„Treffen mutige Entscheidungen“

Erziehung: Leuchtturm-Eltern beeinflussen ihre Kinder „ihr Leben lang“

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Die Leuchtturm-Eltern sollen ihren Kindern durch Selbstreflexion und Klarheit Orientierung geben. Eine Therapeutin erklärt, wie Eltern dies gelingt.

Helikopter-Eltern sind überfürsorglich und überwachen ihre Kinder, Rasenmäher-Eltern „mähen“ für ihre Kinder alle Probleme aus dem Weg. Leuchtturm-Eltern sind anders: „Ich sehe die Familienkonstellation als einen Hafen. Jeder Hafen braucht einen Leuchtturm, der den Schiffen Orientierung bietet, fest im Fundament steht und ein klares Licht ausstrahlt“, sagt die Therapeutin Melanie Hubermann BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Die Schiffe, die im Hafen auf ihre Reise vorbereitet werden, stehen dabei für die Kinder.

Leuchtturm-Eltern konzentrieren sich auf sich selbst, statt ihre Kinder zu kontrollieren. Ein stabiles Fundament erfordere viel Selbstreflexion und Klarheit über ihre eigene Lebenssituation. „Nur so können sie Werte, Regeln und Grenzen vermitteln“, erklärt Hubermann, Autorin des Buches „Leuchtturm-Eltern: Wie wir Kindern in der Pubertät Orientierung geben“. Der Erziehungsstil der Leuchtturm-Eltern basiert auf der „New Authority“ (dt.: Neue Autorität). „In ‚New Authority‘ handeln die Eltern. Sie erwarten keine Veränderung von den Kindern“, so die Expertin.

Die New Authority steht dabei im Gegensatz zu einem „extrem bedürfnisorientierten Erziehen“, bei dem die Kinder tun dürfen, wonach ihnen gerade ist. Die Therapeutin erklärt: „Wir überfordern Kinder, wenn wir ihnen nicht die Welt altersgerecht kleinhalten – mithilfe von Struktur und Regeln. Sie brauchen Anleitung und Grenzen.“

Expertin: So erziehen Eltern ihre Kinder nach der Leuchtturm-Methode

„Einer der Grundsätze, auf denen die Idee der Leuchtturm-Eltern basiert, ist eine Erziehung durch Beziehung“, sagt Hubermann BuzzFeed News Deutschland. Innerhalb dieser positiven Beziehung könnten die Eltern loslassen, Raum geben und die Kinder sich frei entfalten lassen. Gleichzeitig könnten Eltern wieder näher an ihre Kinder heranrücken, sollten sich Probleme zeigen. „Das gelingt, indem ich präsent bin, immer wieder im Leben meines Kindes auftauche und echtes Interesse an dem zeige, was es tut“, sagt die Expertin.

Leuchtturm-Eltern geben ihren Kindern durch klare Kommunikation Orientierung.

Ein Beispiel sei der Umgang mit Social Media. Verbote allein seien selten eine gute Lösung, erklärt Hubermann: „Stattdessen sollten Eltern sich die Plattformen anschauen: Was genau passiert auf Instagram oder TikTok? Was fasziniert mein Kind daran? Womit kann ich leben, und wo ziehe ich eine klare Grenze?“ Dort könnten Eltern ansetzen und etwa feste Medienzeiten vereinbaren. Dafür brauche es jedoch eigene Informationen und eine bewusste Auseinandersetzung mit den Interessen der Kinder.

Therapeutin: Durch die Leuchtturm-Erziehung sind Kinder „selbstbewusster“

Auch während der Pubertät sollten Leuchtturm-Eltern präsent im Leben ihrer Kinder bleiben, ohne immer alle Probleme sofort lösen zu müssen. Wertvoller sei es, sich die Zeit für Lösungsvorschläge zu nehmen, empfiehlt die Expertin: „Ich höre dich. Ich sehe, dass wir ein Problem haben. Ich habe gerade keine Antwort darauf, aber ich komme darauf zurück.“ Gerade Jugendliche fänden das „total toll, weil sie sich dadurch sehr ernst genommen fühlen.“

Die Erziehung mit der Leuchtturm-Methode wirke sich ein Leben lang positiv auf den Erfolg aus: „Kinder und Jugendliche berichten uns rückblickend, dass sie, kombiniert mit der Erfahrung von Selbstwirksamkeit, viel Sicherheit und Rückhalt in ihrer Kindheit erlebt haben“, erzählt die Expertin. Sie würden „mutiger Entscheidungen treffen, sie sind selbstbewusster und in der Lage, flexibel auf neue Situationen zu reagieren.“ Durch die authentischen und präsenten Gespräche würden die Kinder auch als junge Erwachsene noch Rat bei ihren Eltern suchen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / HalfPoint Images

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