VonMichelle Breyschließen
Der enorme Andrang an Touristen macht Südtirol zu schaffen. Eine konkrete Gegenmaßnahme wurde bereits beschlossen. Doch nicht überall löst das Jubelschreie aus.
Bozen - Jahr für Jahr aufs Neue ist Italien eines der beliebtesten Urlaubsziele. Wenn der Sommer vor der Tür steht, zieht es viele in das Nachbarland Deutschlands, um die Natur und traditionelle Speisen wie Pizza und Pasta zu genießen. Während der Gardasee mit extremer Trockenheit zu kämpfen hat, geht Südtirol gegen den Massentourismus vor. Ein Projekt der Region, das nicht vollkommen unumstritten ist, sieht einen Bettenstop vor.
Italien: Bettenstop in Südtirol – darum geht es konkret
„Wir haben die Grenze unserer Ressourcen erreicht, wir hatten Probleme mit dem Verkehr und die Bewohner haben Schwierigkeiten, bezahlbaren Lebensraum zu finden“, so umriss Arnold Schuler, Südtiroler Landesrat und damit verantwortlich für den Tourismus in der Provinz, die Situation gegenüber dem Nachrichtensender CNN im April 2023.
Die Folge: Eine Bettenobergrenze, die Teil des sogenannten Landestourismusentwicklungskonzeot 2030+ ist. Durch einen Bettenstop sollen zu den bestehenden Betten in touristischen Betrieben keine neuen mehr hinzukommen. Wörtlich heißt es in dem Dokument: „Die Festlegung einer sogenannten Bettenobergrenze wird vor allem in Regionen angestrebt, die sehr tourismusintensiv sind und ein hohes Gäste- und Besucheraufkommen aufweisen. Die Einführung einer regionalen Bettenobergrenze ist ein klares Bekenntnis zum Grundsatz ‚Qualität vor Quantität‘ mit dem Ziel, quantitatives Wachstum einzuschränken und hierfür auch die Förderungen entsprechend umzustrukturieren.“
Bettenstop in Südtirol: Ziel sei es nicht, dass es in allen Gemeinden gleichviel Tourismus gebe
Das Ziel sei es nicht, so Schuler gegenüber der Deutschen Welle, der zuständig ist für den Bettenstop, dass es in allen Südtiroler Gemeinden gleichviel Tourismus gebe. Bereits 2022 war der Bettenstop beschlossen worden. Hintergrund war die Änderung des Gesetzes „Raum und Landschaft“ am 21. Juli 2022, wie die Autonome Provinz Bozen - Südtirol mitteilte.
- Die Zahl der Touristen in der Urlaubsregion Südtirol soll künftig das Niveau aus dem Jahr 2019 nicht mehr überschreiten. Die Erhebung der bis dahin bestehenden Gästebetten wurde im März 2023 um drei Monate verlängert. Bis zum 30. Juni sollen also alle Unternehmen den Behörden mitteilten, wie viele Gäste sie im Jahr 2019 tatsächlich beherbergt haben.
- Neue Übernachtungsmöglichkeiten dürfen nicht ohne vorherige Erlaubnis der zuständigen Gemeinde genehmigt werden. Hierzu zählen auch Airbnbs.
Bettenstop in Südtirol: Konzept stößt auch auf Kritik - „Nicht akzeptabel“
„Eine halbherzige Maßnahme“, nannte Josef Oberhofer, Vorsitzender des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz, die Bettenobergrenze, wie die Deutsche Welle berichtete. Er beklagt Schlupflöcher. Es gebe zu viel Ausnahmen und Sonderregelungen. Dass die Frist, in der die Betten gemeldet werden müssen, verlängert wurde, sei ein Beispiel dafür. Die Politiker versuchten es ihm zufolge, der Tourismuslobby recht zu machen.
Manfred Pinzger, Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV), sagte gegenüber der Deutschen Welle: „Es ist nicht akzeptabel, dass die gesamte Provinz über einen Kamm geschoren wird. Es gibt Gegenden, wo jeder vernünftiger Politiker froh wäre, wenn sich touristisch noch etwas entwickeln würde.“
Bettenstopp in Südtirol: Umweltschützer will Ende der Bewerbung der Region als touristische Destination
Das übergeordnete Ziel sei es, eine nachhaltige und raumverträgliche Tourismusentwicklung in Südtirol auf den Weg zu bringen, die von breiten Bevölkerungskreisen unterstützt wird. So wurde es in dem Landestourismusentwicklungskonzept 2030+ formuliert. Ob das letztlich auch der Fall ist, wird sich wohl erst mit der konkreten Umsetzung der Bettenobergrenze zeigen. Dabei ist ein Tourismus-Stopp, wie er in Südtirol dadurch indirekt stattfinden wird, kein Novum. Auch in anderen Urlaubsländern wurde eine Obergrenze eingeführt, um dem Massentourismus Herr zu werden.
Josef Oberhofer, Umweltschützer, ist hingegen der Meinung, dass es andere Maßnahmen benötige, um den Andrang an Touristen zu stoppen. So müsste man etwa aufhören, die Region Südtirol überhaupt als touristische Destination zu bewerben. Eins ist aber klar: Auch mit dieser Idee dürften Vertreter der Hotellerie nicht ganz einverstanden sein. (mbr)
