Nach Lützerath

Radikalisiert sich die Klimaaktivisten-Szene? Neubauer kontert mit „Radikalisierung des Nichthandelns“

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Immer wieder wird eine Radikalisierung der Klimabewegung diskutiert. Luisa Neubauer drehte den Spieß nun um. Die Linken-Chefin scheint hinter ihrer Meinung zu stehen.

Berlin – Die Proteste der „Letzten Generation“ werden immer wieder als Radikalisierung der Fridays for Future Demos gesehen. Alexander Dobrindt (CSU) sprach gar mehrmals von einer Klima-RAF. Die Klimaaktivisten-Demo vor Lützerath hat die Debatte zuletzt weiter befeuert. Nun hat sich Fridays for Future-Sprecherin Luisa Neubauer geäußert. Und sie bekommt Rückendeckung von Linken-Chefin Janine Wissler.

Neubauer reagiert auf Radikalisierungs-Vorwurf – Sie dreht die Anschuldigung um

Angesprochen darauf, ob eine Radikalisierung der Klimabewegung zu erwarten sei, drehte Sprecherin Neubauer den Sachverhalt um. Es sei eine „Radikalisierung der Klimakrise“ sowie eine „Radikalisierung des Nichthandelns der Bundesregierung“ zu beobachten, betonte sie laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dagegen stellten sich Protestierende mit Mühe und Hartnäckigkeit. „Dass sich dann sehr, sehr viele Menschen auch noch von Teilen der Politik kriminalisieren lassen müssen, ist dramatisch in unseren Augen“, sagte Neubauer.

Luisa Neubauer wurde auf einer Pressekonferenz auf eine viel diskutierte Radikalisierung der Klimabewegung angesprochen (Archivbild).

Zuvor hatte Linken-Chefin Janine Wissler vor einer Kriminalisierung der Klimabewegungen gewarnt. „Nicht eine vermeintliche Radikalisierung der Klimaschutzbewegung macht mir Sorgen, sondern die zunehmende Radikalisierung des Klimawandels“, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP und stellte damit wohl auf eine ähnliche Seite wie Neubauer.

Nicht eine vermeintliche Radikalisierung der Klimaschutzbewegung macht mir Sorgen, sondern die zunehmende Radikalisierung des Klimawandels.

Janine Wissler, Bundesparteivorsitzende der Linken über die Klimaschutzbewegung

Klimabewegung: Politiker fürchten Unterwanderung durch Linksextreme

Die Radikalisierungs-Debatte traf vor der Lützerath-Demo vor allem die Gruppe „Letzte Generation“. Politiker fürchten eine Unterwanderung der Protestbewegung durch Linksextremisten. „Akteure aus der linksextremistischen Szene versuchen, Einfluss auf Klimaschutzgruppen zu nehmen“, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums dem Handelsblatt. „Es ist nicht akzeptabel, wie Polizistinnen und Polizisten pauschal verunglimpft werden und wie ein Teil der Aktivisten nach einer ‚Welt ohne Polizei‘ ruft“, so Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zur taz. Er forderte die Aktivisten auf, sich klar von gewalttätigen Protesten zu distanzieren.

Klimaaktivisten kleben sich an Mannheimer Hauptbahnhof fest: Bilder der Aktion

In Mannheim haben sich am Dienstagmorgen (29. November) Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ am Hauptbahnhof festgeklebt.
In Mannheim haben sich am Dienstagmorgen (29. November) Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ am Hauptbahnhof festgeklebt. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Die Aktivisten machen mit Schildern auf sich aufmerksam.
Die Aktivisten machen mit Schildern auf sich aufmerksam. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Hier fordern die Aktivisten „100 km/h und 9 Euro für alle“.
Hier fordern die Aktivisten „100 km/h und 9 Euro für alle“. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Die Aktivisten stellen sich mitten auf die Straße.
Die Aktivisten stellen sich mitten auf die Straße. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
„100 km/h und 9 Euro für alle“ ist hier wieder zu sehen.
„100 km/h und 9 Euro für alle“ ist hier wieder zu sehen. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Der Verkehr war für die Zeit der Blockade massiv eingeschränkt.
Der Verkehr war für die Zeit der Blockade massiv eingeschränkt. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Rund um den Mannheimer Hauptbahnhof kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen und Rückstau.
Rund um den Mannheimer Hauptbahnhof kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen und Rückstau. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Insgesamt fünf Personen sollen die Straße Richtung Ludwigshafen laut Angaben der Polizei blockiert haben.
Insgesamt fünf Personen sollen die Straße Richtung Ludwigshafen laut Angaben der Polizei blockiert haben. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Hier: Wieder Verkehrseinschränkungen wegen der Klima-Aktion der „Letzten Generation“ in Mannheim.
Hier: Wieder Verkehrseinschränkungen wegen der Klima-Aktion der „Letzten Generation“ in Mannheim. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Mehrere Einsatzkräfte waren bei der Protest-Aktion am Mannheimer Hauptbahnhof vor Ort.
Mehrere Einsatzkräfte waren bei der Protest-Aktion am Mannheimer Hauptbahnhof vor Ort. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Hier: Ein Polizeibeamter, der mit einem Megafon zu den Aktivisten spricht.
Hier: Ein Polizeibeamter, der mit einem Megafon zu den Aktivisten spricht. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Gegen 9:20 Uhr konnte die Blockade aufgelöst und der Verkehr wieder freigegeben werden.
Gegen 9:20 Uhr konnte die Blockade aufgelöst und der Verkehr wieder freigegeben werden. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Die Polizisten mussten die Aktivisten teilweise wegtragen.
Die Polizisten mussten die Aktivisten teilweise wegtragen. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Hier: Ein weiterer Aktivist, der von den Beamten wegtransportiert werden muss.
Hier: Ein weiterer Aktivist, der von den Beamten wegtransportiert werden muss. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe
Gegen die Klimaaktivisten wird jetzt wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz sowie Nötigung von Verkehrsteilnehmern ermittelt.
Gegen die Klimaaktivisten wird jetzt wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz sowie Nötigung von Verkehrsteilnehmern ermittelt. © MANNHEIM24/PR-Video, Priebe

Einige Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ sehen indes keine Notwendigkeit für einen radikalen Protest. „Der Protest muss nicht radikaler werden, aber er wird sich ausweiten“, sagte Theodor Schnarr, Aktivist der Gruppe, gegenüber dem Münchner Merkur von IPPEN.MEDIA.

„Es gibt eine klare Grenze: Unser Protest bleibt gewaltfrei und friedlich. Das steht auch in einem gemeinsamen Aktions- und Wertekonsens, den wir uns gegeben haben.“ In einem Anwerbe-Seminar verwies ein anderer Aktivist auf unterschiedliche Aufgaben der Mitglieder. Niemand müsse illegale Aktionen durchführen. Es gebe auch andere Aufgaben – das sogenannte „Legal-Team“.

Verfassungsschutz beobachtet Klimaaktivisten: Aktuell keine Gefährdung durch „Letzte Generation“

Der Verfassungsschutz beobachtet indes die Aktionen der „Letzten Generation“ und die Einflussnahme durch linksextremistische Gruppierungen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk Ende Januar sah der Präsident Thomas Haldenwang jedoch weiterhin keine „hinreichenden Anhaltspunkte für eine Gefährdung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.“ Sowohl Fridays for Future, mit einem globalen Streik, als auch die „Letzte Generation“ haben neue Klimaproteste für Februar und März angekündigt. (chd/AFP/dpa)

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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