VonRomina Kunzeschließen
Das Gros der Bevölkerung freut sich, in das neue Jahr zu feiern. Nicht so der Rettungsdienst. Ein Video-Appell soll heftigen Krawallen, wie in der Silvesternacht 2022, vorbeugen.
München – In den sozialen Medien erntet der jüngste Aufruf von Polizei und Rettungsdienst überwiegend Kritik. Viele sehen in dem fast schon flehenden Appell, Rettungskräfte in der Silvesternacht nicht zu attackieren, ein Ausdruck von Schwäche und Kontrollverlust. Der Konsens auf den Plattformen: härter durchgreifen, statt an der Vernunft einiger Chaoten appellieren.
Aus Sicht von Ricardo Lange ist es ein Armutszeugnis für die Gesellschaft, dass es überhaupt so weit kommen muss. Er ist einer der prominentesten Verfechter für bessere Arbeitsbedingungen im Rettungs- und Pflegedienst. In einem Social-Media-Beitrag nimmt der Intensivpfleger zu den Silvester-Aussichten Stellung.
Angst vor Ausschreitungen zu Silvester – Intensivpfleger Lange erinnert an 2022
Während der Corona-Pandemie wurde der Intensivpfleger für seine unverblümte Art bundesweit bekannt. Nur den Menschen aus dem Gesundheitssektor zu danken und gut zusprechen, reiche nicht, forderte er damals wie heute offen von der Bundesregierung. Und auch jetzt fühlt er sich und seinesgleichen von der Politik im Stich gelassen. Doch vor allem stellt er die Gesellschaft an den Pranger.
„Greift uns nicht an“ ist eine Botschaft von einem Video, das gerade im Netz viral geht.
— Ricardo Lange (@RicardoLange4) December 28, 2023
Es ist eine Schande, das #Rettungskräfte darum bitten müssen, nicht attackiert und verletzt zu werden!
„Es ist eine Schande, dass Rettungskräfte darum bitte müssen, nicht attackiert und verletzt zu werden“, schreibt er in einem Statement auf X (vormals Twitter). Und nimmt damit unterschwellig auch die Behörden in die Pflicht, wenn er schreibt: „Erinnert ihr euch noch? Letztes Jahr an Silvester wurden Rettungskräfte mit Raketen und Böllern beschossen, Feuerwehrautos angezündet und Krankenwagen demoliert“.
Angriffe, Verletzt, sogar tödliche Unfälle: Die traurige Silvester-Bilanz aus 2022 - „Wir haben ein Problem“
Allein in der Bundeshauptstadt musste die Feuerwehr nach Bericht des Spiegels in der Nacht von 2022 auf 2023 mehr als 1700 ausrücken. Neben dutzenden Verletzungen von Feiernden, kam es dabei in 38 Fällen zu Angriffe auf Einsatzkräfte, 15 wurden verletzt, ein Retter musste sogar selbst im Krankenhaus medizinisch versorgt werden. Ein Jugendlicher starb durch Pyrotechnik.
So die traurige Bilanz der bislang letzten Silvesternacht, die auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) anprangerte. Wie CDU-Politiker Jens Spahn sah sie das Problem vor allem in der Integrationspolitik und forderte lückenlose Aufklärung sowie Konsequenzen.
Unter dem Hintergrund der Lage im Nahen Osten befürchten die Behörden erneut heftige, wenn nicht gar schlimmere Ausschreitungen als im vergangenen Jahr. Bereits kurz nach Kriegsausbruch in Israel kam es zu Spannungen in Berlin, mit Blick auf Silvester stellen sich zahlreiche Städte und Gemeinden auf Krawalle ein. Intensivpfleger Ricardo Lange schließt sein Statement mit den Worten ab: „Houston, wir haben ein Problem – und zwar ein gewaltiges“.
Kaum Verkauf von Feuerwerkskörper gestartet und schon Verletzte und Böller-Angriffe
Der Trend scheint sich fortzusetzen: nach dem bundesweiten Verkaufsstart von Feuerwerkskörper am Donnerstag (28. Dezember) kam es laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) noch am selben Tag zu Ausschreitungen und Verletzungen. So sollen in Berlin-Kreuzberg ein 19- und ein 20-Jähriger von einem Auto aus einen Linien-Bus mit Böller beworfen haben.
Ebenfalls in der Hauptstadt wurden Feuerwehrkräfte beim Löschen einer Feuerwerksbatterie mit Silvesterraketen beschossen. Und: Eine Gruppe von 10 bis 15 Jugendlichen wurden handgreiflich, nachdem Eltern sie darum gebeten hatten, nicht mehr Feuerwerkskörper auf deinem Spielplatz zu zünden. Eine Frau und ein Mann mussten daraufhin im Krankenhaus behandelt werden.
In München ging noch vor Silvester über 100 Mal der Melder des Rettungsdienstes. „Was zur Hölle stimmt mit Euch nicht?“, schreibt Intensivpfleger Lange in seinem Post, den er auch auf Instagram veröffentlicht hatte. Dabei bezog er sich auf Vorfälle gegenüber Rettungskräfte aus den Vorwochen. (rku)
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