VonChristina Denkschließen
Immer wieder erregt die „Letzte Generation“ Aufmerksamkeit. Die Polizei bereitet sich auf neue Aktionen vor. Sie setzt dabei auf Mittel, die vor einem Jahr noch undenkbar waren.
Stuttgart – Schulung für das Lösen von Händen: Das hätten sich Polizisten vor zwei Jahren sicher auch nicht träumen lassen. In vielen deutschen Bundesländern werden Beamte aktuell im Hände lösen geschult. So sollen Proteste der „Letzten Generation“ schnell aufgelöst werden. Der ein oder andere Kniff kommt dabei zum Tragen – wäre vor einem Jahr aber deutlich schwieriger gewesen.
„Letzte Generation“: Polizei bereitet sich auf neue Aktionen vor – mit Speiseöl
Die „Letzte Generation“ macht vor allem durch ihre Klebe-Aktionen auf Straßen und an Verkehrsknotenpunkten auf sich aufmerksam. Doch wie bekommt man die Klimaaktivisten wieder von der Straße? Die baden-württembergische Polizei setzt auf Haushaltsmittel. Das Geheimrezept? Herkömmliches Pflanzenöl.
Es scheint erfolgreich: 30 bis 90 Minuten braucht die baden-württembergische Polizei laut eigenen Angaben meist nur noch, um die Hände der Aktivisten vom Asphalt zu lösen. Man habe sich sehr frühzeitig mit den neuen Aktionsformen der Gruppierung „Letzte Generation“ auseinandergesetzt, teilte das Innenministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Das Thema fließe auch in die Fortbildungsangebote ein, unter anderem für die Anti-Konflikt-Teams, die insbesondere bei Versammlungen zum Einsatz kommen.
Öl, Seifenlauge, Mullbinden: Auch andere Bundesländer rüsten auf und schulen
Neben Baden-Württemberg bereiten sich auch andere Bundesländer auf die Aktionen der „Letzten Generation“ vor. In Bayern gibt es regionale Spezialeinheiten, „Glue-on-Teams“ (to glue: anleimen), in München und in Murnau, die rund um die Uhr bereitstehen, um die Aktivisten rasch von der Straße zu bekommen und Verkehrsbehinderungen zu vermeiden oder schnell aufzulösen. Sie rücken mit modernen Einsatzfahrzeugen an, ausgestattet mit Öl, Seifenlauge und Mullbinden, berichtet der MDR.
NRW rüstet ebenfalls gegen Klima-Aktivisten auf, die sich unangekündigt am Asphalt festkleben. Dort werden rund 10.000 Polizisten im Lösen von festgeklebten Aktivisten ausgebildet. Alle Streifenpolizisten und Beamte von Hundertschaften sollen an einer verpflichtenden digitalen Fortbildung teilnehmen.
Speiseöl gegen Klimakleber? Vor einem Jahr noch undenkbar
Speiseöl zum Hände lösen? Was derzeit in Baden-Württemberg und Bayern zur gängigen Praxis gegen Klimakleber gehört, wäre vor einem Jahr wohl noch undenkbar gewesen. Speiseöl gehörte zu den knappen Lebensmitteln zu Beginn des Ukraine-Kriegs. Supermärkte reduzierten den Kauf auf eine Flasche pro Haushalt. Die Preise verdoppelten sich auf fast zwei Euro pro Liter.
Trotz des anhaltenden Krieges hat sich die Lage um das Speiseöl in den Supermärkten ein Jahr nach Beginn des Angriffs normalisiert. So haben die ukrainischen Exporte von Getreide, Sonnenblumen und Raps nahezu wieder Vorkriegsniveau erreicht – und es kann gegen Klimakleber eingesetzt werden. Gelöst ist damit allerdings nur ein Teil des Problems, denn laut dem Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, sind nicht die Auflösungen der Blockaden kräftezehrend, sondern die Folgen in Form von Staus und Umleitungen. Und manchmal klebt der Kleber der „Letzten Generation“ einfach zu stark. Ein Aktivist musste freigeflext werden – und erntete Spott. (chd/dpa)
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