Mondmission

Reise zum Erdtrabanten: Japan schickt noch 2022 eine Raumsonde zum Mond

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Die Landefähre Hakuto-R 1 auf der Mondoberfläche.
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Die private japanische Raumfahrtfirma ispace will am 30. November 2022 zum Mond aufbrechen. Mit der Mondlandefähre Hakuto-R 1 will das Unternehmen sogar auf dem Trabanten landen.

Update vom 28. November um 15:20 Uhr: Der Start der japanischen Mondlande-Mission Hakuto-R 1 verschiebt sich auf den 30. November 2022. Um 03:39 Uhr (ET) soll die Landefähre mit dem privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX in den Orbit aufbrechen. In Deutschland wird es dann 09:39 Uhr (MEZ) sein.

Start verschoben: Japan startet eigene Mondmission erst später

Erstmeldung vom 23. November um 09:49 Uhr: Cape Canaveral (Florida, USA) – Der Mond soll die nächste große Heimat der Menschheit werden. Erst am 16. November 2022 ist Artemis I zum Erdtrabanten aufgebrochen. Das Orion-Raumschiff hat den Mond bereits passiert und die ersten Bilder zur Erde zurückgeschickt. Das japanische kommerzielle Raumfahrtunternehmen ispace will einen Schritt weiter gehen und auf dem Mond landen. Dafür hat es die Mondlandefähre Hakuto-R 1 entwickelt, die am 28. November 2022 zum Erdtrabanten aufbrechen soll. Das Landemodul ist jedoch nicht die einzige Besonderheit dieser Mission.

Anschließend soll der Rashid-Rover der Vereinigten Arabischen Emirate die Mondoberfläche erkunden. Eine weitere Raumsonde soll nach Wassereis auf dem Mond suchen: Lunar Flashlight. 

Lunar Flashlight soll nach Wassereisvorkommen auf dem Mond suchen

Neben der Landefähre fliegt auch eine Raumsonde mit, die ursprünglich mit Artemis I starten sollte. Der Cubesat (kleiner, würfelförmiger Satellit) Lunar Flashlight soll den Mond nach Wassereisvorkommen absuchen, damit diese in Zukunft von Menschen oder Robotern gefördert werden können. Zudem soll geschätzt werden, wie groß die Vorkommen sind und welche Zusammensetzung sie haben.

Wasser auf dem Mond: Das ist der bisherige Stand

Anfang 2022 haben die Chinesen mit ihrer Chang’e 5 Mission Wasservorkommen im Mondstaub nachweisen können, wie ihre Studie „In situ detection of water on the Moon by the Chang’e-5“ lander“ (engl. In-situ-Nachweis von Wasser auf dem Mond durch den Lander Chang’e-5) im amerikanischen Fachmagazin Science Advance zeigt.

Ispace startet Mission: Japans Aufbruch zum Mond – doch zuerst ging es nach Deutschland

Hakuto-R 1 war Anfang des Jahres noch in Deutschland. Im Mai 2022 wurde bei der Ariane Group in Lampoldshausen (Baden-Württemberg) die Montage der Landefähre abgeschlossen. Die abschließenden Thermalvakuum-, Vibrations-, Masseeigenschaften- und Funktionstests wurden bei der IABG GmbH im bayrischen Ottbrun durchgeführt. Anschließend wurde der japanische Mondlander von Deutschland aus in die USA geflogen.

Die ispace-Mission 1, kurz M1, soll am 28. November 2022 um 3:46 Uhr (Ortszeit) vom US-amerikanischen Raumhafen Cape Canaveral in den Orbit aufbrechen. Dabei wird sie sich an Bord einer Trägerrakete des Typs Falcon 9 Block 5 vom privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX befinden. In Deutschland wird es dann 9:46 Uhr (MEZ) sein, wenn die Rakete in den Orbit aufbricht.

Japan startet Mondmission: Mondlandung ist geplant, aber wo?

Nach ungefähr viereinhalb Monaten Reise soll die japanische Mission den Mond erreichen. Als Landeort kommen mehrere Areale infrage. Das sind beispielsweise Oceanus Procellarum (lat. Ozean der Stürme) auf der westlichen, uns zugewandten Seite des Mondes, der erstarrte Lavasee Lacus Somniorum (lat. See der Träume) im Nordosten sowie Sinus Iridium (lat. Regenbogenbucht) im Norden der Mondvorderseite. 

Das Hauptziel soll aber der Atlas-Krater am südöstlichen Außenrand des Mare Frigoris (lat. Meer der Kälte) sein. Es ist ein lang gezogenes Meer (früher hatte man angenommen, dass die dunklen Flecke den Ozeanen unsere Erde ähneln), das sich im Norden der Mondvorderseite befindet. Bei einer erfolgreichen sanften Landung wäre ispace das erste kommerzielle Unternehmen auf dem Mond.

Japanischen Mondmission M1: Rockband steuert Soundtrack bei

Musikalisch untermalt wird die ispace-Mondmission von dem Song „Sorato“ der japanischen Rockband Sakanaction. Der Musiktitel ist dem Mondrover der ispace-Gründer gewidmet, den sie beim Google Lunar X-Prize gebaut hatten. Dieser Wettbewerb fand zwischen 2007 und 2018 statt und sollte den kommerziellen und privaten Raumfahrtsektor stärken. Das Lied Sorato wird als Musik-CD mit Hakuto-R 1 zum Mond fliegen. 

Japans startet Mondmission mit einem arabischen Rover – Hakuto-R 1 soll auf Mond landen

Sobald Hakuto-R 1 erfolgreich auf dem Mond gelandet ist, soll der arabische Rover Rashid den Mond betreten. Das gerade einmal zehn Kilogramm schwere Fahrzeug wurde vom Mohammed Bin Rashid Space Centre (MBRSC) der Vereinigten Arabischen Emirate entworfen. Er ist ungefähr 50 mal 50 Zentimeter groß und soll im Idealfall mehrere Kilometer auf der Mondoberfläche zurücklegen. 

Rashid ist mit zwei hochauflösenden Kameras, einer mikroskopischen Kamera zur Erfassung kleiner Details und einer Wärmebildkamera ausgestattet. Er soll die thermischen Eigenschaften der Mondoberfläche untersuchen sowie die Zusammensetzung und Partikelgröße des Mondstaubs im mikroskopischen Detail erforschen. Der Mondstaub war bereits für die Apollo-Astronauten eine Gefahr: „Es handelt sich um wirklich scharfe, winzige Körner, die überall hingelangen, überall haften bleiben und für Astronauten gefährlich sein können, wenn sie viel davon einatmen“, erklärt die Planetenforscherin Hannah Sargeant von der Open University in Milton Keynes in Großbritannien

Bisher ist nicht eindeutig geklärt, warum der Mondstaub elektrostatisch aufgeladen ist. Das könnte sich mit dieser Mission ändern. Mit einer Langmuir-Sonde soll das Plasma aus geladenen Teilchen untersucht werden, das durch den Sonnenwind auf der Mondoberfläche entsteht. 

Rashid soll mindestens einen Mondtag lang – das entspricht 14 Erdentagen – seine Erkundigungen durchführen. Damit ist es die zweite große Weltraummission der Emirate. Erst im Februar 2021 sind sie mit ihrer Hope-Raumsonde in die Marsumlaufbahn eingeschwenkt.

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