Frosttage gehen zurück

„War schon immer so“: Ist unser Gefühl falsch? So hat sich das Wetter seit 1970 wirklich verändert

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Warme Sommer – die gab es auch früher schon, oder? Die Wetterdaten aus den letzten Jahrzehnten zeigen, was sich seit 1970 wirklich getan hat.

München – Wie ist Ihr Gefühl: Waren die Sommer früher genauso heiß wie aktuell? Waren die Flüsse ab und an nicht auch mal ausgetrocknet? Gab es im Winter wirklich mehr Schnee und Frost? Gefühle sind im Gegensatz zu harten Fakten nicht gerade verlässlich. Der Deutsche Wetter-Dienst (DWD) sammelt seit Jahrzehnten genaue Zahlen zu Temperatur und Niederschlag. Durch diese große Menge an Daten lässt sich eine genaue Aussage darüber treffen, inwieweit sich unser Wetter seit dem Jahr 1970 wirklich verändert hat – im Gegensatz zu Volksweisheiten oder Allgemeinplätzen. Selbst über das Wetter im Jahr 2070 kann man anhand der Zahlen Voraussagen treffen.

So hat sich die Durchschnitts-Temperaturen im Winter geändert

Im Moment steckt Deutschland mitten im Wintereinbruch. Wie sahen die Winter damals aus? Fakt ist, dass während der Wintermonate (Anfang Dezember bis Ende Februar) ein Anstieg der Durchschnittstemperatur zu beobachten ist. In den 70ern wurden hierzulande nur in einem Winter (1974/75) mehr als drei Grad erreicht. Im Gegensatz dazu geschah das seit 2013 schon vier Mal. Nach Angaben des DWD gab es zum Jahreswechsel 2022/23 den zwölften zu warmen Winter in Folge. Ändern wir unsere Klimapolitik nicht, sind um das Jahr 2070 mittlere Wintertemperaturen von etwa 5 Grad nicht ausgeschlossen. Dann können wir uns wohl dauerhaft von Weißen Weihnachten verabschieden, wie wir sie dieses Jahr wohl mal wieder bekommen.

Wetter-Daten widerlegen Mythen: Durchschnitts-Temperaturen im Sommer

Der EU-Klimawandeldienst Copernicus berichtete jüngst, dass der Juli 2023 der global heißeste Monat seit vielen Jahrtausenden war. Insgesamt steigen die Temperaturen: Eine durchschnittliche Lufttemperatur von mindestens 18 Grad wurde in den Sommern der 1970er Jahre (Tage und Nächte zwischen 1. Juni und 31. August) kein einziges Mal erreicht. In den Sommermonaten zwischen 2013 und 2022 lag der Schnitt schon fünf Mal über 18 Grad - 2018, 2019 und 2022 sogar bei mehr als 19 Grad. Laut der DWD-Szenarien geht das auch so weiter: Wenn der Kampf gegen die Erderhitzung global nicht intensiviert wird, könnten ab 2070 jeden Sommer hierzulande mittlere Durchschnittstemperaturen von um die 20 Grad erreicht werden.

Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten

Polarlichter, auch als Aurora Borealis (Nordlicht) oder Aurora Australis (Südlicht) im Bundesstaat New York.
Polarlichter, auch als Aurora Borealis (Nordlicht) oder Aurora Australis (Südlicht) bekannt, sind beeindruckende Lichterscheinungen am Himmel. Sie entstehen durch Wechselwirkungen zwischen Sonnenwinden und der Erdatmosphäre und sind in der Nähe der Pole sichtbar. Oder wie hier im Bundesstaat New York. © IMAGO
Görlitz - Polarlichter über Sachsen zu sehen am 11.10.2024 in Görlitz
In Europa sind Polarlichter am besten in Skandinavien zu bewundern. Manchmal hat man aber auch in Deutschland Glück, wie hier in Görlitz in Sachsen. © Felix Leda/LausitzNews.de/ IMAGO
Ein Tornado über dem Gardasee.
Tornados sind extrem starke Wirbelstürme, die eine schmale, rotierende Säule aus Luft bilden, die vom Boden bis zur Wolkenbasis reicht. Sie sind für ihre zerstörerische Kraft bekannt und treten vorwiegend in den USA auf. Hier hat sich sogar einer über dem Gardasee gebildet. © IMAGO/Jöran Steinsiek
Kim Vanaken (L) und Schwester Angela Coble (M) vor ihrem zerstörten Haus durch El Reno, Oklahoma, USA, 01 June 2013.
Der bis heute größte je gemessene Tornado war der „El Reno Tornado“. Er erreichte einen maximalen Durchmesser von 4,2 Kilometern, sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 480 km/h. Der Tornado wütete 2013 über Oklahoma in den USA. Es kamen mindestens acht Menschen ums Leben, wobei mindestens 151 verletzt wurden. Hier betrachten zwei Schwestern das, was von ihrem Haus nach dem Sturm zurückgeblieben ist. © Larry W. Smith/dpa
Riesige Hagelkörner in einer Handfläche.
Hagelstürme sind mit Eiskörnern gefüllte Gewitter, die sich zu großen Hagelkörnern formen. Diese Körner können beträchtliche Größen erreichen und erheblichen Schaden an Gebäuden und Feldern anrichten. Hier wurde Bayern getroffen. © IMAGO/B&S/Bernd März
Graupelschauer im Frühling: Ein kräftiger, kurzer Graupelschauer hinterlässt die Graupelkörner in einer alten Dachrinne.
Graupel ist eine Form von Niederschlag, bei der Schneekristalle durch angefrorene Wassertröpfchen zu Kügelchen verklumpen. Graupelkörner sind im Vergleich zu Hagel deutlich kleiner und weisen lediglich einen maximalen Durchmesser von ein bis fünf Millimeter auf. © Gottfried Czepluch / IMAGO
Eisblumen an einem Fenster bei kaltem Wetter im Winter.
Eisblumen sind eine Sonderform von Raureif. Die Eiskristalle entstehen meist an dünnen Fensterscheiben mit schlechter Wärmeisolierung. Voraussetzung ist eine Außentemperatur unter 0 °C, eine hohe Luftfeuchtigkeit im Raum, eine geringe Wärmedämmung des Glases und Staubteilchen auf dem Glas. © HEIKO KUEVERLING / imageBROKER / IMAGO
Winterwetter in Sassenheim am 01.02.25: Person geht mit zwei Hunden an der Leine bei Nebel und Frost spazieren.
Nebel besteht wie Wolken aus feinen Wassertropfen. Man spricht erst dann von Nebel, wenn die Sichtweite weniger als einen Kilometer beträgt. © Nico Garstman / IMAGO
Eine Straußenherde flieht vor einem Sandsturm in der Kalahari Wüste in Südafrika.
Wüstenstürme, wie beispielsweise der berüchtigte Sandsturm, treten in ariden Regionen auf und bringen große Mengen an Staub und Sand mit sich. Sie können zu starken Sandverwehungen führen und die Sicht stark beeinträchtigen. Vor diesem Sandsturm in der Kalahari Wüste in Südafrika flieht eine Straußenherde. © Thomas Dressler/IMAGO
Saharastaub im Erzgebirge.
Saharastaub ist eigentlich in Deutschland gar nicht so ungewöhnlich. Im Schnitt zieht Wüstenstaub etwa fünf bis 15-mal pro Jahr aus der Sahara über Marokko und Frankreich nach Deutschland. Hier hat der Staub den Himmel über dem Erzgebirge rot gefärbt. © Oliver Kaufmann / dpa
Frauen halten Regenschirme, während sie bei starkem Regen in Kolkata, Indien, am 16. Oktober 2024 auf der Straße gehen.
Der Monsun ist eine großräumige, beständige Luftzirkulation (Luftströmung) im Bereich der Tropen und Subtropen. Besonderen Einfluss hat der Monsun auf das Klima auf dem Indischen Subkontinent. Hier bringt er im Winter Trockenzeiten und im Sommer Starkregenereignisse (Monsunregen), wie hier in Kolkata (Indien). © Sudipta Das / IMAGO
Gewitterblitz schlägt in den Großen Feldberg bei Frankfurt ein.
Gewitterblitze sind elektrische Entladungen, die während Gewittern auftreten. Sie erzeugen helle Lichtblitze und begleitenden Donner. Gewitterblitze können sowohl in Wolken als auch zwischen Wolken oder zwischen Wolken und dem Boden auftreten. Hier schlägt ein Blitz in den Großen Feldberg bei Frankfurt ein. © IMAGO/Jan Eifert
14.08.2024: Gewitterzelle über Thüringen mit lila Wolkenstimmung und Windrädern.
Donner sind sehr laute Schallwellen, die bei einem Gewitter entstehen. Wenn es blitzt, wird die Luft um den Blitzkanal schlagartig bis auf 30.000 Grad erhitzt. Durch die gewaltige Hitze dehnt sich die Luft um den Blitzkanal wie bei einer Explosion aus. Diese plötzliche Ausdehnung führt wiederum zu einem lauten Krachen, das wir als Donner bezeichnen. © christian heilwagen / IMAGO
Hier steuert der Zyklon Mocha auf Myanmar zu.
Zyklone sind großräumige Tiefdrucksysteme, die sich über den Ozeanen bilden. Sie können sich zu extremen Stürmen entwickeln und starke Winde, Regen und Wellen verursachen. Zyklone werden in verschiedenen Teilen der Welt mit unterschiedlichen Namen bezeichnet, wie z. B. Hurrikane oder Taifune. Hier steuert der Zyklon Mocha auf Myanmar zu. © Cover-Images/IMAGO
Ein Mann mit einem kaputten Schirm im Typhoon Nina, Schwarz-Weiß-Foto 1975.
Der verheerendste Taifun im 20. Jahrhundert war Taifun Nina im August 1975 in China. Durch den Taifun brachen zwei große Staumauern und zehn kleinere. Die dadurch verursachten bis zu zehn Meter hohen Flutwellen töteten 100.000 Menschen. Hier versuchen die Menschen während des Taifuns, sich mit Schirmen vor Wind und Regen zu schützen. © Chan Kiu / IMAGO
Verwüstungen des Hurrikans Patricia am Freitag, dem 23. Oktober 2015.
Hurrikane sind tropische Wirbelstürme der Nordhalbkugel. Ab einer Windgeschwindigkeit von 118 Kilometern pro Stunde erhalten sie die Bezeichnung „Hurrikan“. Das entspricht der Windstärke 12 auf der Beaufort-Skala. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 345 Kilometern pro Stunde war Hurrikan Patricia der stärkste Hurrikan, der bisher aufgezeichnet wurde. Er verwüstete große Teile Zentralamerikas, wie hier eine Stadt in Mexiko. © Agencia EL UNIVERSAL Ramon Romero JMA / IMAGO
Tief Bernd: Menschen versuchen sich im Harz bei Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h auf den Beinen zu halten.
Orkane sind Stürme ab einer Windstärke von 12 auf der Beaufort-Skala. Sie treten nur in Mitteleuropa auf und entstehen bei größer werdenden Temperaturunterschieden zwischen den südlichen Ländern und der Polarregion. Hier versuchen sich die Menschen im Harz bei einer Windgeschwindigkeit von über 130 km/h auf den Beinen zu halten. © Bernd März / IMAGO
Regenbogen im Weserbergland zwischen Halle und Bremke.
Regenbogen entstehen, wenn Sonnenlicht durch Regentropfen gebrochen und reflektiert wird. Dadurch entsteht ein buntes Lichtspektrum, das am Himmel sichtbar wird. Regenbögen sind oft nach Regenschauern zu sehen, wie hier im Weserbergland zwischen Halle und Bremke. © Ulrich Stamm/IMAGO
Halo-Erscheinung mit Zirkumzenitalbogen und Nebensonnen auf dem Weg zum Fichtelberg am Hotel Sachs.
Haloerscheinungen bestehen aus hellen Kreisen, Bögen oder Flecken am Himmel. Sie entstehen durch Brechung und Spiegelung des Lichts an Eiskristallen. Haloerscheinungen sind auch gar nicht so selten, wie man denkt. Durchschnittlich kann man sie an sechs bis sieben Tagen im Monat beobachten. © Hanke / IMAGO
Staubteufel auf einer Baustelle in Essen.
Staubteufel sind kleine Wirbelwinde, die aus aufgewirbeltem Staub oder Sand bestehen. Sie entstehen durch lokale Temperaturunterschiede und können in Wüsten oder trockenen Gebieten beobachtet werden – oder wie hier auf einer Baustelle in Essen. © Gottfried Czepluch/IMAGO
Reif umzieht Herbstlaub.
Reif – die kleine weiße Schicht kann man an vielen Wintertagen morgens auf dem Boden oder auf den Windschutzscheiben von Autos beobachten. Reif entsteht, wenn die Lufttemperatur unter den Gefrierpunkt fällt und der in der Atmosphäre vorhandene Wasserdampf direkt in Eis übergeht. Sobald die Temperaturen auf größeren Flächen unter den Gefrierpunkt sinken, werden auch ganze Wiesen und Felder weiß. © Bernd Leitner / IMAGO
Morgentau bei Sonnenaufgang auf Grashalmen auf einer Wiese in, Rottweil, Baden-Württemberg.
Tau ist das Gegenstück zum Rau. Hier wandelt sich der gasförmige Wasserdampf in flüssiges Wasser um, er kondensiert also. Dieses Phänomen lässt sich meistens in den frühen Morgenstunden beobachten. © Silas Stein/IMAGO
Föhnwind in München mit Fernsicht bis zu den Alpen.
Föhnwinde sind trockene, warme und fallende Winde, die auf der Leeseite von Gebirgen auftreten. Sie können starke Temperaturänderungen und Trockenheit verursachen und sind in Regionen mit Gebirgen wie den Alpen häufig. In München hat man an einem Tag mit Föhnwind oft eine Fernsicht bis zu den Alpen. © Christian Offenberg/IMAGO
Schneesturm in den USA, New Orleans: Mann geht zugeschneite Landschaft im Schneegestöber entlang.
Schneestürme sind eine Mischung aus starken Sturmböen und Schnee. Sie können mehrere Meter Neuschnee mit sich bringen und das Sichtfeld stark einschränken. Nordamerika ist häufig von Schneestürmen betroffen, wie hier in New Orleans in den USA. © Gerald Herbert / dpa
Person schippt Schnee im Gestöber.
Ein Blizzard ist ein heftiger Schneesturm mit starkem Schneefall und hohen Windgeschwindigkeiten. Er führt zu Schneeverwehungen, stark eingeschränkter Sicht und gefährlicher Kälte. Blizzards sind extrem und erfordern Vorsicht, um sich vor den Gefahren zu schützen, die sie mit sich bringen. Sie treten vermehrt in Nordamerika auf. © IMAGO

Immer mehr Tage über 40 Grad Celsius: Künftig jedes Jahr möglich

Auch einzelne Ausreißer der Temperatur nach oben gibt es mittlerweile deutlich mehr. Nie im gesamten Jahrzehnt der 1970er kletterten in Deutschland die Temperaturen auf 40 Grad. Dieser Wert wurde erstmals 1983 an zwei Wetterstationen gemessen. Seit 2013 wiederum zeigten mehr als 30 Stationen hierzulande diesen Wert an (in den Hitzewellen 2015, 2019 und 2022). Dieser bedenkliche Trend geht wohl auch weiter: Experten gehen davon aus, dass in wenigen Jahrzehnten in jedem Sommer irgendwo in Deutschland solch eine Temperatur erreicht werden könnte.

„Tropennächte“ mit mindestens 20 Grad Celsius: So hat sich das Wetter verändert

In den 70ern gab es deutschlandweit im Schnitt rund 0,13 dieser warmen Nächte pro Jahr. In den zehn Jahren zwischen 2013 und 2022 wiederum lag der Wert bei mehr als 0,5. Um 2070 prognostiziert der DWD, dass es im Mittel zwischen 3 und 9 Tropennächte geben könnte – falls der Klimawandel sich ungebremst fortsetzt.

Frosttage: 24 Stunden lang unter 0 Grad Celsius gibt es immer seltener

Auch sind zuletzt die Tage, an denen durchgehend Frost herrscht, merklich zurückgegangen. In den gesamten 1970er Jahren gab es dem Wetterdienst zufolge jährlich im Mittel 17,8 Tage, an denen die Temperaturen nicht auf über null Grad kletterten. Dagegen waren es zwischen 2013 und 2022 nur 12,6 Tage. Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Eistage bis 2070 weiter abfällt auf dann teils weit weniger als 10 pro Jahr.

Kaum Änderungen bei der Niederschlagsmenge

Was Niederschlag angeht, hat sich seit 1970 wenig getan. Die jährliche absolute Menge an Regen und Schnee verändert sich seit Jahrzehnten nur minimal. Auch für die Zukunft prognostiziert der DWD einen vieljährigen Mittelwert in Deutschland von reichlich 800 Millimetern. Nur die Verteilung verschiebt sich: Im Winter gibt es mehr, im Sommer weniger Regen. „Starkregen hat tendenziell zugenommen“, äußert der DWD-Agrarmeteorologe Andreas Brömser. „Und wir gehen davon aus, dass er weiter zunehmen wird, weil die Atmosphäre bei steigender Temperatur mehr Wasser aufnehmen kann.“

Ausgetrockneter Teilabschnitt des Flusses Schwarze Elster in Südbrandenburg im vergangenem Sommer.

Immer mehr Dürre und Trockenheit in Deutschland

Dürren hingegen treten immer häufiger auf. Doch sei abzuwarten, ob es sich dabei um eine längerfristige Entwicklung oder eine Schwankung von ein paar Jahren handle, so Meteorologe Brömser vom DWD. Dem Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung zufolge gab es auch im Deutschland der 1970er Jahre Zeiten, in denen die Böden bis in zwei Meter Tiefe sehr trocken waren, etwa 1976 im Norden und Westen Deutschlands. Allerdings habe sich die betroffene Fläche und die Intensität vergrößert. (cgsc mit dpa)

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