Massiver Niederschläge und Unwetter

Katastrophenalarm in Österreich: Hochwasser-Lage „verschärft sich“ – Stausee droht überzulaufen

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Hochwasser in Österreich: Viele Gewässer, wie hier an einer Inn-Staustufe, haben einen gefährlichen Pegelstand erreicht. (Symbolbild)
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    Andreas Knobloch
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Angespannte Hochwasserlage nach Unwettern in Österreich: Niederösterreich ist Katastrophengebiet und ein Staudamm könnte die Lage weiter verschärfen.

Update vom 16. September, 13.45 Uhr: Das Bundesland um Wien ist vom Hochwasser so stark getroffen wie nie zuvor und komplett zum Katastrophengebiet erklärt worden. Am Stausee Ottenstein wird durch die Hochwasserklappen kontrolliert Wasser abgelassen. Das soll plötzliche Flutwellen verhindern, verschärft aber zunächst flussabwärts am Lauf des bereits angeschwollenen Flusses Kamp die dramatische Hochwasserlage. Der kontrollierte Ablauf sei von zunächst 130 Kubikmetern Wasser pro Sekunde auf 250 erhöht worden, wie ein Sprecher kurier.at am Montagmorgen mitteilte. Anwohnende und Tausende Freiwillige versuchten, ihre Häuser mit Sandsack-Wällen zu schützen.

Update vom 15. September, 14.03 Uhr: Bei der Hochwasser-Lage in Österreich schauen alle auf den Staudamm in Ottenstein. Nachdem in einigen Hochwassergebieten Österreichs innerhalb von vier Tagen so viel Regen gefallen ist wie sonst im gesamten September, ist die Lage vor allem im Katastrophengebiet in Niederösterreich prekär. Wie das Geosphere Austria, die Bundesanstalt für Geologie, Geophysik, Klimatologie und Meteorologie berichtet, seien unter anderem an der Wetterstation in St. Pölten, der Hauptstadt des Bundeslandes Niederösterreich, 300 bis 350 Millimeter gefallen, was in etwa 350 Litern pro Quadratmeter entspricht. 

Katastrophenalarm in Österreich: Staudamm Ottenstein droht durch Hochwasser-Lage überzulaufen

Aufgrund der dramatischen Hochwasserlage in Österreich schauen die Einsatzkräfte in Niederösterreich mit einiger Sorge auf die Staumauer am Kraftwerk Ottenstein am Fluss Kamp. Dort steigt das Wasser und die Pegelstände unaufhörlich weiter. Weil der Dauerregen anhält, rechnet der Krisenstab damit, dass das Wasser am Nachmittag aus dem Staubecken über die Mauer läuft. Obwohl kontrollierte Wassermengen abgegeben werden, steigt der Wasserpegel unaufhörlich, erklärte der Sprecher des Energieversorgers EVN, Stefan Zach, der dpa. In ein bis zwei Stunden dürfte erstmals Wasser durch die Hochwasserklappen oben an der Staumauer fließen. Die Menge werde kontrolliert, betonte Zach.

Wenn das Wasser im See die Höhe der Hochwasserklappen erreiche, fließe zunächst wenig, beim Füllen des Sees immer mehr Wasser über die Mauer ab. „Je höher der Füllstand, desto mehr Wasser fließt über die Klappen“, sagte Zach. Im unteren Lauf der Kamp werde dies zu erheblichen zusätzlichen Wassermassen führen. „Es geht aber nichts unkontrolliert über Staumauer“, beruhigte Zach. „Wir können es steuern, dass nie mehr als 250 Kubikmeter pro Stunde abfließen.“ Diese Höchstmenge hatten die Behörden festgelegt, um größte Schäden weiter unten im Tal abzuwenden. 

Katastrophenalarm in Österreich: Stausee am Limit – Hochwasser-Lage „verschärft sich“

Erstmeldung vom 15. September, 9.03 Uhr: Wien – Die Unwetter, das Hochwasser und der überraschende Wintereinbruch haben Österreich fest in der Hand. Die massiven Regenmengen sorgen vor allem im Norden und Osten des Alpenlandes für Katastrophenalarm. Befürchtet wurde im Vorfeld der Unwetter eine Jahrhundertflut „wie im Ahrtal“. Ganz Niederösterreich wurde als erstes Bundesland am Sonntagmorgen zum Katastrophengebiet erklärt. Zudem bringt der flächendeckende Niederschlag vielerorts die Stauseen und Dämme an ihr Limit – so auch der Stausee Ottenstein im Waldviertel.

Bilder zeigen dramatisches Hochwasser in Österreich – Wassermassen fluten Wien

Ein Flusskreuzfahrtschiff hat in Wien am Anleger festgemacht. Die Passagiere das Schiff jedoch nicht verlassen, weil der Anleger im Hochwasser nicht zugänglich ist.
Ein Flusskreuzfahrtschiff hat in Wien am Anleger festgemacht. Die Passagiere das Schiff jedoch nicht verlassen, weil der Anleger im Hochwasser nicht zugänglich ist. Laut Berichten harren 140 Passagiere aus.  © Christoph Reichwein/dpa
Wassermassen rauschen durch den Wienfluss. In Wien hat sich die Hochwassersituation am Montag (16. September) leicht entspannt.
dpa_5FB2600029BB2BA0.jpg © Tobias Steinmaurer/dpa
Der Donaukanal ist am Sonntag (15. September) in der Innenstadt über die Ufer getreten.
Der Donaukanal ist am Sonntag (15. September) in der Innenstadt über die Ufer getreten. © Heinz-Peter Bader/dpa
Aufnahmen in den sozialen Netzwerken verdeutlichen den krassen Pegelanstieg des Wienflusses nach dem Starkregen in Österreich.
Normalerweise führt der Wienfluss nur wenig Wasser. Besonders im Sommer gleicht er eher einem Rinnsal. Nach den anhaltenden Regenfällen entwickelte er sich zu einem reißenden Fluss. (Collage) © X
Blick auf den Hochwasser führenden Wienfluss, ein Nebenfluss der Donau. Einzelne Wege sind bereits überflutet.
Blick auf den Hochwasser führenden Wienfluss, ein Nebenfluss der Donau. Einzelne Wege sind bereits überflutet. © Georg Hochmuth/dpa
Bereits in der Nacht auf Sonntag (15. September) stiegen in mehreren Bächen und Nebenflüssen in Wien die Wasserpegel rapide an. Sie verwandelten sich in reißende Fluten.
Bereits in der Nacht auf Sonntag (15. September) stiegen in mehreren Bächen und Nebenflüssen in Wien die Wasserpegel rapide an. Sie verwandelten sich in reißende Fluten. © @WienerPirat
Kanäle und Nebenflüsse der Donau in Wien schwellen binnen weniger Stunden stark an. Menschen sind nahe der Gewässer in ihren Wohnungen eingeschlossen.
Kanäle und Nebenflüsse der Donau in Wien schwellen binnen weniger Stunden stark an. Menschen sind nahe der Gewässer in ihren Wohnungen eingeschlossen. © X/@raphaelniedy
Vor allem der Wienfluss führt zu dem Hochwasser in der Stadt. Meterhohe Wellen schwappen dicht an Straßen entlang. An einigen Stellen ist der Wienfluss bereits über die Ufer getreten.
Vor allem der Wienfluss führt zu dem Hochwasser in der Stadt. Meterhohe Wellen schwappen dicht an Straßen entlang. An einigen Stellen ist der Wienfluss bereits über die Ufer getreten. © X/@krampuspopo
Brücken über dem Wienfluss sind unpassierbar. Zu gefährlich sind die strömenden Fluten. Gebiete wurden teils weiträumig gesperrt.
Brücken über dem Wienfluss sind unpassierbar. Zu gefährlich sind die strömenden Fluten. Gebiete wurden teils weiträumig gesperrt. © X/@MatthiasMarkel
Einsatzkräfte bei der Durchführung von Schutzmaßnahmen auf der U4 bei der Pilgramgasse in Wien. Die Männer bauen auf den Gleisen eine Hochwasserschutzmauer auf.
Einsatzkräfte bei der Durchführung von Schutzmaßnahmen auf der U4 bei der Pilgramgasse in Wien. Die Männer bauen auf den Gleisen eine Hochwasserschutzmauer auf. © Unbekannt/dpa
Der Pegel des Donaukanals in der österreichischen Hauptstadt steigt immer weiter. Die Promenade inklusive Bäume steht bereits unter Wasser.
Der Pegel des Donaukanals in der österreichischen Hauptstadt steigt immer weiter. Die Promenade inklusive Bäume steht bereits unter Wasser. © Montage: X/@kaufroli
Dramatische Situation am Schwedenplatz in Wien. Noch fließt auf diesem Bild am Ufer des Donaukanals noch der Verkehr. Erste Bäume wurden bereits mit den Wassermassen mitgerissen.
Dramatische Situation am Schwedenplatz in Wien. Noch fließt auf diesem Bild am Ufer des Donaukanals der Verkehr. Erste Bäume wurden bereits mit den Wassermassen mitgerissen. © X/@christianshaku5
Die Westautobahn bei Wien ist inzwischen aufgrund von Überschwemmungen gesperrt. Autofahrer sollen das Gebiet möglichst weiträumig umfahren und von Fahrten in die Hauptstadt absehen.
Die Westautobahn bei Wien ist inzwischen aufgrund von Überschwemmungen gesperrt. Autofahrer sollen das Gebiet möglichst weiträumig umfahren und von nicht nötigen Fahrten in die Hauptstadt absehen. © X/@vomWaldinsDorf

Hochwasser und Unwetter in Österreich sorgen für Katastrophenalarm: Stausee stößt ans Limit

Nach dem Unwetter, den anhalten Regenfällen und der drohenden Jahrhundertflut in Österreich wurden bereits am Samstagabend 42 Gemeinden und am frühen Morgen zwei weitere Bezirke in Niederösterreich wegen Überflutungsgefahr der Katastrophenalarm ausgerufen. Viele der Gemeinden liegen am Ufer des Kamp oder der Donau. „Die hydrologischen Prognosen verdichten und verschärfen sich“, sagte Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf in Tulln. Es werden weitere Evakuierungen vorbereitet, besonders am Kamp wird mit starken Überschwemmungen gerechnet. Mancherorts seien auch Erdrutsche möglich, weil die Böden völlig durchnässt sind.

Während in Deutschland noch immer eine angespannte Hochwasser-Lage herrscht, beruhigt ein Experte und sagt einen irren Wetter-Wechsel voraus. Besonders prekär verhält sich aber derzeit die Hochwasserlage am Stausee Ottenstein, der trotz aller Vorbereitungen droht überzulaufen. „In den vergangenen zwölf Stunden fand flächige Überregnung in weiten Teilen des Landesgebietes statt“, erklärt Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf bei oe24.at. Angesichts der angekündigten Unwetter in Österreich wurde schon seit Montag Wasser abgelassen, um mehr Raum zu schaffen, sagte der Sprecher des Energieversorgers EVN nach Angaben von heute.at.

Unwetter in Österreich: 100-jähriges Hochwasser am Donau-Zulauf prognostiziert – Überlaufen des Stausees erwartet

Geholfen hat es bei den Regenmengen durch die Unwetter in Österreich wenig, da von den Experten erwartet wird, dass der Stausee Ottenstein bereits am Sonntagnachmittag überlaufen könnte. Die Einsatzkräfte bereiten sich darauf vor, Menschen vorsichtshalber in Sicherheit zu bringen. Es werden weitere Evakuierungen vorbereitet, nachdem bereits einige Menschen in der Nacht aus ihren Häusern gerettet werden mussten. Besonders am Kamp wird mit starken Überschwemmungen gerechnet.

Ein Überlaufen würde am Kamp, einem Zufluss der Donau, erhebliches Hochwasser auslösen. Im Unterlauf des Flusses könnten nach derzeitigen Prognosen die Werte für ein 100-jähriges Hochwasser noch übertroffen werden. An der Donau wird ein 20- bis 30-jähriges Hochwasser erwartet.

Unwetter und Hochwasser: Lage bleibt dramatisch – massive Überflutungen im ganzen Land

„Die Hydrologen rechnen mit extrem schweren Regenfällen in den nächsten Stunden, bis zu 60 Millimeter in den nächsten sechs Stunden im Zentralraum und bis 40 Millimeter flächendeckend in Niederösterreich. Damit kommt es jetzt schon und wird es weiter zu massiven Überflutungen im ganzen Land kommen“, teilte Pernkopf (ÖVP) der Nachrichtenagentur APA mit. „Vermeiden Sie unnötige Fahrten und Wege! Damit gefährden Sie sich und möglicherweise auch die Einsatzkräfte“, so der Landesvize.

Während in Bayern durch die Wassermassen ein ganzes Dorf verschluckt wurde, waren auch in anderen Teilen von Österreich die Auswirkungen durch das Hochwasser deutlich zu spüren. In der Nacht auf Sonntag wurde der Zugverkehr auf der Weststrecke zwischen Amstetten und St. Valentin im Westen des Bundeslandes eingestellt.
100 Straßen in Niederösterreich sind derzeit gesperrt. Auch in der Steiermark sind einzelne Gebiete derzeit nicht erreichbar. Und ihn Wien musste die U-Bahn teilweise gesperrt werden, während die Feuerwehr zu einer Vielzahl von Einsätzen ausrücken.

 

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