- VonAnna Lorenzschließen
In einem Interview spricht der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, über die deutsche Corona-Politik, Impfpflicht und die häusliche Isolation.
Ferney-Voltaire - Via Skype äußerte sich der Vorsitzende des Weltärztbundes, Frank Ulrich Montgomery, im Interview mit „RTL Direkt“ zur aktuellen Lage Deutschlands im Angesicht der Corona-Pandemie. Die Ansichten, die der 69-jährige Hamburger mit den Zuschauern teilt, waren deutlich - und nicht arm an Kritik für die deutsche Politik, allen voran Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).
Corona-Politik: Isolationspflicht oder nicht? Montgomery kritisiert „furchtbaren Hickhack“
Stein des Anstoßes, sowohl für das Interview also auch den deutlichen Unmut Montgomerys, war die von Lauterbach kürzlich vorgeschlagene Aussetzung der Isolationspflicht zugunsten der freiverantwortlichen Handhabung. „Die Isolation und Quarantäne werden von den Gesundheitsämtern kaum mehr kontrolliert. Die Arbeit ist fast nur bürokratische Dokumentation, hat kaum Einfluss auf die Fallzahlen. Daher reicht hier Eigenverantwortung. Was hilft sind Masken und Impfungen“, so der Gesundheitsminister am 4. April auf Twitter. Nur zwei Tage später änderte der Politiker auf selbiger Plattform jedoch seine Meinung deutlich.
„Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Coronainfektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen. Hier habe ich einen Fehler gemacht. Das entlastet zwar die Gesundheitsämter. Aber das Signal ist falsch und schädlich.“ Ein „furchtbarer Hickhack“, bewertete Montgomery die Situation. Es sei „eine weitere Episode der vielen“, so der Mediziner, „merkwürdigen“, sowie „widersprüchlichen Geschichten“, die in letzter Zeit aus der deutschen Politik rund um das Coronavirus zu vernehmen waren. Schon seit Pandemiebeginn spart Montgomery nicht an heftigen Worten zur Corona-Lage in Deutschland. Seine neuerliche Einschätzung fällt entsprechend barsch aus: „Gut, dass er sich noch korrigiert hat, bevor hier wirklich irgendwelcher Unsinn beschlossen worden ist“, sagte Montgomery nun über Lauterbach.
Corona-Politik: Unerbittliches Urteil über Lauterbach und die Ampel
Montgomery, der, wie obiges Video zeigt, generell ein Mann deutlicher Worte ist, sparte auch im weiteren Verlauf des Interviews nicht mit Kritik an der Ampel-Koalition: „Die ganze Politik ist ja unterirdisch geworden“, urteilte der Vorsitzende des Weltärzteverbands, der insbesondere auch die Tatsache, dass wegweisende, politische Fragen neuerdings nicht selten direkt über Twitter und Co. publik gemacht werden, wenig niveauvoll findet. „Hier geht es um Verteilung von Lebenschancen“, prangerte der Mediziner das Missverhältnis von Gravität der Materie und Ungezwungenheit der Diskursform an. „Ich finde das langsam wirklich unwürdig.“ Doch auch mit der restlichen Regierung ging er hart ins Gericht. Deutschland fehle in der Frage der Corona-Politik „doch sehr ein Kapitän“.
Corona-Pandemie: Welche Regeln hält Montgomery selbst für sinnvoll?
Was seiner Ansicht nach zu tun wäre, um gelingende Corona-Politik zu betreiben, beschrieb Montgomery zügig und selbstbewusst: Die Impfung und auch eine diesbezügliche Pflicht seien eine „gute Präventionsmaßnahme“, eine Isolation im Falle einer Covid-Infektion „richtig und [...] vernünftig“. Man könne im Laufe des Jahres sehen, ob Lockerungen hier vorstellbar würden, „ganz abschaffen geht aber“, so der Mediziner, „meines Erachtens noch nicht, solange wir noch so viele ungeimpfte Menschen haben“. Bis sich dies ändere, sei eine mindestens fünftägige Isolation sowie im Optimalfall zusätzlich ein negativer Test „zum Freitesten“ allerdings unumstößlich nötig. (askl)