8000 Jahre alt

Ältestes Dorf Europas entdeckt – Geheimnis schlummert im See

  • schließen

Im Ohridsee in Albanien sind Archäologen auf Überreste eines prähistorischen Dorfes gestoßen. Die Fundstücke sind für die Wissenschaft eine kleine Sensation.

Bremen – Im ältesten See Europas – im Ohridsee – entdeckte ein Forscherteam guterhaltene Baumstämme einer alten Pfahlbausiedlung. Schnell steht fest: Die Fundstellen unter Wasser sind ein Glücksfall für die prähistorische Archäologie. Nun stellt sich heraus: Die Hölzer stammen aus der Zeit von 5800 bis 5900 vor Christus – sind also fast 8000 Jahre alt. Es handelt sich damit um das bisher älteste bekannte Dorf in Europa.

Ohridsee grenzt an Albanien und Nordmazedonien
Der Ohridsee ist der älteste See in Europaer existiert seit 1,36 Millionen Jahren

Forscher entdecken ältestes Dorf Europas – möglicherweise 8.000 Jahre alt

Einheimische hatten die Pfahlbauten im Ohridsee gefunden. In den vergangenen zwei Jahren hat das Team um den Archäologen Albert Hafner von der Universität Bern hunderte Baumstämme ausgegraben und das Alter bestimmt, berichtet der SRF. Nun stellt sich heraus: Die Pfahlbauten sind rund 2000 Jahre älter als die ältesten Pfahlbauten in der Schweiz.

Der Ohridsee ist der älteste See in Europa. Auf seinem Grund verbergen sich Geheimnisse aus unserer Kulturgeschichte.

„Damit ist diese Fundstelle nicht nur wichtig für diese Region, sondern für ganz Südosteuropa“, sagt Albert Hafner im SRF. Hafner ist Professor für Prähistorische Archäologie an der Universität Bern und Mitglied des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung. Der Forscher war vom albanischen Institut für Archäologie in Tirana hinzugezogen worden, um das Alter der Holzpfähle zu bestimmen.

Geheimnisse im ältesten See Europas: Ausgrabungssituation unter Wasser in Ploča Michovgrad, Ohridsee, Nordmazedonien (2018–2019).

Pfahlbauten im Ohridsee offenbaren Geheimnis – Hier lebten die ersten Bauern und Bäuerinnen Europas

Die Entdeckung reicht, laut Hafner, in eine Zeit zurück, in der die ersten Menschen aus Anatolien (dem heutigen Türkei) die Landwirtschaft nach Europa brachten. Vor mehr als 8000 Jahren gelangten frühe Viehzüchter und Ackerbauern aus Anatolien zunächst in den ägäischen Raum, insbesondere Nordgriechenland, danach via Süditalien und den Balkan nach Mitteleuropa, heißt es in einer älteren Pressemitteilung (2021) der Universität Bern zu den Ausgrabungen am Ufer des Ohridsee.

Das Alter der 8000 Jahre alten Baumstämme soll jetzt ganz präzise bestimmt werden. „Das sind Radiokarbondaten. Die sind ungenau. Wir wollen mit Dendrochronologie, also mithilfe der Jahrringe von Bäumen das Alter auf die Dekade oder gar auf das Jahr genau bestimmen“, so Albert Hafner.

Im Balkan waren die neu zugezogenen Bauern mit vergleichsweise kühlen und feuchten Klimabedingungen konfrontiert, was sie zu einer entsprechenden Anpassung der landwirtschaftlichen Praktiken zwang. „Die Wechselwirkungen zwischen dieser revolutionären Innovation und der Umwelt sind weitgehend unbekannt“, betont Hafner im Jahr 2021.

Ziel der Forschung am Ohridsee sei es nun herauszufinden, wann und wie Ackerbau und Viehhaltung in der Region entstanden. Von Interesse sei zudem auch, wie sie von Südeuropa aus in die Schweiz gelangten.

Bei Ausgrabungen in der Stufenpyramide Sakkara haben Archäologen Abschnitte aus einem Totenbuch entdeckt. Die Dokumente sind über 2000 Jahre alt.(ml)

Rubriklistenbild: © Martin Siepmann/imago

Kommentare