Heilige Stadt dreier Weltreligionen

Jerusalem: Die Hauptstadt von Israel

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Altstadt von Jerusalem

Jerusalem, die Hauptstadt Israels, besitzt mit der Klagemauer, der Grabeskirche und dem Felsendom die wohl berühmtesten Bauwerke religiöser Denkmäler.

Jerusalem, die Hauptstadt des im Nahen Osten gelegenen Staates Israel, ist eine der ältesten bekannten Städte der Welt. Die Bedeutung Jerusalems, die auch als heilige Stadt dreier Weltreligionen oder als eine Stadt dreier Religionen und zweier Nationen bezeichnet wird, begründet sich auf seinen religiösen, kulturellen Denkmälern und heiligsten Stätten, und die Stadt wird gleichermaßen von Juden, Christen und Muslimen als Heilige Stadt verherrlicht.

Zahlreiche Kulturen der Antike und Moderne treffen in Jerusalem aufeinander. Die Altstadt Jerusalems ist aufgegliedert in das jüdische, christliche, armenische und muslimische Viertel und von einer riesigen Befestigungsmauer eingefasst. Der auch im 21. Jahrhundert immer noch international umstrittene politische Status der Stadt ist nach wie vor Teil des schwelenden Nahostkonflikts.

Der Sitz des Staatspräsidenten, das israelische Parlament, die Knesset und der Oberste Gerichtshof befinden sich, als Teil des politischen Systems Israels, seit jeher in Jerusalem, ebenso wie die Hebräische Universität, die 1918 gegründet wurde, sowie die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem und der Israel National Cemetery, der israelische Nationalfriedhof. 1950 wurde West-Jerusalem durch das israelische Parlament zur Hauptstadt erklärt und 1980 wurde Jerusalem von Israel, das die Kontrolle über das gesamte Stadtgebiet hat, durch das Jerusalemgesetz zu seiner vereinigten und unteilbaren Hauptstadt erklärt, was lediglich von den USA und einigen kleineren unbedeutenden Staaten anerkannt wurde.

Nachdem sich nur West-Jerusalem bis zum Sechs-Tage-Krieg im Jahre 1967 unter israelischer Herrschaft befand, gab es nun das Problem mit Ost-Jerusalem, wo sich die bedeutenden religiösen Stätten des Judentums, des Christentums und des Islams befinden. Gemäßigte Palästinenser-Organisationen beharren jedoch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates und radikale Palästinenser-Organisationen fordern das gesamte Jerusalem als Hauptstadt. So ist und bleibt der Status von Jerusalem ein Politikum von internationaler Bedeutung.

Jerusalem: Brennpunkt einer konfliktreichen Geschichte

Keine Stadt der Welt wurde so oft erobert, zerstört, wieder aufgebaut und entvölkert wie Jerusalem – die Stadt des Friedens. Im Gegensatz zu anderen Städten dieser Welt lebt Jerusalem ganz aus der Geschichte der Stadt. Das heißt, dass sowohl ihre Bedeutung als heilige Stadt von drei Weltreligionen als auch ihr gegenwärtiger unsicherer Status und ihre Konflikte ein Ergebnis der historischen Entwicklung ist. Und eben diese Geschichte findet auch Ausdruck in der Belastung für ihre Zukunft, für einen andauernden Ausgleich und für den Frieden.

Bereits im 18. Jahrhundert vor Christus beginnt die Geschichte Jerusalems als kanaanäischer Stadtstaat und ihr überlieferter Name Uru Schalim oder Uru Salem bedeutet so viel wie „Stadt des Friedens“. Nach der Eroberung der Stadt durch König David um das Jahr 997 herum ernannte er Jerusalem zur „Davidstadt“. Damit war Jerusalem nicht nur der religiöse und politische Mittelpunkt des Reiches der Israeliten, sondern gleichzeitig auch das religiöse Zentrum des Judentums.

Hier wurde das Nationalheiligtum, der erste jüdische Tempel für den Gott Jahwe, durch König Salomo erbaut. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Tempel durch viele Herrscher entweiht, zerstört und wieder aufgebaut und die Stadt erhielt mit dem „Hiskia-Tunnel“ eine Wasserversorgung und eine Stadtmauer. 628 vor Christus wurde Jerusalem der alleinige legitime Ort des Kultes, und der Tempel wurde unter römischer Herrschaft erweitert, jedoch 70 nach Christus wieder zerstört und die Stadt selbst wurde im Jahre 135 von den Römern dem Erdboden gleichgemacht.

Eine römische Kolonie

Auf dem Gelände Jerusalems entstand eine römische Kolonie und den Juden war es während der spätrömischen Zeit verboten, Jerusalem zu betreten. Kaiser Konstantin erklärte die Stadt zum christlichen Ort und unter ihm und seinen Nachfolgern wurde Jerusalem in den folgenden Jahrhunderten zur christlichen Stadt umgebaut und erlebte durch die Pilgerströme einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Nachdem im 7. Jahrhundert die Perser die Stadt besetzt gehalten hatten, wurde sie von den Oströmern zurückerobert aber ging kurz danach wiederum kampflos an die Araber verloren. Im ersten Kreuzzug Anfang des 11. Jahrhunderts standen die christlichen Kreuzfahrer vor Jerusalem, eroberten die Stadt und gründeten das christliche Königreich Jerusalem. Die Christen verloren die Stadt 1187 an Saladin, den ersten Sultan von Ägypten.

Aufschwung unter den osmanischen Türken

Jahrzehnte später brachte der deutsche Kaiser Friedrich II. Jerusalem von 1229-1244 nochmals in den Besitz der Kreuzfahrer und er ließ sich zum König von Jerusalem proklamieren, auch wenn er nur wenige Monate im Heiligen Land blieb. Danach begann für die Heilige Stadt eine Zeit wechselnder Herrschaften, bis die osmanischen Türken 1517 Jerusalem zum Verwaltungssitz eines Regierungsbezirkes ihres osmanischen Reiches machten. Dadurch erlebte Jerusalem einen enormen Aufschwung und in dieser Zeit wurden die Befestigungsmauern der Stadt modernisiert. Diese Befestigungen sind in der Form auch heute noch in der Altstadt zu sehen.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kehrten viele Juden in das Land zurück und um 1880 herum war ungefähr die Hälfte der etwa 30.000 Einwohner von Jerusalem jüdisch. Nach dem Untergang des osmanischen Reiches wurde Jerusalem 1917 durch britische Truppen besetzt und die Stadt wurde nach dem ersten Weltkrieg dem Völkerbundsmandat für Palästina unterstellt. In diesen Jahren machte Jerusalem eine imposante Entwicklung durch und bis heute sind die damaligen Vorschriften zum Stadtbild gültig, denn dem Gesetz nach durften die Häuser der Stadt ausschließlich aus Jerusalemer Stein erbaut werden. 1920 kam es zu gewalttätigen arabischen Verfolgungen gegen die jüdischen Einwohner Jerusalems, bei denen sechs Menschen starben und die über 200 Verletzte forderten.

Wichtiger Streitpunkt im Nahost-Konflikt

Danach manifestierte sich die eigentliche Kontroverse, denn seit Beginn des Nahost-Konflikts war Jerusalem einer der wichtigsten Streitpunkte, denn sowohl die Moslems als auch die Juden, die in Jerusalem lebten, stritten sich unnachgiebig um den Status Jerusalems. Die Moslems sahen den Osten Jerusalems als Hauptstadt von Palästina vor und jüdische Forderungen beanspruchten Jerusalem als Hauptstadt Israels. Daher sah der Lösungsversuch der UNO für Palästina von 1947 vor, auf dem Gebiet des heutigen Israels einen jüdischen und einen muslimischen Staat zu erstellen, wobei Jerusalem unter eine internationale Verwaltung gestellt werden sollte. Dieser Teilungsplan wurde von den Arabern abgelehnt. Nur einen Tag nach der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 erklärten zahlreiche arabische Staaten Israel den Krieg und griffen Israel an, um den neu gegründeten jüdischen Staat auszulöschen.

Nach dem Unabhängigkeitskrieg wurde Jerusalem in West-Jerusalem, dem israelischen Teil, und Ost-Jerusalem, dem jordanischen Teil, aufgeteilt. Die in Ost-Jerusalem lebenden jüdischen Einwohner wurden vertrieben, das Viertel der Juden wurde zerstört und der Eingang zur Klagemauer wurde abgeriegelt. 1950 erklärte Israel Jerusalem zur Hauptstadt, was jedoch von der Staatengemeinschaft nicht anerkannt wurde. Der Osten Jerusalems wurde 1967 im 6-Tage-Krieg von Israel erobert und der Tempelberg erhielt eine autonome muslimische Verwaltung. Im sogenannten Jerusalemgesetz von 1980 erklärte Israel die Stadt Jerusalem als unteilbare Hauptstadt Israels. Dieses Gesetz wurde jedoch von der UN in einer Resolution für ungültig erklärt. Zahlreiche Terrorattacken, Anschläge und Selbstmordattentate von Palästinensern bezeugen bis heute den umstrittenen Status Jerusalems.

Die Politik und politische Situation Jerusalems – der Hauptstadt Israels

Der politische Status der Stadt Jerusalem ist auch im 21. Jahrhundert international umstritten und weiterhin Teil des schwelenden Nahost-Konflikts.

Die internationale Staatengemeinschaft respektierte seit 1952 faktisch die Entscheidung der israelischen Regierung, in ganz Jerusalem israelisches Recht anzuwenden. Nachfolgend eine Auflistung, in welcher Form Staaten sowie Staatenvereinigungen mit dieser Entscheidung Israels umgehen:

  • Russland gab 2017 bekannt, Westjerusalem als Hauptstadt Israels zu akzeptieren
  • 1995 beschloss der US-Kongress die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem
  • US-Präsident Trump gab 2017 bekannt, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen
  • 2018 wurde die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt
  • Tage später folgten Guatemala und Paraguay mit dem Umzug der Botschaften (Paraguay verlegte im gleichen Jahr seine Botschaft wieder zurück nach Tel Aviv)
  • 2018 wurde West-Jerusalem durch die australische Regierung formell als Hauptstadt Israels akzeptiert
  • 2017 ließ die EU erklären, dass man sich in der Jerusalem-Frage nicht mehr einig sei
  • Das tschechische Parlament hatte 2017 Jerusalem als die Hauptstadt Israels anerkannt
  • Der tschechische Staatspräsident kritisierte die Haltung der EU zur Jerusalem-Frage als feige
  • 2017 erklärten mehr als 20 islamische Länder auf einem Sondergipfel in Istanbul, Ost-Jerusalem als Hauptstadt Palästinas zu bestätigen
  • Der Palästinenserpräsident Abbas gab bekannt, die Vermittlerrolle der USA im Nahost-Konflikt nicht mehr zu akzeptieren
  • Abbas gab ebenfalls an, eine UN-Vollmitgliedschaft für Palästina zu beabsichtigen
  • Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen scheiterte eine völkerrechtlich bindende Resolution
  • Am 21. Dezember 2017 stimmte eine große Mehrheit der Vollversammlung für die Resolution, dass der finale Status der Stadt Jerusalem nur durch Verhandlungen erreicht werden kann, die in Übereinstimmung mit entsprechenden UN-Resolutionen stehen
  • 2019 teilte die Ministerpräsidentin Rumäniens mit, die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen
  • Serbien und Kroatien kündigten 2020 an, in Jerusalem ihre Botschaften einzurichten
  • Die Republik Kosovo eröffnete ihre Botschaft in Jerusalem im März 2021
  • Im Juni 2021 eröffnete Honduras die Botschaft in Jerusalem

Die Botschaften und diplomatischen Vertretungen der meisten Staaten dieser Welt, dazu gehören auch die Vertretungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, befinden sich nach wie vor in Tel Aviv.

Die Bevölkerung der Hauptstadt von Israel

Heute leben ca. 920.000 Einwohner in Jerusalem. Für das gesamte Jerusalem liegt der Anteil der jüdischen Bewohner bei rund 63%, der muslimische Anteil beträgt ca. 35% und der christliche liegt bei 2%. Nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 wurden Tausende neuer Häuser für israelische Juden vornehmlich in Ost-Jerusalem errichtet, aber nur sehr wenige für die Palästinenser. Auch wenn über 30% der Einwohner der Heiligen Stadt Palästinenser sind, bewohnen sie nicht mehr als 15% der Fläche Jerusalems.

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