Die Fridays-for-Future-Aktivistin Elisa Bas soll in sozialen Medien von einer „Pogrom-Stimmung“ gesprochen haben – aber nicht gegen Juden. Der Aufruhr ist groß.
Update vom 17. Oktober, 15.31 Uhr: Fridays for Future (FFF) hat sich von umstrittenen Äußerungen (siehe Erstmeldung), die Elisa Bas getätigt haben soll, distanziert. „Die auf ihren privaten Accounts geteilten Aussagen stehen nicht für die Organisation“; teilte die FFF-Pressestelle in einer E-Mail an Medienvertreter mit.
Weiter betonte sie, dass FFF den Terrorangriff der Hamas auf Israel „auf Schärfste“ verurteilt und dass FFF Deutschland sich immer wieder „klar und unmissverständlich“ gegen jeden Antisemitismus positioniere. „Wir leben in einer strukturell antisemitischen Gesellschaft, dabei stehen alle gesellschaftlichen Akteure in großer Verantwortung“, heißt es in der Mitteilung unter anderem.
Pogrom-Aussage: Knobloch fordert Erklärung von Fridays for Future
Update vom 17. Oktober, 14.08 Uhr: Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat sich exklusiv gegenüber IPPEN.MEDIA zu dem Eklat um die Israel-Aussagen der Klima-Aktivistin Elisa Bas geäußert.
Sie betont: „So klar Fridays for Future Deutschland den Terror der Hamas gegen israelische Zivilisten verurteilt hat, so deutlich muss die Organisation auch zu den Entgleisungen von Frau Baş Stellung beziehen. Ich kann nur hoffen, dass sie mit ihren extremen Äußerungen, die die Realitäten in Israel und Deutschland völlig auf den Kopf stellen, nicht die Position von FFF vertritt.“
FFF-Aktivistin sorgt mit Pogrom-Aussage für Entsetzen – Grüne: „An Bosheit kaum zu übertreffen“
Erstmeldung von Dienstag, 17 Oktober: Berlin – Stellungnahmen zum Israel-Krieg kommen zur Zeit von allen Seiten – oft lösen sie Kontroversen aus. So auch im Fall von Elisa Bas. Die 22-Jährige ist Mitglied von Fridays for Future (FFF) und war bis vor Kurzem als deren Sprecherin aufgeführt. Wie die Bild berichtete, postete sie auf Instagram einen Kommentar zu einem Zitat von Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Schuster hatte zuvor in der Bild Demonstrationen in Deutschland verurteilt, in denen Sympathisanten der Hamas deren Terror in Israel bejubeln. Bas soll das am Sonntag (15. Oktober) nun auf Instagram kommentiert haben: „In Deutschland herrscht eine Pogromstimmung gegen Palästinenser:innen, und Schuster heizt sie an.“
Die Pressestelle von Fridays for Future beantwortete eine Anfrage von IPPEN.MEDIA zu dem Vorfall zunächst nicht. Der Bild zufolge nahm Bas am Sonntag auch an einer Mahnwache in Berlin teil, auf der es zu antisemitischen Ausrufen kam.
Aussage zum Israel-Krieg von ehemaliger Fridays-for-Future-Sprecherin sorgt für Eklat
Der entsprechende Eintrag wurde inzwischen gelöscht, doch es kursieren noch vermeintliche Screenshots im Netz. Auch die Botschaft Israels in Berlin griff den Screenshot auf und kommentierte sichtlich empört: „Sie implizieren mit ihrem Post auf Instagram übrigens, dass alle Palästinenser in Deutschland den Hamas-Terror feiern würden. Wir können auch keine Pogromstimmung gegen Palästinenser in Deutschland feststellen, sondern wenn, dann gegen Juden.“ Die Botschaft setzte in ihrem Post auf X hinzu: „Wenn man etwas als Pogrom bezeichnen kann, dann den jüngsten Terroranschlag der Hamas gegen Israelis.“
Mit Blick auf Fridays for Future schloss die Botschaft: „Dieser Vorfall muss Konsequenzen haben. Ihr gefährdet (mal wieder) Jüdinnen und Juden in Deutschland, in einer Zeit, in der ihnen ohnehin schon viele nach dem Leben trachten wollen.“
Liebe Elisa Bas, sinnerfassendes Lesen lernt man eigentlich in der Grundschule...
— Botschaft Israel (@IsraelinGermany) October 17, 2023
Der Präsident des Zentralrat der Juden hat geschrieben, "wer die blutrünstige Barbarei des Hamas-Terrors auf deutschen Straßen feiert", ist ein Barbar, nicht alle Palästinenser in Deutschland. Sie… https://t.co/hp0KYeclhY
Eklat um Fridays-for-Future-Aktivistin Elisa Bas nach Äußerungen zum Israel-Krieg
Die Bild schrieb in ihrem Bericht noch weiter: „In einem weiteren Posting über palästinensische Kinder schreibt Bas außerdem: ‚Schweigen hilft niemals den Unterdrückten, es schützt die Täter. Es nimmt die Unterdrückung billigend in Kauf, lässt es geschehen. Den Genozid und das Gezwungen werden, zu einem Genozid zu schweigen.‘“
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert




In dem Blatt äußerten sich inzwischen auch zwei Grünen-Politiker. „Solche Vergleiche verbieten sich und sind an Bösartigkeit kaum zu übertreffen“, sagte der Bundestagsabgeordnete Marcel Emmerich zu Bild. Er habe „von keiner Anti-Palästina-Demo gehört, aber auf zahlreichen Anti-Israel-Demos wird der blutige Terror der Hamas auf widerliche Weise gefeiert“. Ebenfalls die Grünen-MdB Marlene Schöneberger kritiserte Bas‘ Äußerungen im Gespräch mit der Bild und sprach von Täter-Opfer-Umkehr. Auch die Bild berichtet bislang, ohne ein Statement von Bas oder Fridays for Future zu dem Vorfall erhalten zu haben. (frs)
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