Italiens Supervulkan kommt nicht zur Ruhe. Wieder erschüttert eine Erdbeben-Serie die Region. Eine schwere Erschütterung löste in der Nacht große Besorgnis aus.
Neapel – Wieder sorgt der Supervulkan in Italien für bange Momente. Nach einigen Tagen Ruhe bebte in der Nacht auf Freitag erneut die Erde um die Phlegräischen Felder. Von einer „Nacht der Angst“ berichtet das Portal Napoli Today.
Das stärkste Beben verzeichnete das italienische Vulkanologie-Institut INGV um 0.38 Uhr. Es erreichte demnach eine Stärke von 3,2 auf der Richterskala. Das Epizentrum befand sich demnach in einer Tiefe von nur einem Kilometer unter der Erde. Die Erschütterungen waren nach Angaben örtlicher Medien für die Bevölkerung um den Supervulkan deutlich zu spüren. Auch in mehreren Stadtteilen im Westen von Neapel sorgte das Beben demnach dafür, dass Menschen aus den Betten fuhren. „Das Ereignis wurde möglicherweise von einem Brüllen begleitet, das die Bewohner des Gebiets in der Nähe des Epizentrums gehört haben“, schreibt zudem Gigi-Manzoni, Bürgermeister des nahegelegenen Ortes Pozzuoli. Die Erdbeben sorgen in der Region teils dafür, dass die Anwohner aus Angst die Nacht im Freien verbringen. Dies ist in diesem Fall offenbar nicht geschehen.
Italien blickt voll Sorge auf Supervulkan: Neuer Erdbebenschwarm
Das Beben um kurz nach Mitternacht war allerdings einmal mehr nur Teil eines seismischen Schwarms, also einer Folge von mehreren Erschütterungen. So meldet das INGV auch um 21.46 Uhr ein Erdbeben an den Phlegräischen Feldern in Italien. Dieses erreichte allerdings nur einen Wert von 2,1 - das Epizentrum befand sich zudem in drei Kilometern Tiefe. Zudem meldet Napoli Today am Donnerstagmorgen ein weiteres Beben in der Nähe des Lago di Lucrino mit der Stärke 1,8. Insgesamt sei es das vierte Beben am Donnerstag gewesen – ein Beleg dafür, dass ein neuer Schwarm im Gange sei.
Der neue Schwarm reiht sich damit ein. Immer öfter werden in der Region seismische Aktivitäten festgestellt – und die Erdbeben werden stärker. Das bestätigte jetzt auch das Ministerium für Katastrophenschutz in Italien. Seit dem Jahr 2018 sei demnach eine allmähliche Zunahme der Aktivitäten zu verzeichnen – in Häufigkeit und Stärke.
Supervulkan in Italien: Besorgniserregender Trend von Ministerium bestätigt
Der italienische Vulkanologe Giuseppe de Natale erklärte gegenüber Napoli Today, dass die Phlegräischen Felder ein Gebiet seien, das seit einem Ausbruch im Jahr 1538 viele Jahrhunderte lang ruhig geblieben war. „Leider begann gerade in unserer Zeitrechnung und insbesondere ab 1950 eine neue Episode von Bodenhebungen“, so de Natale. Noch in den 50er Jahren habe dies jedoch niemand bemerkt. Erst Anfang der 70er Jahre gab es dann die ersten Erdbeben. 1970 folgte die erste Evakuierung in Italien: Knapp 3000 Menschen wurden aus dem Hafen von Pozzuoli evakuiert und neu angesiedelt. In den 80er Jahren habe es dann einen neuen Schub von Bodenhebungen gegeben – und die Erdbeben hätten eine Stärke von 4 erreicht.
1984 hatte man heftig reagiert. Die gesamte Stadt Pozzuli wurde evakuiert und nach Monte Ruscello verlegt. 40.000 Menschen wurden umgesiedelt. Man hatte einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch gefürchtet. Doch dieser trat nie ein. Jetzt verstärken sich die seismischen Aktivitäten erneut – und die Angst vor einem Ausbruch wächst.
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Der Trend ist zumindest klar: Seit 2023 erreichen – wie in den 1980er Jahren – die Erdbeben wieder teilweise eine Stärke von 4. Zudem steigt die Häufigkeit der Erschütterungen weiter. Doch auch heute lasse sich ein Ausbruch in der Region nur sehr schwer vorhersagen, heißt es in dem Bericht weiter. Zudem müssen die italienischen Behörden absolut sicher sein: Denn heute müssten eine halbe Million Menschen aus der Zone evakuiert und umgesiedelt werden. (rjs)