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Die aggressive Blaukrabbe breitet sich an Italiens Adria weiter aus. Die Regierung in Rom kündigt Sofortmaßnahmen an.
München/Venedig – Zwischen Gardasee, Rom, Amalfiküste, Sizilien und Venedig gehören Venus- und Miesmuscheln auf die Speisekarten vieler Touristen-Restaurants. Doch: An der Adria in Italien, wo es ganze Muschelfarmen zur Zucht der Schalentiere gibt, bereitet eine wohl besonders aggressive Krabbenart den Fischern und Produzenten gehörig Probleme. Die Rede ist von der sogenannten Blaukrabbe, auch Blaue Schwimmkrabbe genannt.
Venusmuscheln und Miesmuscheln bedroht: Blaukrabbe macht an der Adria Sorgen
Eigentlich ist die Blaukrabbe im westlichen Atlantik heimisch. Doch immer häufiger taucht sie in anderen europäischen Gewässern auf. Im Mai wurde sie etwa sensationell erstmals in der Ostsee nachgewiesen. Im italienischen Teil der Adria kommt sie mittlerweile wohl sogar in großer Zahl vor.
Die Blaukrabbe bereitet mit ihrem Hunger einem ganzen Wirtschaftszweig Sorgen. Konkret der landwirtschaftlichen Zucht der Schalentiere und damit der Lebensmittelindustrie. Besonders der Gastronomie in der nördlichen Adriaregion bereitet sie Kopfschmerzen. Zum Beispiel in Rimini, das mit Partyurlaubern kämpft. Oder in Venedig und in Udine, wo Hagelschauer zuletzt für Winterbilder gesorgt haben. Die italienische Regierung in Rom hat laut dem österreichischen Nachrichtenportal oe24.at nun Maßnahmen gegen die Ausbreitung der tückischen Krabbenart beschlossen.
Blaukrabbe an der Adria: Italienische Regierung beschließt Sofortmaßnahmen
So wurden 2,9 Millionen Euro an Soforthilfe beschlossen, die in die Eindämmung der mutmaßlich aggressiven Krabben investiert werden soll. Das Landwirtschaftsministerium begründete dieses Budget damit, dass Italiens weltweit führende Muschelproduktion bedroht sei. Die Gelder sollen an Fischereigenossenschaften gehen, die mit einer groß angelegten Aktion versuchen, den Bestand an blauen Krabben einzudämmen, hieß es laut oe24.at am Montag (7. August) aus dem Kabinett in Rom. Denn: Die Blaukrabbe soll neben Schalentieren kleinere Fische sowie Fischrogen fressen, wird in dem Bericht erklärt, und sie soll stellenweise sogar Fischernetze zerschneiden.
Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida hatte am Sonntag (6. August) eigens das Delta der Po-Ebene in Norditalien bei Chioggia südlich von Venedig besucht, wo in lagunenartigen Wasserfeldern Miesmuscheln und andere Schalentiere gezüchtet werden und wo der Befall durch Blaukrabben besonders heftig sein soll. Auch die dortigen Adria-Fischer gehen offenbar gegen die Blaukrabbe vor. So beliefern sie dem Vernehmen nach verstärkt Restaurants bei Venedig und Triest, die die Blaukrabbe auf die Speisekarte gesetzt haben.
Blaukrabbe an der Adria: Appell an italienische Köche
Aus dem Parlament gab es zudem einen Appell an italienische Köche, Gerichte mit der Blaukrabbe zu kreieren. Der Abgeordnete Mauro Malaguti wird mit den Sätzen zitiert: „Die Blaukrabbe ist köstlich, man kann damit ausgezeichnete Spaghetti zubereiten und neue Rezepte erfinden. Wir müssen die besten Rezepte mit Blaukrabben auszeichnen. So können wir den Fang steigern und unsere Meere von dieser aggressiven Tierart befreien.“ (pm)

