Brennerbasistunnel

Mega-Röhre nach Bayern: Italien gibt Gas beim Brenner-Südzulauf

+
Die Tunnelbohrmaschine wird zusammengebaut
  • schließen

In Bayern wird gestritten, in Tirol und Norditalien gebaut: Südlich des Brenners laufen die Vorbereitungen für den Ausbau des Südzulaufs zum Brennerbasistunnel auf Hochtouren.

Bozen/München - Der Widerstand gegen die Pläne der Bahn für den Nordlauf zwischen Grafing und Kiefersfelden ist ungebrochen: Ende 2021 und Mitte 2022 stellte die Bahn die Trassen für das Inntal bzw. den nördlichen Abschnitt im Kreis Ebersberg vor. Offiziell wird eine Inbetriebnahme für 2040 anvisiert. Aber auch das ist fraglich.

Der Brennerbasistunnel soll hingegen schon acht Jahre früher fertig werden. Seine volle Wirkung kann er aber erst entfalten, wenn die Zulaufstrecken ausgebaut sind. Kein Wunder, dass in Tirol und Norditalien man über die späte Aufnahme der Planungen in Deutschland ungehalten ist.

Österreich legte schon 1994 und 2032 vor

Die Neubaustrecke im Tiroler Inntal wenige Monate vor der Inbetriebnahme 2012

In Tirol hat man schon 1994 die erste Zulaufstrecke in Innsbruck mit dem 15,4 langen Inntaltunnel eröffnet, die zweite 34,5 Kilometer lange Tunnelstrecke bei Baumkirchen folgte 2012 mit dem Münsterer und dem Terfner Tunnel. Beim dritten, 19,2 Kilometer langen Abschnitt bei Kundl, haben die bauvorbereitenden Maßnahmen für den Rohbaustollen gerade begonnen.

Der fast zehn Kilometer lange Tunnel soll 2032 mit dem Brennerbasistunnel fertig werden. Was in Tirol fehlt, ist der Anschluss nach Bayern, der in einem grenzüberschreitenden Tunnel geplant ist - und der hängt mit den deutschen Planungen fest.

In Italien wurde die Brennerbahn 1994 bis 1999 modernisiert: Vier neue Tunnels mit einer Gesamtlänge von knapp 30 Kilometern wurden gebaut, um die Brennerbahn zwischen der Passhöhe und Trient schneller und sicherer zu machen. Die Inntalbahn in Bayern befindet sich hingegen noch auf der zweigleisigen Trasse von 1858, die Strecke Grafing-Rosenheim auf der von 1894.

Tunnelbohrmaschine von Venedig nach Brixen transportiert

Und jetzt wird in Italien auch südlich des Brennerbasistunnels Gas gegeben, dort folgt der nächste Ausbauabschnitt: Das Baulos Franzenfeste-Waidbruck mit zwei Tunneln (15,4 und 6,3 Kilometer lang) und einer großen Brücke über den Eisack dazwischen.

Ein Tieflader transportiert auf der Brennerautobahn die Tunnelbohrmaschine nach Brixen

Am Donnerstag wurde die Tunnelbohrmaschine (TBM) für diesen Bauabschnitt mit zwei Schwertransporten vom Hafen Porto Merghera bei Venedig auf der Brennerautobahn nach Brixen gebracht. Dort werden die 190 bzw. 220 Tonnen schweren Teile der TBM bei Vahrn zu einem 85 Meter langen und 2000 Tonnen Koloss zusammengebaut. Der eigentliche Bohrbetrieb startet im Herbst. Die neue Tunnelstrecke, die Brixen im Osten unterirdisch umfährt, soll mit dem Brennerbasistunnel 2032 in Betrieb gehen. Geschätzte Kosten: 1,55 Milliarden Euro.

Auch bei Trient wird bald gebaut

Visualisierung der Güterbahnumfahrung Trient: Das Südportal

Auch die Vorbereitungen für die 13 Kilometer lange Güterumfahrung Trient laufen: Im Februar wurden die Bauarbeiten für den elf Kilometer langen Tunnel an ein Konsortium vergeben. Die Vorbereitungen für die Einrichtung der Baustelle laufen auch schon. Geplante Inbetriebnahme: 2027. Vorgesehener Kostenrahmen: 900 Millionen Euro.

Die Planungen für die Güterumfahrung Bozen (Länge: 14,4 Kilometer) sollen noch dieses Jahr abgeschlossen werden, dann beginnt die Ausschreibung. Hier ist die Inbetriebnahme 2031 geplant. Trients Nachbarrot Rovereto soll 2032 eine Tunnelumfahrung für die Bahn bekommen. Die neue Zugeinfahrt nach Verona ist für 2031 geplant.

Diese Neubaustrecke umfasst eine Länge von 9,8 Kilometern, davon sind rund fünf Kilometer im Tunnel geplant. Am Veroneser Flughafen bekommt die neue Brennerbahn Anschluss an den „Quadrante Europa“, ein Güterverkehrszentrum an der Kreuzung der Verkehrsachsen Palermo-Rom-Brenner-München-Hamburg-Skandinavien mit der Achse Großbritannien-Frankreich-Mailand-Venedig-Balkan.

Kommentare