VonRichard Stroblschließen
Im nördlichen Mittelmeerraum sorgen heftige Unwetter für roten Wetter-Alarm. Südfrankreich und Nord-Italien werden schwer getroffen.
Nizza/Genua – Heftige Unwetter ziehen am Freitag über den Mittelmeerraum. Südfrankreich und Nord-Italien rufen den Alarmzustand aus. Es ist mit Überschwemmungen zu rechnen.
Wegen heftiger Unwetter ist es in Südfrankreich zu Stromausfällen, Straßensperrungen und Schließungen von Schulen gekommen. Das Departement Alpes Maritimes warnte am Freitag vor starkem Regen und Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 130 Kilometern pro Stunde. Erdrutsche und umgestürzte Bäume machten Straßen unpassierbar, die Strandpromenade in Nizza wurde wegen hoher Wellen gesperrt. Der Wetterdienst Météo France verhängte die höchste Unwetterwarnstufe rot für die Region. Alle Schulen und Kindergärten blieben am Freitag vorsorglich geschlossen.
Schwere Stürme im Mittelmeerraum: Brücken stürzen ein - erste Evakuierungen
Rund 250 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, bislang sei aber niemand zu Schaden gekommen, sagte der Präfekt des Departements, Hugues Moutouh. Hunderte Feuerwehrleute waren im Einsatz. Besondere Sorge galt drei Bergtälern, wo befürchtet wurde, dass Flüsse über die Ufer treten und Wasser und Schlamm schwere Schäden anrichten.
In Saint-Martin-Vesubie im Süden Frankreichs sind laut der Zeitung Nice-Matin zwei Brücken eingestürzt. Die Maissa-Brücke in dem Ort stürzte demnach unter den Wasser-Massen ein. Die Trois-Ponts-Brücke wurde von einer Schlammlawine getroffen. „Die Bewohner, die sich in der Nähe befinden, müssen evakuiert werden“, sagte Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi via X (ehemals Twitter). Die Situation habe sich „in weniger als zehn Minuten verschlechtert“. Es drohen weitere Überschwemmungen und Schäden. Auch Straßen drohen weggespült zu werden. Zuvor wurden bereits 85 Personen von einem Campingplatz evakuiert.
Sturm trifft auch Italien: „Hurrikanböen“ und Sturmflut-Gefahr
Auch im italienischen Mittelmeerraum ist man alarmiert. Das Ministerium für Katastrophenschutz hat für Ligurien und die Emilia Romagna eine orange Warnung wegen Unwettern ausgegeben. Laut dem Wetterportal meteo.it ziehen seit den frühen Morgenstunden starke Südwinde mit Sturmböen oder sogar starken Sturmböen über Ligurien, Sizilien, Apulien, die Toskana, Umbrien und die Marken. Diese dehnen sich über den Tag voraussichtlich auf fast alle weiteren Regionen Italiens aus. Auch die autonome Provinz Bozen sowie Trient ganz im Norden sind betroffen. Es wird vor starkem Regen und Gewittern gewarnt.
Verantwortlich für die starken Regenfälle ist demnach der Wirbelsturm Medusa. Er soll seinen Schwerpunkt am Freitag vom ligurischen Golf in Richtung Osten verlagern. Insofern ist vor allem der Norden Italiens von den Auswirkungen betroffen. In Venedig besteht Überschwemmungsgefahr.
Der Prognose zufolge können die Sturmböen eine Stärke von 120 km/h erreichen. Entsprechend der Beaufort-Skala kann man deshalb von „Hurrikanböen“ sprechen, wie das Wetter-Portal erklärt. Wegen des starken Windes wird auch eine sehr raue See erwartet. Wellen können eine Höhe von sechs Metern erreichen. „Die Gefahr von Sturmfluten ist real“, schreibt ilmeteo.it. Besonders gefährdet ist die Küste Liguriens sowie die nördliche Toskana. Auch in Deutschland drohen Sturmfluten an der Ostsee.

