Brunos und Gaias Halbbruder

Nach tödlicher Attacke auf Jogger: Italiens Bären-Problem droht zu eskalieren – 70 Tiere vor dem Abschuss

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Brunos und Gaias Halbruder MJ5 soll auch geschossen werden.
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Die tödliche Attacke der Bärin Gaia auf einen Jogger stellt die Frage nach dem Umgang mit 120 wilden Tieren in der Provinz. Der Bestand soll drastisch reduziert werden. Doch wie?

Trient – Während der Gerichtsstreit in Trient noch nicht entschieden ist, ob Bärin Gaia eingeschläfert wird oder nicht, hat die Provinzführung am Mittwochnachmittag (19. April) per Dekret den Abschuss eines weiteren Bären angeordnet. Dabei handelt es sich um den 18 Jahre alten Halbbruder von Gaia, die den Jogger Andrea Papi getötet hat – und von Bruno, dem bayerischen Problembär, der 2006 nahe Schliersee erschossen wurde; alle drei haben den gleichen Vater.

Halbbruder von Gaia: Einheimische nennen den Bären „The Boss“

Die Einheimischen nennen den Bären MJ5 „The Boss“. Der Tierbeobachter Paolo Togni berichtet in einem Zeitungsbercht über das mächtige Tier:  „Während der Paarungszeit sehe ich oft von Zusammenstößen gezeichnete Männchen, Mj5 hingegen ist immer ohne Kratzer, auch aus diesem Grund haben wir habe ihn in Boss getauft.“ 

Doch auch Boss hat fast einen Menschen getötet: MJ5 hatte erst am 5. März dieses Jahres den 38-jährigen Eisenbahner Alessandro Cicolini aus Cles im Tal Val di Sole an einem Waldrand angegriffen, als dieser seinen Hund am Rande des Dorfes Rabbi ausführte. Der Bär biss dem Mann in Kopf und Arm. Cicolini überlebte nur, da Angreifer und Opfer bei der Attacke einen Abhang hinabrollten und er dabei an einem Gebüsch hängen blieb. Der Bär rollte weiter und verschwand.

Nach tödlicher Attacke auf Jogger durch Gaia: 70 Bären sollen im Trentino getötet werden

Fugatti will auch noch einen dritten Bären töten lassen, da dieser sich zu nahe an menschliche Siedlungen gewagt habe. Eine Petition gegen die Tötung der drei Bären haben bereits 24.000 Menschen unterschrieben. Massimo Vitturi, Vorsitzender des Tierschutzverbandes Lav Wild Animals, spricht bei dem Vorfall mit Boss von einem „Unfall mit einer Person“.

Präsident Fugatti, Mitglied der rechten Lega Nord, hatte heute in einem Interview mit der Tageszeitung L‘Adige auch mit dem Abschuss von Dutzenden weiterer Bären gedroht: „Ich bin bereit, 70 Bären zu töten, wenn Sie uns nicht sofort sagen, wohin wir sie bringen sollen.“ Fugatti hatte bereits von der Regierung in Rom gefordert, die auf 120 Exemplare geschätzte Bärenpopulation im Trentino auf 50 zu reduzieren. 70 Tiere sollen eingefangen und woanders ausgesetzt oder in Tierparks gebracht werden; sicherlich ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen. Italiens Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin hatte sich bislang eher ablehnend dazu geäußert.

Italiens hitzige Debatte um Gaia und Co.: Video zeigt erschütternde Zustände im „Bärenknast“

Unterdessen riegelt die Polizei das Bärengehege Casteller, in dem Gaia jetzt untergebracht ist, hermetisch ab. Hier landen Bären, die man gefangen hat, da sie als Problemtiere eingestuft wurden. Verdeckte Streifen sollen im Umfeld des Geländes Befreiungsversuche oder Anschläge auf die Bärin verhindern.

„Es geht ihr gut, sie bekommt Obst zu Fressen“, heißt es vor Ort. Doch es werden weder Tierschützer noch Journalisten zu Bärin Gaia durchgelassen, ebenso wenig werden aktuellen Fotos von ihr herausgegeben. Wie es in dem Gelände aussieht, zeigt ein Video von Tierrechtsaktivisten, die vor zwei Jahren in das Gelände eingebrochen sind und dort Filmaufnahmen gemacht haben.

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