VonNatascha Bergerschließen
Verrückte Schwangerschaft in einem Aquarium in den USA: Ein Stachelrochen erwartet Nachwuchs, ohne männlichen Artgenossen. Wahrscheinlich hat ein Hai hat den Rochen geschwängert.
Hendersonville – Eine mysteriöse Schwangerschaft sorgt derzeit im US-Bundesstaat North Caroline für Aufsehen. Ein Stachelrochen namens Charlotte erwartet Nachwuchs. Und das, ohne mit männlichen Artgenossen überhaupt Kontakt gehabt zu haben. Die Theorie der Mitarbeiter im Aquarium: Einer der beiden Haie im gleichen Becken hat den Stachelrochen geschwängert. Kommt es hier zu einer sensationellen Tier-Kreuzung?
Hat ein Hai einen Stachelrochen geschwängert? Bisswunden könnten Indiz sein
Im September bemerkten die Mitarbeiter des Aquariums erstmals, dass der Stachelrochen anschwoll und innere Wucherungen aufwies. Während die Experten erst dachten, es handelt sich um Krebs, zeigte eine Ultraschalluntersuchung den wahren Grund. Der Stachelrochen ist schwanger und erwartet gleich mehrere Babys. Im Becken waren jedoch nie männliche Rochen, die Charlotte hätten befruchten können. Stattdessen gesellten sich jedoch Mitte Juli zwei junge Bambushaie in das Becken des Stachelrochens. Ein Video auf Facebook zeigt den Stachelrochen und wie die Mitarbeiter einen Ultraschall durchführen.
Eine Mitarbeiterin des Aquariums und Hai-Labors in Hendersonville sagt gegenüber Daily Mail, dass Haie bei der Paarung gerne mal zubeißen. Der schwangere Rochen hatte, als die Schwangerschaft festgestellt wurde, mehrere Bisswunden an ihren Flossen. Für Menschen enden hingegen Bisse von Haien nicht selten mit dem Tod – doch ein Experte mahnt bei Hai-Attacken zur Ruhe.
Hai als möglicher Vater von Stachelrochen-Nachwuchs – Andere Theorie auch möglich
Ob einer der beiden Haie wirklich für die Schwangerschaft von Charlotte verantwortlich ist, wird sich erst nach der Geburt der vier Jungtiere zeigen. Dann könne mit einem DNA-Test festgestellt werden, ob es sich um eine Kreuzung der beiden Meerestiere handelt. Eine andere Theorie der Tierärzte und Mitarbeiter: Parthenogenese, die sogenannte Jungfernzeugung. Bei Parthenogenese entsteht Nachwuchs aus unbefruchteten Eizellen. Das Weibchen braucht für die Befruchtung also keinen männlichen Artgenossen. Der DNA-Test würde in diesem Fall zeigen, dass die Jungtiere Klone ihrer Mutter wären.
Wie eine Studie aus dem Fachmagazin Current Biology zeigt, wäre es nicht das erste Mal, dass sich Rochen ohne Partner fortpflanzen. 2015 konnte ein Forscherteam erstmals feststellen, wie sich die vor dem Aussterben bedrohten Sägerochen in freier Wildbahn eingeschlechtlich fortpflanzten. Die Jungfernzeugung kommt vor allem bei Tieren in Gefangenschaft, meist Vögeln oder Reptilien, vor. Insgesamt sei dies jedoch selten, so die Tierärzte des Aquariums in North Carolina. Die Befruchtung durch einen Hai schließen sie vor allem wegen der Bisswunden nicht aus.
Zeugten Hai und Stachelrochen in den USA eine neue Hybrid-Tierart?
Bis zu vier Jungtiere soll der Stachelrochen auf die Welt bringen. Schwanger sind die Meerestiere meist drei bis vier Monate, der Geburtstermin sollte um den 9. Februar sein. Noch steht die Geburt allerdings aus und es bleibt vorerst noch spannend, ob einer der Haie tatsächlich der Vater der Babys ist. Auch wie die Tiere aussehen könnten, ist noch unklar. Zuletzt gelangen Dokumentarfilmern spektakuläre Bilder eines neugeborenen weißen Hais.
Wenn Hai und Stachelrochen in North Carolina wirklich Nachwuchs gezeugt haben, würde dies ein neues Hybrid-Tier bedeuten. Bekannte Kreuzungen sind beispielsweise Liger, das Ergebnis der Kreuzung von Löwen und Tigern, Zorses aus Zebras und Pferden oder der Narluga, eine Mischung aus Narwalen und Belugawalen. Kreuzungen in der Tierwelt sind zwar ungewöhnlich, aber nicht selten. Laut National Geographic könnte es vor allem in Zukunft immer mehr Hybrid-Tiere geben, da sich Lebensräume durch den Klimawandel verschieben. Während Kreuzungen für die Genforschung und Evolution von großer Bedeutung sein können, können sie eine Spezies auch schwächen, da Hybride oft anfälliger für Krankheiten sind und eine niedrigere Lebenserwartung haben.
Rubriklistenbild: © IMAGO / Pond5 Images & IMAGO / Wirestock

