Tsunamiwellen kommen kann auf der Insel Stromboli. Verlassen Sie das Haus nicht und entfernen Sie sich nicht von Türen und Fenstern, da die durch eine mögliche Explosion verursachte Luftbewegung das Glas zerbrechen könnte. Suchen Sie Schutz unter einem Tisch oder einer dickeren Wand und vermeiden Sie Schutz unter Verandas und Dächern.“

Explosionen des Vulkans Stromboli: Immer wieder kommt es zu heftigen Ausbrüchen auch mit Todesopfern

Normalerweise ist der Stromboli berechenbar. Doch hin und wieder fordert er Todesopfer. 1930 starben durch einen pyroklastischen Strom aus Aschen, Schlacken, Steinen und heißen Gasen drei Inselbewohner in einer Schlucht. Die Glutlawine raste mit einer Fronthöhe von 10 Meter und einer Geschwindigkeit von 70 km/h durch die enge Schlucht bis ins Meer.

Der Stromboli ist seit 3. Oktober 2023 so aktiv wie lange nicht mehr.

Einige am Strand liegende Boote wurden in Brand gesetzt und das Meer begann in einem Umkreis von etwa 20 Meter zu kochen. Bis zu 100 Meter seitlich der Schlucht verbrannten die Weinreben. Während des Ausbruchs senkte sich das Meer zunächst um mehr als einen Meter, flutete dann heftig zurück und hob sich um 2,20 Meter über seinen Normalstand.

Am 29. Dezember 2002 riss durch einen ungewöhnlich starken Lavafluss ein Teil des Vulkankegels ab, rutschte ins Meer und verursachte eine Flutwelle. Einige der direkt am Meer liegenden Häuser der Ortschaft Stromboli wurden durch die Flutwelle beschädigt. Die Behörden ließen Stromboli für mehr als zwei Monate evakuieren.

Am 5. April 2003 ereignete sich dann eine größere Eruption, die im Ort Stromboli deutlich zu hören war. In Ginostra schlugen einige Vulkanbomben ein. Es gab zwar keine Verletzten, jedoch wurden zwei Häuser von metergroßen Brocken getroffen und beschädigt. 

Am 3. Juli 2019 kam es zu einer ungewöhnlich starken Eruption mit Ausbildung einer mehrere Kilometer hohen Asche- und Rauchwolke. Der Ausbruch tötete einen Wanderer, der gerade am Gipfel war, mehrere Personen wurden durch herabstürzende Gesteinsbrocken leicht verletzt. Von einem Segelboot aus wurde der Ausbruch aufgenommen (siehe oben).

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Artikels hatten wir in der Überschrift von einer Tsunami-Warnung des Katastrophenschutzes der Region Sizilien berichtet. Dabei handelte es sich um eine Verwechslung. Die Meldung des Katastrophenschutzes ist auf den 9. Oktober 2022 datiert – also auf den Tag genau vor einem Jahr. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.

Rubriklistenbild: © Stromboli stati d‘animo

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